Veitel Ephraims Palais: Die Münzen falsch - das Herz so weit

"Unrecht Gut gedeihet nicht!" - So eng darf man das nicht sehen, zumal viel Wasser die Spree hinab geflossen ist, seit vor mehr als 250 Jahren schäbig erworbenes Geld
Ephraim-Palais in Berlin Mitte
Ephraim-Palais in Berlin Mitte
Foto: -wn-
für ein - wie wir heute empfinden - kulturell hochwertiges Sachgut ausgegeben worden war: für den Bau des Berliner Ephraim Palais. Schon damals bestätigt sich: Geld riecht niemals übel. Das aus einer geruchsfreien Wertumwandlung hervorgegangene und heute zur Stiftung Stadtmuseum Berlin gehörende Gebäude mit seinen auf drei Stockwerken wechselnden Ausstellungen zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte ist gut besucht. Auch sah man noch keinen Besucher des Hauses, der es nach Kenntnisnahme seiner absonderlichen Finanzierungs-Umstände befremdet verlassen hätte.
Erstbesitzer des seinerzeit als elegantestes Rokokopalais Berlins geltende Haus war der Bankier und Münzpächter Nathan Veitel Heine (Chaim) Ephraim (1703-1775). Und eines ist wohl auch klar: Dieser geschäftstüchtige, bildungsbeflissene und vom deutsch-jüdischen Historiker Heinrich Graetz (1871-1891) auch "brotneidischer Geldmensch" genannte Unternehmer würde staunen, sähe er, wie ein Vierteljahrhundert später unter seinen Berufskollegen die Orientierung auf persönlichen Gewinn erheblich eskaliert. Ephraims Profitgarant war Auftraggeber König Friedrich II. (1712-1786), und dieser entschied, was in Geldgeschäften sittenwidrig war und was nicht. Sein Credo: "Moses lenkte seine Juden, wie er wollte, und ich regiere meine Preußen, wie es mir paßt." Und da war Friedrich in seinen fiskalischen Handhabungen mehr als konsequent. Bevor Ephraim in den 1760er Jahren sein Palais mit erlangtem Mehrwert bauen lassen konnte, hatte er für den Philosophen von Sanssouci maßgeblich dessen um Schlesien geführten Siebenjährigen Krieg u.a. gegen Österreich (1756‒63) mit falschem Geld zu finanzieren und konnte sich nebenher satte Beigewinne sichern. Ihn einen Kriegsgewinnler zu nennen, könnte er nicht als Beleidigung abtun.
Und selbst mancher in der Judenschaft ließ ihn die Ablehnung seiner Manipulationen spüren, z.B. der in Berlin wirkende Aufklärungs-Philosoph Moses Mendelssohn (1729-1786). Dieser lehnte näheren Kontakt zu ihm ab. Mit einem solchen innerjüdischen Makel behaftet, war Ephraim andrerseits ein privilegierter so genannter Schutzjude - ausgestattet mit der "Freiheit eines christlichen Banquiers". Die preußische Judenschaft - muss man wissen - war in sechs Klassen eingeteilt, von den reichsten Juden wie Ephraim, die nahezu alle Bürgerrechte besaßen, bis hin zu den rechtlich benachteiligten Dienstboten und den geduldeten Betteljuden, die man jederzeit verjagen konnte.

Das Ephraim-Palais in Berlin:


Ephraims Privilegien haben eine Geschichte. Wegen seiner guten Beziehungen zu polnischen Silber-Händlern war er bereits bei König Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) angesehen. Und Kronprinz Friedrich stand bei ihm regelrecht in der Kreide, hatte sich schnell mal einige Tausend Taler geborgt, um die Rheinsberger Festivitäten zu finanzieren. Wie die Schriftstellerin Luise Mühlbach (1814-1873) in ihrem Buch "Friedrich der Große und sein Hof" darstellt, musste Ephraim oft um die Rückzahlung der Darlehen betteln. Und einmal sei dessen resignierende Empörung über die mangelnde Zahlungsmoral des jungen Friedrich aus ihm mit den Worten herausgebrochen: "Wir (die Juden) sind nichts ohne Geld, und nur, wem wir eine vergoldeten Hand entgegenstrecken, der reicht uns die seine und fühlt sich nicht beschmutzt von der Berührung eines Juden." Die Erinnerung an seine Rückstände hielt Friedrich später als Monarch, der sich um alles und jedes kümmerte, nicht davon ab, den Viadrina-Studenten ein "Regelement wegen des Kreditierens derer Studiosorum zu Franckfurt an der Oder" zu verpassen, nach dem diese nur Schulden in Höhe von jeweils fünf Reichstalern machen durften.

