Ein Besuch im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt

" In diesem Haus befand sich die Blindenwerkstatt von Otto Weidt. Hier arbeiteten in den Jahren 1940-1945 vornehmlich jüdische Blinde und Taubstumme. Unter Einsatz seines Lebens beschützte Weidt sie und tat alles, um sie vor dem sicheren Tod zu retten. Mehrere Menschen verdanken ihm das Überleben."

So lautet eine Inschrift im Fußboden am Eingang des Kulturzentrums Haus Schwarzenberg. Wer nun neugierig geworden ist,
Museum Blindenwerkstatt
Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
Foto © muehlberg
sollte unbedingt dieses kostenlose Museum besuchen, um mehr von Otto Weidts außergewöhnlichen Projekts zu erfahren.
Im ersten Raum des Museums erhält der Besucher eine Übersicht über die Juden in Berlin 1933- 1945 und deren Leben während der Zeit des braunen Terrors. Unter den Ausstellungsstücken befinden sich eine Kennkarte für Juden, die Dr. Martin Deutschkron, den Vater von Inge Deutschkron gehörte und eine Aufforderung zur Abgabe von Haustieren, die die Juden ab dem 15. Mai 1943 nicht mehr halten durften. Daneben befindet sich ein Plan von der Werkstatt. Wer den Zweiten Raum betritt, wird sofort klar, dass er sich in der eigentlichen Werkstatt befindet. Denn hier sind die Arbeitsplätze mit den Arbeitsgeräten zu besichtigen. Ein Foto aufgenommen im Jahr 1941 zeigt seine Mitarbeiter. Außerdem gibt es Informationen über Otto Weidt, Fotos von ihm und seiner Familie. Zu den Ausstellungstücken gehören Bürsten aus der Blindenwerkstatt. Im nächsten Raum wird der Helferkreis um Otto Weidt vorgestellt, wie Hedwig Porschütz, die Nahrungsmittel besorgte. Hans Rosenthal warnte Otto Weidt vor der "Fabrik-Aktion" im Februar 1943.Während der Fabrik-Aktion am 27. Februar 1943 wurden die restlichen von der Deportation verschonten Berliner Juden verhaftet. Der Druckereibesitzer Theodor Gärtner organisierte falsche Ausweise. Otto Weidt schickte 1943 und 1944 mit der Unterstützung einiger Helferinnen und Helfer mehr als 100 Lebensmittelpakete an seine im Getto Theresienstadt inhaftierten Arbeiter. Auch davon erzählt die Ausstellung.

Im Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt gibt es auch ein Versteck zu sehen


Im Museum wird auch über die geglückten Rettungen von Alice Licht, Inge Deutschkron, Hans Israekowicz und Marianne Bernstein berichtet.
Doch nicht alle Versuche waren erfolgreich. Im letzten Raum erfährt der Besucher über die gescheiterten Rettungsversuche von Erich Frey (1889-1944) und die Familie Horn, die sich in der Blindenwerkstatt versteckte bis sie, verraten durch eine Razzia im Oktober 1943, entdeckt und nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Deren Versteck kann man hinter einem Kleiderschrank besichtigen. Doch wer war Otto Weidt? Otto Weidt wurde am 2. Mai 1883 in Rostock geboren. Er lernte das Handwerk seines Vaters, der Tapezierer war. Bald darauf zog die Familie nach Berlin. Nach seiner fast vollständigen Erblindung wird Otto Weidt Bürstenmacher. In den 30er Jahren eröffnete er eine Besen- und Bürstenbinderei, die 1940 in die Rosenthaler Straße 39 zog. Die Werkstatt verkaufte seine Produkte hauptsächlich an die Wehrmacht. Nach dem Krieg setzte sich Weidt für den Bau eines jüdischen Waisenhauses und eines Altenheimes für KZ-Überlebende ein. Am 22 Dezember 1947 starb er in Berlin-Zehlendorf. Er ist auf dem Friedhof Zehlendorf begraben.
Tipp: Wer mehr über die Geschichte der Blindenwerkstatt Otto Weidt erfahren möchte, dem stehen mehrere Computer zur Verfügung, die auch ein Glossar über den Holocaust erhalten.

Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt
Rosenthaler Straße 39
10178 Berlin
Telefon 030 28 59 94 07

Öffnungszeiten
Montag-Sonntag 10 - 20 Uhr
Geschlossen am 24. Dezember

Wie man hinkommt:
S-Bahn S5, S7, S9, S75 / S-Bahnhof Hackescher Markt
U-Bahn U8 / U-Bahnhof Weinmeisterstraße
Tram:M1, M4, M5, M6 / Haltestelle Hackescher Markt
Auf dem Gelände ,dem Haus Schwarzenberg befindet sich auch das Anne-Frank-Zentrum und die Gedenkstätte Stille Helden.
Text: R.H.

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