Klausenerplatz Kiez von Zilles Miljöh zum gediegenen Kreativ-Kiez

Früher war der Klausenerplatz, in unmittelbarer Nähe zu den prächtigen Anlagen des Schlosses Charlottenburg gelegen, eine Hochburg der Berliner Hausbesetzer-Szene. Fernab des aufgeregten Westberliner Ku'Damm-Lebens, ist hier heute ein hipper aber sehr gediegener Kreativ-Kiez mit zahlreichen Bars, Galerien und Boutiquen entstanden. Touristen verirren sich aus den gegenüberliegenden Prachtgärten des Schlosses an der Spree oder den Berggrün-Sammlungen jedoch kaum hierher.

Sehenswertes im Klausenerplatz Kiez


Der Klausenerplatz wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Reitplatz der Gardes du Corps angelegt und 1922 von Erwin Barth mit einem Kinderspielplatz im Mittelteil, erhöhten Sitzplätzen an den Ecken und Pappel-Rondellen neu gestaltet. Erst 1950 erhielt das Areal, nachdem es zuvor Reitplatz und Friedrich-Karl-Platz hieß, seinen jetzigen Namen. Der Platz wurde nach Erich Joseph Gustav Klausener, einem Juristen, Politiker und Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, benannt.
An der Südseite erhebt sich seit 1932 die mächtige Kloster- und Kirchenanlage von St. Kamillus, die neben einem Seniorenwohnheim auch eine Kindertagesstätte beherbergt.
Zweimal die Woche findet auf dem beschaulichen Platz ein beliebter Wochenmarkt statt, wo man neben einer riesigen Auswahl an frischem Obst jede Menge Schleckereien wie Antipasti oder Süßgebäck kredenzen kann. Was heute ein ruhiges Idyll ist, war in den 60er-Jahren querulanter Kampfbezirk. Hier tobten auch die Berliner Häuserkämpfe. Doch inzwischen sind die Alt-68er ruhiger geworden. Die zahlreichen Galerien, die hier in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, zeugen davon, dass kreative Restenergie dieser Zeit hier immer noch brodelt - und künstlerische Neuzugänge anzieht.

Das Kiezbündnis Klausenerplatz


1999 wurde von den Bewohnern das "Kiezbündnis Klausenerplatz" ins Leben gerufen und ist heute eines der aktivsten seiner Art in ganz Berlin. Heute unterteilt sich das Kiezbündnis, das sich als Plattform für zivilgesellschaftliches Engagement insbesondere in den Bereichen Wohnen, Gewerbe, Kultur, Verkehr, Wohnumfeld und interkulturelles Miteinander versteht, in unzählige projektbezogene Arbeitsgruppen. Ein ganz besonderes dieser Anwohnerprojekte ist etwa der Ziegenhof: Eingerichtet wurde er in einem Hinterhof der Danckelmannstraße 14, auf einer 6000 qm großen Grünfläche, die Anfang der 80er Jahre bebaut werden sollte. Anwohner des Kiezes rund um den Klausenerplatz schlossen sich im Protest gegen diese Pläne zusammen und begrünten den Hof mit Rasen und Bäumen.
Heute leben auf dem Hof, den auch Interessierte besuchen können, vier Ziegen, zwei Böcke, drei Gänse, Hühner und Enten.

Zilles Milljöh am Klausenerplatz


Übrigens wohnte bereits das berühmte Berliner Urgestein Heinrich Zille im Klausenerkiez. Er hauste bis zu seinem Tod in der Sophie-Charlotte-Straße 88, die parallel zur Danckelmannstraße verläuft. Hier in Zilles Milljöh gab es damals unzählige Berliner Eckkneipen. Die verdankten nicht zuletzt dem ehemaligen Ledigenheim ihre Existenz, das als erstes seiner Art in Deutschland in der Danckelmannstraße eröffnete. Das Klinkergebäude stellte eine Alternative zu dem Schlafgängerwesen dar. Ledige Arbeiter oder Angestellte mieteten damals stundenweise einen Platz in einem Bett, weil sie nicht genug Geld für ein Zimmer hatten. 340 bis 370 Männer lebten in den bescheidenen 6 qm großen Einzelzimmern des Wohnheimes, das wegen des rigorosen Zutrittsverbots für Frauen Bullenkloster genannt wurde.
( Text: A.K. )


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