Die Friedrichswerdersche Kirche - Schinkels Chapel / City Ost

Die Friedrichswerdersche Kirche in der City Ost teilt das Schicksal von Menschen, deren Anverwandte durch Krankheit, Krieg oder analoges Unglück vor der Zeit dahingingen,
Friedrichswerdersche Kirche
Das Foto von der
Friedrichswerdersche Kirche ist von -wn-
während den Verschonten das Geschenk des Weiterlebens zugestanden ist. Das von dem Neuruppiner Architekten und Maler Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) zwischen 1824 und 1831 als Saalbau errichtete backsteinerne Gotteshaus hatte - trotz erheblicher Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg - ein solches Überlebensglück. Zu den Umständen allerdings, in denen sich das ausgebrannte neugotische Haus nach 1945 wiederfand, zählte als Folge des Krieges Leere ringsum; zerstört viele ehemals umstehende Häuser. Denn der Baugrund hatte in einer "etwas engeren (engbebauten) Gegend der Stadt gelegen, die durch die Unregelmäßigkeit ihrer Straßen sich dem Altertümlichen nähert", womit der Autor dieser Zeilen, Schinkel, seinen architektonischen Rückgriff auf die mittelalterliche Gotik begründete. Wie schon ihre Vorgängerin, die man die Werdersche Kirche genannt hatte, wurde auch die Friedrichswerdersche an derselben Stelle, nämlich auf einer Insel errichtet. Das besagt die Adresse "Werderscher Markt". Werder und Markt sind aber verschwunden, der Name blieb und ist ein Hinweis auf Berliner Geschichte. Der nach dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) ehrenhalber benannte Friedrichswerder ist die erste nach Westen gerichtete Erweiterung der Doppelstadt Berlin-Cölln. Das Landstück war nur ein schmaler, ehemals versumpfter Streifen zwischen dem östlich verlaufenden Spreekanal und dem ehemaligen westlichen Festungsgraben, einem Ausfluss der Spree (im Gebiet der Oberwall- und Niederwallstraße). Im Norden endete der um 1660 meliorierte und bebaute Werder am Zeughaus, im Süden im Gebiet von Gertraudenstraße und Spittelmarkt.

Die Friedrichswerderschen Kirche in Berlin


Das ungewöhnliche Rückbesinnen aufs Gotische in barocker Umgebung war nicht Schinkels Idee, vielmehr Wunsch des amtierenden Königs Friedrich Wilhelm III. (1770-1840). Dieser hatte mit der Moderne nicht viel im Sinn und sah sich vielmehr als Kämpfer für Moral und Sittlichkeit. Einen aufstrebenden, Ehrfurcht gebietenden gotischen Bau hatte Schinkel dem verklemmten und zaudernden Monarchen ausreden können.
Stattdessen brachte er die britischen Chapels ins Gespräch. Es sind die kleinen Kapellen, die entweder an größere Kirchen angebaut sind oder allein stehen und von christlichen Dissidenten- und Erweckungsgemeinden genutzt wurden, zum Beispiel von den freikirchlichen Methodisten. Eine Kathedrale kann man deshalb die schließlich auf dem Werder entstandene Wandpfeilerkirche mit ihren Rundbogenarkaden an den Langseiten allein schon wegen des fehlenden Satteldaches nicht nennen. Zu den Leistungen Schinkels zählt, dass er zwar die damals enge Bebauung rings um die Kirche akzeptierte - es sind die von Goethe im "Osterspaziergang" apostrophierten "Straßen quetschender Enge". Aber in dem neuen Bau herrschte dafür keine "ehrwürdige Nacht", wie es bei Goethe weiter heißt, sondern Helle; allerdings, sagt man, die Akustik sei schlecht gewesen.
Nach Fertigstellung der Schinkelkirche im Juli 1831 geht in den vier Jahren danach die "simultane Zeit" vorbei, jene Ära, in der französisch-reformierte Christen, Berliner Lutheraner und deutsche Anhänger der strengeren calvinistischen Richtung - allesamt Evangelische - dasselbe Haus zu separaten Predigt-Zeiten nutzten. Die reformierten Hugenotten verließen den "Temple du Werder" - wohlbemerkt im Frieden. Zwischenzeitlich waren die deutschen evangelischen Christen der lutherischen wie der reformierten Richtung von Friedrich Wilhelm III. zu den unierten "Evangelischen Kirchen in Preußen" zwangsvereinigt worden. In den französischen Gottesdiensten - nun andernorts - fiel jedoch ein ganzes Publikumssegment weg: die deutschen Damen aus höheren Ständen, bei denen die "Französelei" im Schwange war. Sie waren in der Simultankirche scharenweise zum hugenottischen Gottesdienst gekommen, um die Predigt auf Französisch zu hören. "Ob die Madamkens auf Französisch dem lieben Jott wohl näher kommen?" fragte damals eine Zeitung.

