Kapitulationsmuseum in Karlshorst

Es geschah in Berlin: Noch nie in der Geschichte waren zwei ehemalige Kriegsgegner darin übereingekommen,
Das Deutsch-Russische Museum in Berlin Karlshorst
Blick auf das Deutsch-Russische-Museum in Berlin Karlshorst
Foto © wn
ihre einstigen Feldzüge gemeinsam zu dokumentieren, um mit sichererem Wissen um Gründe und Anlässe einen neuerlichen Casus Belli (Kriegsfall) zu vermeiden. Deutschland und Russland, die sich in einem der grausamsten Kriege der Weltgeschichte befunden hatten, gingen bei Gelegenheit des Abzuges der sowjetischen Streitkräfte 1990 diesen einzigartigen Schritt. Unter Vermeidung ideologischer Sichtweisen und Tabus sollte der Zweite Weltkrieg museal neu aufgearbeitet werden. Historiker beider Saaten schufen eine einvernehmliche Darstellung der sowjetisch-deutschen Geschichte von 1917 bis in die neunziger Jahre. Dieses Arbeitsergebnis wird in den sechzehn Ausstellungsräumen des Deutsch-Russischen Museums am nordöstlichen Ende der Rheinsteinstraße gezeigt: die bilateralen Beziehungen während der NS-Zeit sowie der Kriegsverlauf mit Tätern, Helden und oft ungenannten Opfern. Als Hintergrund ist auch die seitens der DDR mit Phrasen, Verschweigen und Arroganz belastete ostdeutsch-sowjetische Freundschaft gegenwärtig sowie die heutigen deutsch-russischen Beziehungen.
Der weltberühmte Berliner Geschichtsort macht zudem mit verschiedenartigsten Veranstaltungen, wissenschaftlichen Tagungen sowie als Anlaufpunkt in der Berliner "Langen Nacht der Museen" auf sich aufmerksam. An jedem 8. Mai findet die deutsch-russische Begegnung "Erinnerung an den Frieden" statt.

Deutsch-Russisches Museum in Karlshorst


Das Haus, einst ein Offizierskasino der deutschen Wehrmacht, führte bisher den monumentalen Namen "Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945“. Auf eine der unveränderten Grundaussagen des Museums wird der Besucher über der inneren Eingangstür aufmerksam gemacht: „Slawa welikoi pobedje“ – „Ruhm dem großen Sieg“. Die mehrere Meter lange Losung erinnert an den unvergleichlichen Blutzoll des sowjetischen Volkes beim Sieg über den deutschen Faschismus. Der Krieg, von Anfang an ein Raub- und Vernichtungskrieg gewesen, hatte in der Sowjetunion eine verzerrte Alters- und Geschlechterstruktur der Bevölkerung, ein extremes Absinken des Lebensniveaus und einen wirtschaftlichen Rückgang um acht bis zehn Jahre zur Folge.

Während das „Slawa welikoi pobedje“ nie einer Korrektur unterworfen war und sein wird, bewirkte der Geist des Kalten Krieges in den DDR-Jahren, dass der Besucher über den Vorgang der Kapitulation desinformiert wurde. Die Tatsachen: Die am 7. Mai 1945 um 2.41 Uhr im französischen Reims vom Chef des Wehrmachtführungsstabes, Generaloberst Jodl, unterzeichnete bedingungslose Gesamtkapitulation aller deutschen Streitkräfte sei nur, hieß es abwertend, gegenüber den westlichen Alliierten erfolgt. In Wahrheit war ein sowjetischer Vertreter zugegen. In Reims wurde die spätere Ratifizierung der erfolgten Gesamtkapitulation in Berlin-Karlshorst vereinbart. Dieser Vorgang vollzog sich am 9. Mai, gegen 0.15 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Als Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine unterzeichneten Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral von Friedeburg und Generaloberst Stumpf die Ratifikationsurkunde.
Das Dokument nahmen in dieser historischen Nacht Marschall Shukow und Vertreter der westlichen Alliierten entgegen.

Im Kapitulationsmuseum Karlshorst


Shukow beschreibt in seinen Erinnerungen die Minuten nach der Zeremonie: „Alle beglückwünschten einander und schüttelten sich die Hände. Vielen standen Freudentränen in den Augen.“ Zu diesem Zeitpunkt dachte jedoch niemand an die vielen in die Sowjetunion heimkehrenden befreiten Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die von Stalin vorab zu Vaterlandsverrätern erklärt worden waren. Diese Personengruppe erwartete der Kollaborationsvorwurf, systematische Überwachung und Verfolgung, in nicht wenigen Fällen der GULAG.

Obwohl der Sieg über den Faschismus im Bewusstsein der russischen Menschen ein erstrangiger Gedanke war und ist, blieb in der öffentlichen Darstellung das Einzelschicksal des Kriegsopfers zugunsten einer politisierenden Verklärung der Helden nachgeordnet. „Hier, wo sich einst die Erde bäumte, / liegen jetzt Platten aus Granit. / Keiner ist einzeln dageblieben, / wir sehen Alle hier wie Einen liegen“, sang mit Bitternis der sowjetische Liedermacher Wladimir Wyssozki (1938-1980) in seinem Lied „Massengräber“. Man könnte ihm heute sagen: Wladimir Semjonowitsch, in Karlshorst jedenfalls werden die Platten inzwischen gehoben und der Einzelne tritt mit seinem geopferten Leben wieder hervor.

Die Öffnungszeiten vom Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst


Das Museum hat von Dienstag bis Sonntag von 10.00-18.00 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei.
Es ist zu erreichen: Ab S-Bahnhof Berlin-Karlshorst mit der Tram M17 bis U-Bahnhof Tierpark, mit dem Bus 296 Richtung Karlshorst bis Zwieseler Straße.

Deutsch-Russisches Museum
Berlin-Karlshorst
Zwieseler Straße 4/
Ecke Rheinsteinstraße
10318 Berlin
Telefon: 030 /50 15 08 10
Text: -wn-

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