Potsdamer Platz Berlin

Potsdamer Platz Berlin
Der Potsdamer Platz in Berlin. Foto © artpost

Der Potsdamer Platz - Berlins neues Herzstück

Schon 1929 verglich der berühmte Architekt Bruno Taut den Potsdamer Platz mit New York und schrieb: "Dieses hemmungslose Emporschießen hat mit einer Stadtbildung im eigentlichen Sinne nichts mehr zu schaffen; es türmt sich über Gewinnbetrieb und rein technischem Denken auf und imponiert allein durch die Welt der Hemmungslosigkeit und durch die Masse und ihre Vielfältigkeit". Ähnlich den Ansichten in der Kaiserzeit und noch in der jungen Republik, denen der Platz als Unruheherd galt, schloß er: "Hier kann Berlin nicht mit und will es auch nicht."

Geschichte des Potsdamer Platz

Aus der heutigen Perspektive klingt das schon fast wie ein böses Omen, war dem einstigen "Unruheherd" doch, nachdem ihn die Bomben des 2. Weltkrieges weitestgehend in Schutt und Asche gelegt hatten, ein Schicksal als trostloses und menschenverlassenes Niemandsland beschert, dessen letzten Ruinen schon bald nach dem Bau der Mauer nahezu restlos abgetragen wurden. Auch wenn Jahre später die Globalisierung so weit fortgeschritten war, dass hohe Gebäude nicht mehr zwangsweise als Ausgeburt kapitalistischer Hybris angesehen wurden und sogar das kommunistische Ostberlin direkt hinter der Grenze mit schwindelerregend hohen Plattenbauten seine "Antwort" auf das Springer-Hochhaus im Westen gab, konnte sich noch vor knapp 20 Jahren keiner ernsthaft vorstellen, dass die riesige Brache am Potsdamer Platz zum neuen Manhattan Deutschlands werden könnte. Doch genau hier wollte Berlin schließlich doch - um den Worten Tauts zu widersprechen - und baute mit viel Ehrgeiz ein neues Metropolis, wie man es sonst höchstens von Frankfurte kennt.

Kein Wunder, denn die Maueröffnung wirkte wie ein Dammbruch. All die angestauten Visionen großer Architekten hatten endlich ein Ventil: die tote alte Hauptstadt, die bald wieder die neue werden sollte, musste dringend reanimiert werden. Unter den unzähligen Baustellen entlang der ehemaligen Mauer war die am Potsdamer Platz mit Abstand die größte. Wer in den 90er Jahren durch Berlin lief, hatte das Gefühl, die vielen Baukräne ragen wie Chirurgen über einer langen tiefen Schnittwunde, die es sauber zu nähen gilt - und am Potsdamer Platz sollte das Herz neu transplantiert werden.

Der Potsdamer Platz als neues Herz Berlins

Und es hat geklappt, denn genau hier, wo heute mit Beisheimcenter, Bahntower und Kollhoffs Büro- und Geschäftsturm Berlins spektakulärste Skyline in den Himmel schießt, pumpt dieses neue Herz Berlins munter Tag für Tag abertausende von Touristen durch. Damit das nicht zwangsläufig zum Infarkt führt, ist der Verkehrsdruck wohldosiert auf unterschiedliche "Adern" verteilt. Unterirdisch schleusen U-, S- und Deutsche Bahn in dem hochmodernen Regionalbahnhof auf drei Ebenen im Minutentakt die Menschenmassen von nah und fern ein, überirdisch geht's mit diversen Buslinien weiter. Jeder will die repräsentative neue Mitte Berlins einmal gesehen haben. "Arm, aber sexy" - dieser Slogan gilt hier nicht. Und gemütlich wie Prenzelberg oder Kreuzberg ist es hier natürlich auch nicht. Hier wird geklotzt, nicht geflowerpowert. Berlin hat eben viele Gesichter.

Mit Spielbank, Musicaltheater, Imax- und anderen Kinos, zahllosen Cafés, den Potsdamer Platz Arkaden und Restaurants gilt der Potsdamer Platz wie schon in den Goldenen 20er Jahren auch heute wieder als Top-Amüsierstätte. Flaneure und Nachtschwärmer tummeln sich erlebnishungrig in der riesigen überdachten Piazza des Sony-Centers, zu dessen insgesamt 27.000 qm großen Areal auch die Reste des denkmalgeschützten Grand-Hotel Esplanade gehören, wo im berühmten Kaisersaal und mehreren prächtigen Salons wieder zahlungskräftige Gäste bewirtet werden können. Einer Senatauflage ist es übrigens zu verdanken, dass in dem nach Plänen des deutsch-amerikanischen Architekten entworfenen Sony-Centers auch das Filmmuseum beherbergt ist, das u.a. wegen seiner sensationellen Marlene-Dietrich-Sammlung mit dem Nachlass der verführerischen Diva als Sightseeing-Must gilt. Und das Stückchen "echte" Kultur macht den Potsdamer Platz zwar noch lange nicht arm, aber sehr sexy! A.K.

Anfahrt zum Potsdamer Platz:

Mit dem Auto:
Über die B1 oder B96 in Richtung Mitte / Tiergarten.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:
S-Bahn: S1, S2, S25
U-Bahn: U2
Bus: 200, 347, M41, M48, M85
Bahn: RE3, RE4, RE5
Alle genannten Verkehrsmittel halten am Bahnhof Potsdamer Platz.

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Stand: 29.11.2016