An der fertigen neuen Kirche gab es beträchtliche Kritik. Der Redakteur der Leipziger "Zeitung für die elegante Welt" Heinrich Laube (1806-1884) fühlte sich zu der ironischen Feststellung veranlasst, dass die neugotische Kirche eher "eine sehr hübsche Taschenausgabe des gotischen Stils" darstellt. Unter den missgünstigen Stimmen ist auch die des Schriftstellers Karl Ferdinand Gutzkow (1811-1878): In einer erwarteten lockereren Bebauung des Werders verlöre sich "die kleine, winzige Werdersche Kirche, deren Unbedeutendheit bei einer großartigern und freiern Umgebung nur deutlicher hervortreten wird". Ausgerechnet der konservative Historiker Heinrich von Treitschke (1834-1896) lobt später den Kirchenbau mit den Worten, an ihm sei "von der himmelanstrebenden, überschwänglichen Mystik des gothischen Stiles wenig zu spüren". Trotz des bescheidenen Formates geht nach heutigem Empfinden von dem mit Terrakotten geschmückten kubischen Kirchenkörper,
der Doppelturmfassade (Foto), dem zur zentrierten gotischen Rosette aufstrebenden Fenster und dem Doppelportal suggestive Wirkung aus. Nach ihrer Restaurierung in den späten 80er Jahren - wohl auf persönliche Weisung Erich Honeckers - erkannte die ZEIT in der geretteten Kirche wieder "ihren schönen alten zurückhaltenden Glanz".
Heute ist das umgewidmete Gotteshaus das Berliner Schinkel-Museum. Im Kirchenschiff ist eine Auswahl von Skulpturen aus Schinkels Zeit ausgestellt. Zu sehen ist eine Kopie des Marmorsarkophags der Königin Luise (1776-1810) von Christian Daniel Rauch (1777-1857). Ausgestellt sind Bildnisse von Immanuel Kant, Johann Wolfgang von Goethe, den Brüdern Humboldt sowie zahlreiche weitere Skulpturen. Auf einer umlaufenden hölzernen Empore werden Schinkels Leben und seine Berliner Hauptwerke in Text und Bild erläutert. Ein Blickfang ist das Originalmodell zu Johann Gottfried Schadows (1764-1850) berühmtestem klassizistischen Werk, das Friedrich Wilhelm III. mit seiner berüchtigten Kurzbemerkung "Mir fatal" abtat: die Prinzessinnengruppe. Die erst 1919 öffentlich gezeigte Skulptur zeigt die Kronprinzessin und spätere Königin Luise zusammen mit ihrer alsbald in Ungnade gefallenen Schwester Friederike. Schadow hatte es gewagt, aus den fließenden Gewändern der beiden Busen und Hüften durchscheinen zu lassen. Dafür steckten die Mädchen über 120 Jahre lang verpackt in einer Kiste.


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Wie man zur Friedrichswerderschen Kirche kommt:
U-Bahn U2 (Hausvogteiplatz), U6 (Französische Straße) Tram M1, 12 (Am Kupfergraben) Bus M48, 347 (Jerusalemer Straße); TXL, 100, 200 (Staatsoper); 147 (Werderscher Markt) Der Eintritt ist frei.
Öffungszeiten der Friedrichswerderschen Kirche
Update: Kirche ist zur Zeit geschlossen !
Text: -wn-

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