Auch eine Drehorgel gibt es im Märkischen Museum
Foto © Otmar Smit
zeigte. An "Pinselheinrich" erinnert heute neben dem Museum das Bronze-Denkmal der Bildhauers Heinrich Drake aus dem Jahre 1965. "Es tut weh, wenn man den Ernst als Witz verkaufen muss", hatte Zille bitter gesagt, weil ihn die bürgerliche Oberschicht trotz aller Ehrung eher als lustige Person wahrzunehmen bereit war. Heute wird im Märkischen der Ernst der Geschichte zu einem Erlebnis für eine Zielgruppe, die am weitesten von den historischen Ereignissen entfernt ist. "Museumsstunden für Kinder und Jugendliche" nennt sich eine Aktion des "Museumslabors", in dem Geschichte und ihre Akteure ohne Kult erlebbar gemacht werden. Wollten Alexander und Wilhelm von Humboldt, weil sie so klug waren, tatsächlich immer nur lernen? Warum ist der Arzt der schönen preußischen Königin Luise, Ernst Ludwig Heim, Berliner Ehrenbürger? Warum haben bedeutende deutsche humanistische Schriftsteller wie Alfred Kerr oder Gerhart Hauptmann 1914 nicht sofort gegen den Ersten Weltkrieg protestiert? Warum mussten die Schüler in der DDR immer Funktionären nacheifern? Und wenn einmal keine Fragen im Raum stehen, sind die selbstspielenden Musikinstrumente des Hauses zur Intonation bereit: Es erklingen Walzenspieldosen, Plattenspielwerke, Drehorgeln, Pianolas und Orchestrien. Keine Largos dringen da ans Ohr. Für zielgruppenfremde Besucher könnte es dann - sofern nicht allseitiges musikalisches Interesse vorliegt - ratsam sein, vorübergehend in eine andere Abteilung des Hauses zu wechseln.