Das Sowjetische Ehrenmal: Der Kurgan von Treptow

Kinder an der Hand oder auf dem Arm - das macht sich öffentlich immer gut. Eine Ausnahme ist Goethes Erlkönig-Ballade: Der Vater "erreicht den Hof mit Mühe und Not; /
Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow
Blick auf das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park
Foto © -wn-
In seinen Armen das Kind war tot". Erfolgreicher der kinderfreundliche Einsatz des Heiligen Christophorus, der das Christusknäblein sicher durchs Wasser trug und heute als Patron der Schiffer, Fuhrleute und Reisenden gilt. Wieder anders der Fall der bronzenen Mann-Kind-Installation im Treptower Park. Mit einer Höhe von fast zwölf Metern lastet die 45 Tonnen schwere Zweiergruppe auf einem neuneinhalb Meter hohen Mausoleum, das eine Anhöhe krönt, nachempfunden einem Kurgan genannten asiatischen Hügelgrab. Der Mann und das gerettete Mädchen ziehen im Sowjetischen Ehrenmahl seit dem 8. Mai 1949 die Blicke auf sich - als Stein und Bronze gewordener Gestus der Macht, des Sieges und der Opferwürde.

Das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park


Mit der Linken hält der Soldat das Mädchen, in der Rechten ein martialisches Sechs-Meter-Schwert, das das Hakenkreuz zerschlug.
Für die Kolossalstatue reichte den Schöpfern ein einziges Vorbild nicht aus. Modell stand zum einen der Soldat Iwan Stepanowitsch Odartschenko aus dem südrussischen Tambow, dessen athletischer Körper dem Bildhauer Jewgeni W. Wutschetitsch (1908-1974) und dem Architekten Jakow S. Belopolski (1916-1993) bei einem sowjetischen Sportfest 1948 in Weißensee aufgefallen war. Die verbürgte Geschichte zur Skulptur steuerte der Obersergeant vom 220. Gardeschützenregiment Nikolai Massalow (1923-2002) bei. Er hatte am 30. April 1945 im Kugelhagel am Landwehrkanal nahe der Potsdamer Brücke ein dreijähriges Mädchen gerettet, das neben einer toten Rot-Kreuz-Schwester lag.

Nicht wenige sowjetische und - links der Elbe - amerikanische Soldaten retteten im Frühjahr 1945 Menschen aus unmittelbarster Gefahr. Für Massalow sollte die Mannestat zum Problem werden. Im Jahre 1965, in der Zeit, in der die DDR-Funktionäre noch mit nassen Brüderküssen in Moskau Eindruck machen wollten, erklärte man den Sibirier eher liebedienerisch denn aus Überzeugung zum Ost-Berliner Ehrenbürger. Im September 1992 war er die Würde wieder los. Was die Listenführer in der Rage ihres Vorgehens nicht bedacht hatten: Die Tabelle der Ausgesonderten vereint den Weltkriegsveteran nun mit den einstigen Berliner Ehrenbürgern Hitler, Göring und Goebbels. Auch wenn Massalow sich weder um einen Standplatz in Treptow noch um die Berliner Ehrenbürgerwürde beworben hatte, empfand er nach Aussage seiner Tochter Valentina die Streichung als Schmach. Er starb in der sibirischen Stadtsiedlung Tjashinski am Kilometer 3773 der Transsibirischen Eisenbahn.

Vielleicht wäre von seiner Seite vorher noch ein "Nitschewo" (macht nichts) gekommen, hätte er mit eigenen Augen sehen können, wie angemessen ernst die Bundesrepublik Deutschland die Pflege der sowjetischen Kriegsdenkmäler nimmt, zu der sie sich im Abkommen mit der Russischen Förderation vom 16. Dezember 1992 verpflichtete. Wer deshalb bereit ist, den fremd wirkenden Stil des 3000 Quadratmeter großen neoklassizistisch geprägten Gesamtkunstwerkes historisch einzuordnen, wird bei der Besichtigung nicht ohne ästhetischen Genuss bleiben. Auf dem Weg zu den Ruhestätten von rund 7000 in Berlin gefallenen sowjetischen Soldaten muss man eines der beiden triumphbogenartigen Granittore passieren, bevor sich der Platz mit der Mutter-Skulptur öffnet. Hier nun kommt erstmals der Soldat in den Blick. Mattfarbene Trauerbirken und Pyramidenpappeln an den Außenseiten der zum Kurgan hinstrebenden Wege mildern die Monumentalität der symmetrischen Anlage, deren Mitte nur zum Teil ein Friedhof ist. Die fünf Gräberfelder vor dem Kurgan täuschen Grablegen nur vor. Etwa 4800 Gefallene liegen in den seitlichen Platanenhainen. Sie waren dort schon bestattet, als das Ehrenmal noch im Bau war. Im Kurgan sind 200 Soldaten bestattet. Um der Anonymität des Massengrabes entgegenzuwirken, legte man im Mittelteil der Anlage vier Einzelgräber an: für einen Soldat, einen Unteroffizier, einen Offizier und einen General. Namen fehlen wiederum.

Für sie und Tausende andere gab es keine Rückkehr in die Heimat. Bereits 1941 hatte der Schriftsteller Konstantin Michailowitsch Simonow (1915-1979) diesen bedrückenden Umstand vor Augen, als er dennoch ein Gedicht mit dem Titel "Wart auf
mich" (Schdi menja) schrieb, einen Appell an die Soldatenfrauen daheim, vom Warten auf den Mann nicht abzulassen. "Warte, wenn vom fernen Ort / dich kein Brief erreicht. / Warte - bis auf Erden nichts / deinem Warten gleicht", heißt es in dem Gedicht, das beim ersten Anlesen einen eher propagandistischen Eindruck erweckt. Tatsächlich ist es eines der gefühlstiefsten Liebesgedichte des vorigen Jahrhunderts, von dem es eine unverwechselbare Aufnahme mit Ernst Busch (1900-1980) gibt. Das beschwörende wie flehentliche "Schdi menja" hat das Vergebens mit großem Ernst eingeschlossen. Auch der Kurgan von Treptow ist ein solch ferner Ort, von dem kein Brief ausgegangen ist.

Sowjetische Ehrenmal
Puschkinallee
12435 Berlin Treptow

Wie kommt man zum Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park ?
Das Treptower Ehrenmal (Eingang Puschkinstraße) ist nach kurzem Fußweg durch den Treptower Park vom gleichnamigen S-Bahnhof (S8) zu erreichen. Stadtauswärts kann man in der Straße Am Treptower Park linkerhand einen schmalen Parkplatz nutzen und betritt dann die Anlage von der anderen Seite.
Weitere sowjetische Ehrenmäler befinden sich in der Schönholzer Heide in Pankow und an der Straße des 17. Juni im Tiergarten.
Text: -wn-

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