Luxus, Glamour und Erotik: Die Newton-Sammlung am Bahnhof Zoo

Er war nicht nur der legendäre Meister der erotischen Inszenierung, sondern auch ein echtes Berliner Kindl: Helmut Newton, der vor allem durch seine spektakulären Mode-, Akt- und Porträtfotos zum weltweit bestbezahlten Starfotografen aufgestiegen war, blieb seiner Heimat auch über seinen Tod hinaus verbunden. Seit der Eröffnung der Helmut Newton Stiftung im Museum für Fotografie im Juni 2004 werden in wechselnden Ausstellungen Fotografien von Helmut Newton und seiner Frau June (alias Alice Springs) präsentiert. Ergänzt werden diese Sonderausstellungen durch die permanente Präsentation "Helmut Newton's Private Property".

Mode, Akt und Portrait waren Newtons Spezialgebiete. In seinem provokativen Werk vereint er Luxus, Glamour, Eros und Thanatos zu einer ganz speziellen, unverkennbaren Verbindung. Er verstand es wie kein anderer, die Tabugrenzen der Fotografie zu brechen oder besser: neu zu definieren. Wenn sich beispielsweise Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zwei Frauen, die eine nackt, die andere im Smoking, leidenschaftlich küssen, dann galt dies als regelrechtes Attentat auf die Sitten.

Die Newton-Sammlungin Berlin


Obwohl seine "Big Nudes", monumentale Schwarzweiß-Aufnahmen von nackten Frauen in selbstbewusst-exhibitionistischen Posen, sehr kontrovers diskutiert wurden, ließen sich eine ganze Reihe berühmter Persönlichkeiten von Newton ablichten, darunter beispielsweise Helmut Kohl, Paloma Picasso, Pierre Cardin und Claudia Schiffer. Zu Newtons bekanntesten Bildern zählen auch Aufnahmen von David Bowie am Strand von Monte Carlo und Liz Taylor, im Pool badend mit einem grünen Papagei in der Hand. Newton reizte es, das exklusiv-exzentrische Leben der Schönen und Reichen genussvoll in Szene zu setzen.

Sein komplettes Werk vermachte Newtons Frau June nach dessen tödlichen Autounfall in Los Angeles im Jahr 2004 der Stadt Berlin. Damit traf die Witwe jedoch keinesfalls eine eigenmächtige Entscheidung, sondern handelte ganz im Sinne ihres Mannes. Noch kurz vor seinem Tod kündigte Newton an: "Wenn wir abgekratzt sind, geht alles nach Berlin". Der 1920 in Berlin geborene Fotograf hörte trotz Vertreibung durch die Nazis nie auf, seine Heimatstadt zu lieben. Rachgefühle waren ihm fremd; sein Lebtag lang vermisste er Berlin.

Nach seiner Flucht vor den Nazis floh Newton als junger Mann nach Singapur und Australien und startete dort nach Lehr- und Wanderjahren durch die Studios seine Karriere als Fotograf. Seit 1958 lebte er in Paris und Monte Carlo, wo er als Porträt-, Mode- und Werbefotograf für internationale Magazine wie z.B. "Vogue" oder "Playboy" tätig war. Seit den 1970er Jahren war Newton einer der begehrtesten und teuersten Starfotografen der Welt. Berlin blieb dabei Newtons Heimat im Herzen.

In seinen Memoiren beschrieb Newton, nach dem übrigens auch die beliebte Newton Bar am Gendarmenmarkt benannt ist, seine Kindheit in einer großbürgerlichen jüdischen Berliner Familie äußerst anekdotenreich. So habe ihn sein Bruder Hans schon im zarten Alter von acht Jahren ins Rotlichtviertel mitgenommen und ihm dort die "Rote Erna" gezeigt, eine Prostituierte mit roten Stiefeln und Peitsche. Als besonders prägende Kindheitserinnerung skizzierte er in seiner Autobiografie auch eine Szene, als sich sein Kindermädchen zum Ausgehen schön machte und halbnackt vor dem Spiegel stand.

Museum für Fotografie
Jebensstraße 2
10623 Berlin
Anfahrt: U- und S-Bahnhof Zoologischer Garten
Öffnungszeiten: Di - So: 10 - 18 Uhr, Do: 10 - 22 Uhr
Text: A.K. / 21.10.2009


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