Das Märkische in Berlin - Das Schauhaus am Köllnischen Park -

"In Berlin soll es ein Märkisches Museum geben, (aber) ich weiß nicht einmal, wo es liegt." Mit diesem tröstend gemeinten Geständnis spielte 1926 der Publizist Kurt Tucholsky
Märkische Museum in Berlin
Das Märkische Museum in Berlin
Foto © -wn-
- damals Pariser Korrespondent von Weltbühne und Vossischer Zeitung - die Verlegenheit eines Franzosen aus einem fernen Departement herunter, der auf der Straße zufällig ihn, den Ausländer, nach dem Weg zum Eiffelturm gefragt hatte. Im Bericht "Pariser Tage", in dem Tucholsky das erwähnt, erscheint diese Szene ein wenig arrogant, denn Unkenntnis der Berliner Kulturorte scheidet bei ihm aus. Das museale Schauhaus am Berliner Köllnischen Park war zu diesem Zeitpunkt bereits 18 Jahre geöffnet und erfreute sich großen Zuspruchs. Vermutlich zählte Tucholsky zu den Gegnern des Baumeisters Ludwig Hoffmann, dessen Museum allein wegen der zwölfjährigen Bauzeit kritisiert wurde. Als ein Magistratssprecher Ende Februar 1907 in der Stadtverordnetenversammlung erklärte "…außerdem soll das Märkische Museum in diesem Jahre endlich fertig werden", vermerkt das Protokoll "Große Heiterkeit". Nach der Eröffnung im Jahr darauf stichelte das meinungsstarke Berliner Tageblatt, das Märkische Museum sei "zwar nicht hübsch, aber wenigstens originell". Das Gebäude aus rotem Backstein hat - worüber mittlerweile Einigkeit besteht - einen besonderen architektonischen Reiz. Von der einen Seite kommt es einer Kirche nahe, von der anderen einem Kloster, an der nächsten Ecke erweckt es den Eindruck eines wehrhaften Kastells. Hoffmann, der auch die Badeanstalt in der Oderberger Straße und das Weddinger Rudolf-Virchow-Krankenhaus gebaut hatte, entschloss sich gegen mancherlei Widerspruch zu einem historisierenden Museumsbau, der bereits von außen zeigt, welche historischen Epochen im Inneren präsentiert werden. Der Bau zitiert sogar auf sonderbare Weise: Der Turm des Museums mit seinem prägnanten Walmdach ist dem Bergfried der Bischofsburg in Wittstock/Dosse nachempfunden, und zu den gotischen Fassadenteilen hatte sich Hoffmann von der Brandenburger Katharinenkirche anregen lassen. Diesen Historismus brandmarkten die Kritiker als phantasielosen Stilpluralismus.

