Nun ist die Museumsinsel wieder komplett. Am 17.Oktober 2009 öffnete das Neue Museum, welches unter der Leitung des britischen Stararchitekten David Chipperfield aufwändig restauriert und wiederhergestellt worden war, offiziell seine Pforten für
Die Büste der Nofretete im Neuen Museum in Berlin
Foto: © renisa
kunstinteressierte Besucher. Prominentestes Kunstwerk: die Büste der Pharaonengattin Nofretete. Erstmals sind damit seit Ende des Zweiten Weltkrieges wieder alle fünf Museen der Museumsinsel zugänglich.
Von Schinkel-Schüler Friedrich August Stüler zwischen 1843 und 1855 erbaut, war das Neue Museum das Meisterwerk seines Lebens. Das klassizistische Meisterwerk diente als Erweiterungsbau für Exponate, die im Alten Museum keinen Platz mehr hatten. Dazu zählten insbesondere die Sammlungen der Gipsabgüsse, des Ägyptischen Museums, die Ur- und Frühgeschichtliche Sammlung, die Ethnographische Sammlung sowie das Kupferstichkabinett. Wie Chipperfield den Stüler-Bau neu in Szene setzt, ist nicht ganz unumstritten. Der restaurierte Neubau als eines der ehrgeizigsten, teuersten und anspruchvollsten Museen Europas spaltet die Geister. Denn statt das Museum lückenlos originalgetreu nachzubauen, entschied er sich dafür, die Narben der Vergangenheit zu konservieren. Chipperfields Einstellung: "Man kann nicht so tun, als sei nichts geschehen."
Jahrzehntelang rottete das Neue Museum, im Krieg durch Bomben an vielen Stellen zerstört, als Kriegsruine vor sich hin. Das sollte man auch dem Umbau ansehen.
So können die Besucher heute noch die unzähligen Einschusslöcher aus den letzten Tagen des Krieges sehen, als die Rote Armee diesen Teil der Stadt eroberte. Auch die vielen kunstvollen Wandgemälde sind nicht wieder komplett im Originalzustand wiederhergestellt worden, sondern in ihrem gebrochenen Zustand als Fragmente dargestellt. Darüber hinaus hat Chipperfield auch moderne Elemente in den Museumsbau integriert. So hat er etwa im völlig zerstörten Eingangsbereich eine kolossale Treppenanlage im radikal-modernen Stil errichtet.
Zu sehen gibt es im Neuen Museum neben der Büste der Nofretete jede Menge weitere spektakuläre Exponate. So beherbergt das Museum neben den 2500 Ausstellungsstücken des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung auch die Objekte des Museums für Vor- und Frühgeschichte sowie Objekte der Antikensammlung. Insgesamt wird die Entwicklung der vor- und frühzeitlichen Kulturen der Alten Welt vom Vorderen Orient bis zum Atlantik, von Nordafrika bis Skandinavien anhand einer noch nie dagewesenen Fülle und Breite von Exponaten veranschaulicht.
Zu den Highlights zählen etwa ein hauchfein getriebener goldener Zeremonialhut aus der Bronzezeit, an dessen eingraviertem Kalendarium sich die Mondfinsternis berechnen lässt sowie Teile des legendären Troja-Funds von Heinrich Schliemann. Einen besonders exponierten Platz haben auch das Skelett eines urzeitlichen Elchs, das 1956 beim Bau der U-Bahn zwischen Hansaplatz und Turmstraße gefunden wurde, sowie der berühmte "Xantener Knabe" erhalten. Lachsfischer hatten die römische Bronzefigur vor rund 150 Jahren im Rhein entdeckt. Es wird vermutet, dass die ca. 1,50 Meter große Statue als so genannter "stummer Diener" in einem vornehmen römischen Palast gedient hat.
Neues Museum
Bodestraße 1-3
10178 Berlin
www.smb.museum/neuesmuseum
Anfahrt: S/U-Bahnhof Friedrichstraße oder
S-Bahnhof Hackescher Markt
Infotelefon: 030-266 42 42 42
Text: A.K. / 21.10.2009
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