Im Schwulen Museum werden auch Lebensgeschichten
berühmter Schwuler erzählt - Foto © Markus Schieder
Geburtstag des Historikers und Publizisten Golo Mann (1909-1994) gewidmet ist. Wie schon sein Vater Thomas Mann, machte auch der Sohn die eigene sexuelle Neigung nicht öffentlich. Während der Vater zumindest im Tagebuch zu erkennen gibt, "die Leiden des Liebenden" zu kennen (Marcel Reich-Ranicki), berührte Golo das Thema lediglich in Briefen. Eines seiner Grundgefühle war nach eigenem Bekunden das der Nichtzugehörigkeit. Bereits im elitären Landeserziehungsheim Schloss Salem am Bodensee verbarg er seine erotische Leidenschaft. Im Fokus stand dort die "Gesundung einer gesellschaftlich kranken Jugend", zu der der Hochbegabte und Wissensstarke wahrscheinlich gezählt worden wäre. Weil er sich später als eigenwilliger wie erfolgreicher Historiker auch der literarischen Form bediente, erfuhr der Bestseller-Autor die Missgunst anderer Verfasser, wohl auch, wie meist, der mittelmäßigen, und spürte auf diese Weise sein Anderssein.