Die Galerie Leo.Coppi präsentiert Kunst aus einem Land, das es nicht gibt

Kunst aus der DDR war nicht immer nur sozialistischer Realismus. Neben den vielen
Galerie Leo Coppi Berlin
Die Galerie Leo Coppi - Alte und neue Kunst vereint
Foto © Ute Schwendt
Kunstschaffenden, die sich dem ästhetischen Verständnis der Diktatur des Proletariats beugten und in ihren Werken das kleine Land mit den großen Ansprüchen verherrlichten und überhöhten, gab es Künstlerinnen und Künstler, die abseits des verstaatlichten Mainstreams nach eigenen Wegen suchten, um sich auszudrücken. Diese Menschen haben nie vergessen, dass Kunst zuallererst eben Freiheit bedeutet. Die Galerie Leo.Coppi in der Auguststraße in Mitte widmet sich genau dem Schaffen jener Kreativen.

Galerie Leo.Coppi - Ein Fels in der Brandung


Die Zeit rast dahin; eine Galerie, heute eröffnet, kann in wenigen Monaten schon wieder einer Szeneboutique oder einem Sushilokal Platz gemacht haben. Kunst ist ein fragiles Gut und bedarf sorgsamer Pflege, damit es nicht verkümmert. Umso erstaunlicher und erfreulicher ist es, dass sich die Galerie Leo.Coppi nun schon über
zwanzig Jahre in der umtriebigen Berliner Kunstszene behauptet. Und das eben gerade nicht mit wohlgefälliger Hipster Art, sondern mit Kunst aus der Nische, die sich nicht unbedingt dem allgegenwärtigen Kunstkonsum unterordnet.

Künstlerinnen und Künstler
Er war schon vor dem 1989er Mauerfall unter Eingeweihten im Prenzlauer Berg so etwas wie eine Legende. Harald Metzkes arbeitet bereits seit Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts als freischaffender Maler. Und 1984 durfte er trotz seines unangepassten Stils an der berühmten Biennale in Venedig teilnehmen. Der heute im Brandenburgischen lebende Künstler gilt nicht nur als ein Vertreter der Berliner Schule; vielfach wird er auch als dessen Gründer genannt. Die Beteiligten der Berliner Schule orientierten sich lieber an den Gedanken und Werken der Moderne, statt die von der DDR-Regierung geforderten Abbildungen sozialistischer Schein-Idyllen anzufertigen. Beckmann, Picasso, Cézanne und Chagall waren nur einige der Künstler, die Metzkes und seine Freundinnen und Freunde der Berliner Schule nachhaltig beeinflussten.
Manfred Böttcher, 2001 verstorben, zählt ebenfalls zur oben erwähnten Berliner Schule. Seine Bilder zeichnen sich durch eine gegenständliche und figurative Darstellung aus, wahren jedoch inhaltlich eine riesige Distanz zum sogenannten sozialistischen Realismus.
Arno Mohrs Kunst könnte man als minimalistisch bezeichnen. Der Meister verstand es, mit nur wenigen Strichen Atmosphäre zu schaffen und Gefühle bei den Betrachtenden zum Klingen zu bringen. Dabei waren seine Motive oft ganz unspektakulär; dem Alltag entnommen.
Und auch Werke des wohl berühmtesten Berliner Zeichners der Vergangenheit können Sie in der Galerie bewundern. Die Rede ist von Heinrich Zille, dem scharfen Beobachter des "Milljöhs", wie er die Lebensräume des unterprivilegierten Proletariats vor über hundert Jahren bezeichnete. Zille wurde aufgrund seiner humorvoll-bitteren Arbeiten sogar aus der Photographischen Gesellschaft, für die er zuvor arbeitete, entlassen. Dieser Tiefschlag allerdings sollte den Weg ebnen für einen der großen sozialkritischen Künstler der Kaiserzeit.

Junge Talente
Auf zwei Etagen präsentiert die Galerie Künstler. Während in der einen das Hauptaugenmerk auf die alten Meisterinnen und Meister gelegt wird, bekommen in dem anderen Stockwerk die nachstrebenden jungen Talente die Chance, ihre Werke einem interessierten Kunstpublikum zu präsentieren.

Adresse:
Galerie Leo.Coppi
Auguststraße 83
10117 Berlin Mitte
Telefon: 030/ 283 53 31

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag von 12:00 bis 18:00 Uhr.

Öffentlicher Nahverkehr:
S-Bahn: S1, S2, Bahnhof Oranienburger Straße;
U-Bahn: U6, Bahnhof Oranienburger Tor;
Tram: M6, M8, Ausstieg jeweils Oranienburger Straße;
M6, M8, 12 Ausstieg jeweils Oranienburger Tor.
Text: UG / 26.05.2012



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