Blick auf die Glienicker Brücke in Richtung Potsdam
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bei der meist eine politische Diktatur Angstkomplexe auslebt. Auf die Spitze treiben es die Eiferer unter den Machthabern, die sogar eine Tausende Jahre alte Erfindung der Menschheit zum Abgrenzen und Verhindern benutzen - die Brücke. Bekanntlich ist es gerade deren Aufgabe zu verbinden und geografische Hindernisse wie Flüsse, Sunde und Tiefen aller Art zu überspannen. Das tut auch die 146 Meter lange Glienicker Fachwerk-Brücke mit ihren eleganten stählernen Doppelbögen an jener schmalen Stelle der sich gelegentlich seeweit öffnenden Havel, an der das Zehlendorfer Ufer und die Gestaden der Berliner Vorstadt von Potsdam einander nahekommen und sich die Wasser des Jungfernsees im Norden und der südlichen Glienicker Lake mischen. Die zum festungsartigen Grenzübergang mutierte Brücke war eines der seltenen Beispiele dafür, dass sich Verbindendes radikal ins Gegenteil verkehrt. "Hier stoßen die Reiche zusammen - und jedes Reich paßt sehr auf, daß die Bewohner des andern nicht die Grenze überschreiten." So definiert Kurt Tucholsky - beim Erfahrungsstand von 1920 - jedwede drahtstarrende Grenzanlage. Es überstieg das Vermögen dieses scharfsichtigen Publizisten sich vorzustellen, dass einmal nur das eine "Reich" von beiden an der Grenze "aufpasst". Denn das war seit 1961 an der einzig auf DDR-Seite schwer bewachten Glienicker Brücke der Fall, einem Grenzübergang meist nur für Alliierte und Diplomaten.