Friedrich scheute jüdischen Umgang nicht und befahl dem vertrauten Ephraim und dessen Partner Daniel Itzig (1723-1799), einen der bedeutendsten jüdischen Bankiers in Preußen, eine interne, letztlich nicht geheim bleibende Abwertung des preußischen Talers - eine von jenen Manipulationen, vor deren inflationären Langzeitwirkungen bereits zwei Jahrhunderte früher der Annaberger Rechenmeister Adam Ries (1492-1559) hinlänglich gewarnt hatte. Die Devalvation vollzog sich durch das Verringern des Silbergehalts der Münzen bei gleichbleibendem Nominalwert, so dass der preußische Taler schließlich ein Drittel seines Wertes verlor; bald verspottete man die minderwertigen Münzen als Ephraimiten und mied sie, wenn es ging. "Außen Silber, innen Zinn / außen Friedrich, innen Ephraim", frotzelten die Leute. Auch im besetzten Kursachsen ließ Friedrich minderwertige Achtgroschenstücke mit Bildnis und Wappen seines Lieblingsfeindes Friedrich August II. (1670-1733) herstellen und in Umlauf bringen. Selbst Tympfe, geringhaltige polnische Silber-Münzen, wurden im Geheimen geprägt. Reich wurden Ephraim und Itzig durch die mit dem König vereinbarte Provision von acht Prozent bei der Münzherstellung und durch die Umwandlung von schon wenig werthaltigen Sorten in noch minderwertigere, wobei der Silbergehalt der Münzen sogar noch mehr als vereinbart verringert wurde. Ephraim war aber nicht nur Münzunternehmer von Königs Gnaden. Er durfte auch mit Juwelen und anderen Waren des gehobenen Bedarfs handeln, betrieb Manufakturen und erwarb Grundbesitz. Das "Ephraimsche Handlungshaus erhielt 1763 die Erlaubnis, mit Material- und Spezereiwaren en Gros und en Detail zu verkehren", heißt es in einer Chronik. Der König wollte ausdrücklich, dass "denen Juden der Schutz hauptsächlich deshalb erstattet wird, um Handel, Commerce, Manufacturen, Fabriquen und dergleichen zu betreiben" und um nach dem Krieg das "Comertium blühend zu machen".

Doch neben diesen wirtschaftlichen Aktivitäten prekären Charakters finden wir im Leben des Veitel Heine Ephraim und seiner Söhne "Zeugnisse für religiös begründete Wohltätigkeit
im großen Stil, mit der die Stifter zugleich ihrem eigenen Seelenheil zu dienen suchten" wie es der Potsdamer Judaist Karl Erich Grözinger (geb. 1942) ausdrückte. Das Anliegen der "Veitel Heine Ephraimschen Lehranstalt" etwa war es, die traditionelle Talmudgelehrsamkeit in die Moderne zu überführen und dem jüdischen Lehr- und Lernideal Genüge zu tun. Die Anstalt war die Vorläuferin der 1870 gegründeten Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentumes. Am Ende seines Lebens kam der umtriebige und eben auch weitherzige Veitel Ephraim in den Genuss einer für seine Zeit und - vor allem für einen Juden - höchst ungewöhnlich ehrenden Anrede: Die Berliner Wochenmeldungen vermerkten am 19. Mai 1775 das Ableben des "Herrn Oberältesten (der Jüdischen Gemeinde) Veitel Ephraim". Dieses auf den ersten Blick eher nebensächlich scheinende Detail lässt sich als Aufforderung deuten, bei Erwägungen zu geschichtlichen Gestalten neben der Kritik auch der Gerechtigkeit Raum zu geben und sich auf das Für und Wider eines Menschen einzulassen.

Öffnungszeiten vom Ephraim-Palais:


Di, Do - So 10-18 Uhr, Mi 12-20
Zu erreichen ist das Palais mit den Buslinien 248, M48

Eintrittspreis im Ephraim-Palais:


5,00 € / erm. 3,00 Euro
bis 18 Jahre Eintritt frei
jeden 1. Mittwoch im Monat Eintritt frei

Wie man zum Ephraim Palais in Berlin kommt:
Adresse:
Ephraim-Palais
Poststraße 16
10178 Berlin

Das zwischen 1985 und 1987 neu errichtete Palais, ein um wenige Meter versetzter Nachbau des 1935 abgerissenen Originals, befindet sich am Rande des Nikolai-Viertels Ecke Poststraße / Mühlendamm.

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Text: -wn-

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