Checkpoint Charlie Berlin - Die Panzerkonfrontation vom 27. Oktober 1961

Das Tageshoroskop für den 27. Oktober 1961 stellte den Geburtstagskindern einen Tag im Zeichen der Liebe in Aussicht.
Berliner Mauer und den Checkpoint Charlie in Berlin
Mauer & Checkpoint Charlie in Berlin
Foto © lustil
Am Morgen dieses Freitags sprach alles für einen vom Normalen kaum abweichenden Verlauf der Dinge. Die Mongolei wurde UNO-Mitglied. In der Bundesrepublik lief der Spielfilm „Saison in Salzburg“ mit Peter Alexander an. Über der Karibik braute sich Hurrikan Hattie zusammen, ein Wirbelsturm der fünften Kategorie. In Rostock gründeten 360 Frauen und Männer den Sportverein SV Hafen Rostock 61. Am Checkpoint Charlie am südlichen Ende der Friedrichstraße, wo die Zimmerstraße Berlins berühmte Magistrale quert, verbreitete regnerisches Herbstwetter eine eher düstere Stimmung. In dieser Zeit war der Grenzübergang schon sehr bekannt – zumindest in der Stadt. Ihn benutzten vor allem alliierte Militärs.

Die Kraftprobe am Checkpoint Charlie


Zehn Wochen zuvor hatte die DDR die Berliner Mauer errichtet, die innerdeutsche grüne Grenze fluchtresistenter gemacht und mit diesen drastischen Maßnahmen auch
dem Kalten Krieg weiteren Auftrieb gegeben. Zwar führte das Abwürgen des Flüchtlingsstromes zu einer zeitweiligen wirtschaftlichen Konsolidierung. Aber Walter Ulbricht (1893-1973) ging mit schicksalhafter Selbstüberschätzung einen Schritt weiter: Er ließ sich auf eine Kraftprobe mit den westlichen Alliierten ein und begann massiv deren Rechte in Berlin zu unterlaufen. Immer wieder wurde der garantierte freie Zugang alliierter Personen nach Ost-Berlin behindert, obwohl sich diese in allen Sektoren frei bewegen duften. Ulbricht wollte die alliierten Rechte aufheben und einen Friedensvertrag erzwingen, der die Teilung Deutschlands festschreiben sollte.

Vom Cafe Adler aus, das sich in einem stuckverzierten Haus gleich am Checkpoint befindet, konnte man manchen Zwischenfall beobachten. DDR-Polizisten verweigerten im September 1961 zwei Bussen mit amerikanischen Soldaten die Passage, weil die Insassen die Ausweise nicht vorwiesen, wozu sie nicht verpflichtet waren. Anfang Oktober verwehrten DDR-Polizisten einem US-Offizier aus gleichem Grund den Zugang. Der Offizier wurde schließlich mit einer Eskorte aus drei amerikanischen Jeeps theaterreif nach Ost-Berlin geleitet. Am 22. Oktober verweigerten DDR-Grenzer sogar dem Chef der US-Mission, E. Alan Lightner, die Durchfahrt. Als drei Tage später wiederum ein Fahrzeug der US-Mission gestoppt wurde, war für den Vertreter des USA-Präsidenten in West-Berlin Lucius D. Clay (1897-1978) Schluss mit lustig. Er ließ zehn Panzer vom Typ M-48 an der weißen Linie auffahren. Tags darauf standen 14 dieser martialischen Geräte mit laufenden Motoren den ganzen Tag über am Checkpoint.

Nach deren Abzug in Richtung Tempelhof kam am späten Nachmittag des 27. Oktober überraschend ein Rudel aus sieben sowjetischen Kampfpanzern vom Typ T-54 die
Friedrichstraße herunter. Angesichts dieser unprovozierten Drohgebärde wurden die US-Tanks sofort zum Checkpoint zurückbeordert. Es entstand jene gefährliche Situation, die die Welt in Atem halten sollte. 16 Stunden lang standen sich ab dem frühen Abend die T54-Panzer auf der nördlichen und M-48-Tanks auf der südlichen Seite schussbereit gegenüber. Erst am Sonnabend gegen 10.30 Uhr beorderten die Sowjets ihr Krieggerät zurück. Mittags zogen die Amerikaner ab. Historiker fanden später dafür Belege, dass es auf beiden Seiten für einen äußersten Fall Schießbefehle gab. Eine der ernstesten militärischen Zuspitzungen der Nachkriegszeit ging glimpflich zu Ende.

Mancher Besucher mag sich heute wundern, dass ein so weltbekannter Ort wenig von der damaligen Atmosphäre verrät. Das nahe Mauermuseum wirkt dem Vergessen entgegen. Zu den sehenswerten Exponaten gehören auch jene Hilfsmittel, mit denen DDR-Bürger die Flucht in den Westen wagten: umgebaute Autos, ein Mini-U-Boot, Heißluftballons oder ein Drachen mit Trabant-Motor. Wer allerdings heute draußen auf der engen Friedrichstraße mit dem Auto in Richtung Nord oder Süd vorbei will, muss mitunter im Schritttempo seinen Weg durch die Touristenmassen suchen. Denn etwas hat sich am Checkpoint Charlie nicht durchgreifend geändert: Immer kam man da schon ziemlich schwer durch.

Öffnungszeiten vom Checkpoint Charlie


Täglich von 0:00 Uhr bis 24:00 Uhr ( rund um die Uhr )

Fahrverbindung: U-Bahn U6, Bahnhof Kochstraße, Bus 129

Text: wn

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