27.11.09
Berliner und Brandenburger Esperanto-Freunde helfen beim Aufbau eines Kulturzentrums in der ostpolnischen Stadt Białystok
150 Bücher nehmen Vertreter der Stadtverwaltung von Białystok am 18. Dezember als Beitrag aus Berlin in Empfang.
Anlaß ist der 150. Geburtstag von Ludwig L. Zamenhof, der am 15.12.1859 in Białystok geboren wurde
Urwüchsige Wälder, in denen der Bison grast, sind das Markenzeichen des Białowieża-Nationalparks in Polen kurz vor der Grenze zu Weißrußland, einem von vier Nationalpark rund um Białystok. Als Gegenpol zum Naturerlebnis durch sanften Tourismus positioniert sich die ostpolnische Metropole zunehmend als Zentrum für Kultur, Bildung und Wissenschaft.
Im Sommer diesen Jahres wurde ein Kulturzentrum eingeweiht, das den Namen des bekanntesten Sohns der Stadt erhielt und auf polnisch “Centrum im. Ludwika Zamenhofa” heißt. Es erinnert damit an Ludwig L. Zamenhof, den Initiator der internationalen Sprache Esperanto, einer Plansprache, die heute auf der ganzen Welt verwendet wird. Zu seinem Geburtstag hatte sich die Stadt Białystok 2009 um die Ausrichtung des Esperanto-Weltkongresses beworben und mit großzügiger Unterstützung der Kommune wurde daraus ein einzigartiges Festival für internationale Kultur und Verständigung.
Unterstüztung beim Aufbau des Kulturzentrums Ludwig Zamenhof
Mehr als ein Dutzend Esperanto-Freunde aus Berlin und Brandenburg genossen die heitere Atmosphäre in der ersten Woche des August 2009. Umgekehrt hatteVize-Bürgermeister Alexandr Sosna Ende August in Berlin den Zamenhofpark besucht, der kurz vor dem Białystoker Esperanto-Kongress in Lichtenberg feierlich eingeweiht worden war. In einem Gespräch mit der Lichtenberger Bürgermeisterin Christina Emmerich übermittelte er den Wunsch seiner Stadt nach einer intensiveren Zusammenarbeit mit Berlin, etwa in Form einer Städetpartnerschaft. Ein erster Schritt wird die Unterstützung beim Aufbau des Zamenhof-Zentrums sein.
“Für jedes Jahr seit der Geburt von Ludwig Zamenhof im Jahr 1857 haben wir ein Buch ausgesucht” erläutert Johann Pachter aus dem Vorstand der Esperanto-Liga Berlin. “Wir zeigen damit unsere Hochachtung vor seiner einmaligen Leistung, eine Sprache zu schaffen, mit der wir uns mit unseren Nachbarn in Polen viel besser verständigen können”.
Seit vielen Jahren funktioniert der Austausch zwischen Brandenburg und den angrenzenden Woywodschaften. Auch zum diesjährigen Zamenhof-Fest am 18. Dezember 2009 in der Max-Taut-Aula in Lichtenber sind Esperanto-Freunde aus Polen als Gäste, aber auch als Mitwirkende dabei.
Es wird unter anderem Georg Handzlik auftreten, der als “Bardo sen barbo” (Barde ohne Bart) bekannt ist und durch seine 1999 erschienene CD “Ni tostu la verdan fortunon” bekannt ist.
Repräsentativer Querschnitt durch die Esperanto-Literatur für Białystok
Es ist keine leichte Aufgabe 150 aus der mehrere 10.000 Titel umfassenden Esperanto-Literatur auszuwählen. Natürlich sollen die Bücher dabei sein, die eine Bezug zu Berlin haben. Dazu gehört etwa das 2006 erschienene Kompendium “Esperanto: Sprache und Kultur in Berlin”, das auf 368 Seiten auf Deutsch und Esperanto einen umfassenden und reich illustrierten Überblick über die Höhen und Tiefen des Esperanto-Lebens in Berlin zwischen 10ß3 und 2003 bietet.
Dazu gehören auch belletristische Werke, wie etwa der Roman “Kiel akvo de l’rivero”, der das deutsch-französiche Verhältnis im Vorfeld es 1. Weltkriegs zum Thema hat oder der Roman “Metropoliteno”, in dem die sozialen und politschen Kämpfe im Berlin der Zwanziger Jahre den Hintergrund für eine deutsch-russische Liebesgeschichte bilden. “Wir haben den Vorteil” sagt Johann Pachter “daß wir in Berlin eine der weltweit größten Esperanto-Bibliotheken haben, die laufend durch Ankäufe und Spenden erweitert wird. Mit den Dubletten seltener und oft lange vergriffener Titel können wir Białystok beim Aufbau einer repräsentativen Sammlung der Esperanto-Literatur einen Dienst erweisen.”
Mit in die Kiste der 150 Bücher müssen auch Esperanto-Bücher von Berliner Autoren. Etwa der Kriminalroman “Mr. Tot aĉetas mil okulojn” von Jean Forge, der später den Stoff zu einem Dr. Mabuse-Film geliefert hat oder die Gedichte von Karl Vanselow, der schon in der Kaiserzeit als Herausgebern des Lifestyle-Magazins “Die Schönheit” populär war. Er hat sich mit ganzem Herzen für Esperanto engagiert und als Kuriosität ein Lehrbuch des Esperanto verfaßt, das von vorne bis hinten in Reimen geschrieben ist.
Auch in fachlicher Hinsicht hat Berlin einiges zu bieten. So gilt das Buch “Internationale Plansprachen. Eine Einführung” von Detlev Blanke aus dem Akademie-Verlag heute als Standardwerk der Interlinguistik, einer Disziplin der Sprachwissenschaften.
Neben vielen privaten Spendern will sich auch der Deutsche-Esperanto Bund beteiligen, der seinen Sitz in Berlin hat. Er legt die “Germana Antologio” mit der Esperanto-Übersetzung deutscher Literatur aus 10 Jahrunderten sowie die Übersetzungen von “Max und Moritz” und dem “Struwwelpeter” dazu.
Übergabe beim Zamenhof-Fest am 18. Dezember in Lichtenberg
Die wertvolle Fracht wird am 18. Dezember in Lichtenberg von einer Delegation der Stadtverwaltung aus Białystok unter der Leitung von Vize-Bürgermeister Aleksandr Sosna in Empfang genommen, der von einem Aufnaheteam des lokalen Fernsehsenders TV Białystok begleitet wird. Die offizielle Eröffnung der Bibliothek wird dann im April 2010 sein und es ist jetzt schon klar, daß sich dann viele aus Berlin und Brandenburg persönlich davon überzeugen werden, daß die Bücher unter optimalen Bedingungen untergebracht sind und helfen, daß sich Białystok zu einem neuen Zentrum der Esperanto-Kultur entwickelt. ( Pressemitteilung)
Tags: Allgemein von CSieb
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