Kunst im Hochbunker - Sammlung Boros

Kunst hinter den meterdicken Mauern eines alten Nazibunker? Es klang wie ein durchgeknallter Sammlertraum,
Kunst im Hochbunker
Pressefoto Sammlung Boros / © NOSHE
als Christian Boros seinen Plan offenbarte, aus dem monströsen Bunker in der Reinhardtstraße ein Privatmuseum zu machen. Dennoch ist ihm damit eines der ungewöhnlichsten und engangiertesten Projekte gelungen, die Berlin seit Jahren gesehen hat. Zwar gibt es in der Hauptstadt öfters Baustellen, auf denen alte Fabriken zu Lofts oder alte Umspannwerke zu Büros transformiert werden, doch einem Bunker eine neue Funktion zu geben, hat noch keiner gewagt. Seit Frühjahr 2008 präsentiert hier Boros, Inhaber einer Werbeagentur mit Standorten in Wuppertal und Berlin, in wechselnden Ausstellungen immer wieder neue Teile seiner rund 500 Werke umfassenden Sammlung zweitgenössischer Kunst. Skulpturen, Rauminstallationen, Licht- und Performancearbeiten machen den Gang durch jene Räume, in denen zu Kriegszeiten tausende von Menschen dicht zusammengedrängt vor den Bomben Zuflucht suchten, zu einer völlig neuen Erfahrung. "Ich sammle Kunst, die ich nicht verstehe", lautet Boros Motto. Klar, viele fasziniert das Rätselhafte mancher moderner Kunstobjekte. Und dennoch sagen die Werke aus Boros Sammlung einiges aus. Viele von ihnen stehen für markante Punkte im Berliner Kunstgeschehen der letzten Jahre: so zum Beispiel die acht Meter langen, teerbeschichteten Stelen des Künstlers Santiago Sierra, mit denen er zur Eröffnung der Galerie Gebauer an der Jannowitzbrücke die Wände durchbrach.

Kunst im Hochbunker - Eine Sammlung von Christian Boros


Ursprünglich im Jahr 1941 als Evakuierungsraum für den nahegelegenen Bahnhof Friedrichstarße gebaut. Albert Speer höchspersönlich plante den Bunker im Rahmen
des "Führer-Sofortprogramms". Als die Nazis noch an den Endsieg glaubten, hatten sie vor, den Bunker danach - passend zum Konzept der Welthauptstadt "Germania" - nach außen mit vornehmen Marmor zu verkleiden. Bis Kriegsende diente er als Kriegsgefangenenlager und Bombenschutzraum. Zu DDR-Zeiten lagerte man in den kühlen Gemäuern kostbare Südfrüchte aus Kuba ein. Nach dem Mauerfall schließlich mutierte das Gebäude erst zum Clubgelände für Sado-Maso-Fetischisten, wenig später dann zum Technoschuppen. Um 2003 schließlich kaufte Boros den Mega-Betonklotz. Bis zur Eröffnung musste Boros gemeinsam mit seinen Architekten jedoch noch so einiges bewältigen: ursprünglich waren nur eineinhalb Jahre für den Ausbau geplant; im Endeffekt wurden fünf daraus. Ein echtes Mammutprojekt. Allein der Durchbruch zum meterdicken Stahlbetondach, wo heute Boros auf 500 m² Penthousefläche mit Pool und umlaufender Terrasse luxuriös residiert, dauerte ein halbes Jahr. Darunter erstreckt sich heute Boros "80-Räume-Hobbykeller". Zwischendecken und Wände des ursprünglich 160 Räume umfassenden Baus mussten mit Diamantschneidetechnik herausgebrochen werden. Den Schutt karrte man anschließend tonennweise hinaus. Wieviel Geld Boros in seinen Darkroom für die Kunst steckte - darüber schweigt der Wuppertaler Werbemillionär vornehm.

Entstanden ist ein fünfgeschossiger Ausstellungskomplex in zeitgenössisch-kühlem Ambiente. Die Innenwände aus nacktem Beton, der Boden aus bräunlichem Muschelkalkstein: ein gemütlicher Ort ist diese Trutzburg wahrlich nicht. Kein Tageslicht, Handyempfang sowieso nicht und auch mit der Orientierung tut man sich ein wenig schwer. Und dennoch: die labyrinthische Struktur des neuen Kunsthauses hat eine spektakuläre Aura. Auf noch so gut wie nie gesehene Weise verbindet sich hier zeitgenössische Kunst mit der Vergangenheit der Stadt Berlin. Hier wird sie geerdet.
Text: DTS

Adresse:
Sammlung Boros
Bunker, Reinhardtstr. 20
10117 Berlin Mitte
Tel: 030/ 275 94 065

Öffnungszeiten:
Fr 14-18 Uhr
Sa und So 10 - 18 Uhr


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