Im Märkischen Museum in Berlin


Wer im 19. Jahrhundert in Berlin ins Museum gehen wollte, hatte nicht sehr viele andere Gelegenheiten. Seit 1830 war das Alte Museum auf der Museumsinsel offen - ein antikes Elysium mit prachtvollen korinthischen Säulen, geflügelten Victorien (Statuen von Sieges-Göttinen mit Füllhorn und Früchteschale), einem Apollo aus
griechischem Marmor und einer vollreif-üppigen Juno. Der Musentempel war Preußens erstes öffentliches Museum. 1859 folgten das heutige Neue Museum, 1876 die Nationalgalerie (jetzt Alte Nationalgalerie). Im Angebot war noch das Anatomische Museum, was nun Medizinhistorisches Museum heißt. "Das ganze Cabinet besteht aus 3092 Nummern, und davon sind 1150 in Weingeist und andern Flüssigkeiten aufbehaltene physiologische und Pathologische Präparate von Menschen und Tieren", schreibt ein altes Lexikon. "Für alle Stände des Publikums" war es stundenweise geöffnet. Im Märkischen Museum hingegen waren umfassende kulturhistorische Sammlungen von den prähistorischen Siedlungsspuren bis zum Anbruch des 20. Jahrhunderts zu sehen. Bereits seit 1874 suchten die Bestände im Palais Podewils in der Klosterstraße als "Märkisches Provinzial-Museum" das damals aufkommende bürgerliche Interesse an zurückliegender wie jüngst vergangener Geschichte zu befriedigen. Der neue Wissensdurst wurde Bestandteil bürgerlicher Geselligkeit und Freizeit. Nicht zuletzt zeigte sich das in der Gründung des inzwischen fast 150 Jahre alten Vereins für die Geschichte Berlins, dem u.a. Theodor Fontane, Alfred Döblin und Willy Brandt angehörten. Sein Ziel ist es noch heute, "in allen Kreisen der Berliner Bevölkerung die Anteilnahme an der geschichtlichen Entwicklung Berlins (zu) wecken und durch die Förderung der heimatkundlichen Forschung die Kenntnis der Berliner Geschichte (zu) erweitern". Während die Sammlungen der Museumsinsel Hauptmomente bisheriger Menschheitsgeschichte zeigten, kamen im Märkischen Museum, dem heutigen Stammhaus der Stiftung Stadtmuseum Berlin, scheinbar profanere Exponate wie etwa ein bürgerliches Nachtgeschirr oder die vom kaiserlichen Hoffriseur François Haby entwickelte Bart(nacht)binde zu Ehren, die den deutschen Mann morgens mit einem gut anliegenden Kaiser-Wilhelm-Zwirbelbart den Tag hochgestimmt angehen ließ.

1928 setzte von einem Tag auf den anderen ein Massenansturm auf das Museum ein, als es zum 70. Geburtstag Heinrich Zilles (1858-1929) Bilder des populären Künstlers
Eine Drehorgel
Auch eine Drehorgel gibt es im Märkischen Museum
Foto © Otmar Smit
zeigte. An "Pinselheinrich" erinnert heute neben dem Museum das Bronze-Denkmal der Bildhauers Heinrich Drake aus dem Jahre 1965. "Es tut weh, wenn man den Ernst als Witz verkaufen muss", hatte Zille bitter gesagt, weil ihn die bürgerliche Oberschicht trotz aller Ehrung eher als lustige Person wahrzunehmen bereit war. Heute wird im Märkischen der Ernst der Geschichte zu einem Erlebnis für eine Zielgruppe, die am weitesten von den historischen Ereignissen entfernt ist. "Museumsstunden für Kinder und Jugendliche" nennt sich eine Aktion des "Museumslabors", in dem Geschichte und ihre Akteure ohne Kult erlebbar gemacht werden. Wollten Alexander und Wilhelm von Humboldt, weil sie so klug waren, tatsächlich immer nur lernen? Warum ist der Arzt der schönen preußischen Königin Luise, Ernst Ludwig Heim, Berliner Ehrenbürger? Warum haben bedeutende deutsche humanistische Schriftsteller wie Alfred Kerr oder Gerhart Hauptmann 1914 nicht sofort gegen den Ersten Weltkrieg protestiert? Warum mussten die Schüler in der DDR immer Funktionären nacheifern? Und wenn einmal keine Fragen im Raum stehen, sind die selbstspielenden Musikinstrumente des Hauses zur Intonation bereit: Es erklingen Walzenspieldosen, Plattenspielwerke, Drehorgeln, Pianolas und Orchestrien. Keine Largos dringen da ans Ohr. Für zielgruppenfremde Besucher könnte es dann - sofern nicht allseitiges musikalisches Interesse vorliegt - ratsam sein, vorübergehend in eine andere Abteilung des Hauses zu wechseln.
Lesereihe Sommer im Hof des Märkischen Museums
Text: -wn-

Wie man zum Märkischen Museum in Berlin kommt:
U-Bahn Märkisches Museum; S-Bahn Jannowitzbrücke; Bus 147
Adresse: Am Köllnischen Park 5 in 10179 Berlin
Öffnungszeiten: Di, Do - So 10 - 18 Uhr, Mi 12 - 20 Uhr


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