Steins Haus - Das Berliner Landesparlament im Preußischen Landtag

Mit gebogener Spitznase á la Friedrich Schiller, hoher Stirn und eigensinnigem Blick
Das Berliner Landesparlament
Blick auf Steins Haus - Foto © -wn-
steht der Reichsfreiherr Heinrich Friedrich Karl vom und zum Stein (1757-1831) im zweireihigen Gehrock auf dem Denkmalsockel vor dem Preußischen Landtag. Seit 1990 versammeln sich in diesem Gebäude in der Niederkirchnerstraße (Foto) gegenüber dem Martin-Gropius-Bau die derzeit 149 Abgeordneten des Berliner Landesparlaments zu ihren Sitzungen. Das 1898 im italienischen Hochrenaissance-Stil fertig gestellte Haus beherbergte anfangs eine der beiden Kammern des Preußischen Landtages. 1918 ging von ihm ein für die jüngere deutsche Geschichte wichtiger Impuls aus. Im Plenarsaal beschloss die Reichsversammlung der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands allgemeine und freie Wahlen zur Weimarer Nationalversammlung. Auch die Gründung der Kommunistischen Partei Deutschlands in der Silvesternacht 1918/19, später die Installation des faschistischen "Volksgerichtshofs" sind mit dem Haus verknüpft. Zu weiteren Institutionen, die der Bau beherbergte, zählt die erste DDR-Regierung mitsamt ihrer kompetenzlosen staatlichen Plankommission.

Der Preußischer Landtag in Berlin


Die vom Bildhauer Hermann Schievelbein (1817 -1867) gefertigte Plastik des Freiherren erinnert an den
Initiator heutiger Selbstverständlichkeiten wie Schulpflicht und Gewerbefreiheit. Zum Zeitpunkt ihrer Einführung besaßen sie für das preußische Königtum den Rang ungeheuerlicher Zumutungen. Der eigenwillige Untertan, den die Überlieferung als einen "Mann von dem kräftigsten und besten Willen" schildert, hatte ferner die Unverschämtheit besessen, dem König nahezulegen, in den Provinzen, Kreisen und Gemeinden eine Selbstverwaltung einzuführen. Mehr noch: Stein hielt eine Beteiligung aller Bürger an der Gestaltung des öffentlichen Lebens für geboten - ebenfalls höchst despektierlich für damalige Verhältnisse. Maßgeblich bewirkte der Freiherr die Beendigung der Gutsuntertänigkeit, hob den Zunftzwang auf und stellte die Juden rechtlich gleich. Nie hatte der Minister, der als der Nestor einer Ministerialregierung heutiger Prägung gilt, aus seinem Herzen eine Mördergrube gemacht. In aller Öffentlichkeit hatte er gemeint, dass zur Zeit des noch herrschenden Absolutismus "die Gesetzgebung (den) Händen ungeschickter, dummdreister, ökonomisch-politischer Empiriker und Abenteurer anvertraut ist".

Zweifellos starker Tobak. Demgemäß hatte Minister Stein 1807 vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. eine derart miserable Beurteilung erhalten, so dass dessen Wiederbeschäftigung heutzutage nur nach einem Bewerbungstraining für Schwervermittelbare in der Arbeitsagentur vorstellbar wäre. "Wenn Sie nicht Ihr respektwidriges und unanständiges Benehmen zu ändern willens sind, kann der Staat keine große Rechnung auf Ihre ferneren Dienste machen", hatte der Monarch seinem ehemaligen Minister im Entlassungsschreiben attestiert. Der König reagierte sauer auf Steins Mannesstolz vor Fürstenthron.

Es vergingen aber nur sechs Monate, und der Geschasste war als Staatsminister wieder in Amt und Würden, um weitere Preußische Reformen auf den Weg zu bringen, gegen die sich der König nicht mehr wehren konnte. Steins historische Größe ergibt sich aus seiner patriotischen Ablehnung der Napoleonischen Fremdherrschaft in Preußen und den übrigen deutschen Ländern sowie dem erfolgreichen Bestreben, den Ideen der Französischen Revolution wie Gleichheit vor dem Gesetz, Zivilehe und Eigentumsfreiheit auch hierzulande zum Durchbruch zu verhelfen. Mit Gleichgesinnten schuf er die Grundlagen des bürgerlichen Nationalstaates.

Das Berliner Abgeordnetenhaus


Alle, die heute am Freiherrn vorbei in das Berliner Abgeordnetenhaus hineingehen, sind gut beraten, immer mal wieder einen Blick hinaufzuwerfen, um sich die Ernsthaftigkeit dieses mutigen und weitsichtigen Verfechters demokratischer Reformen vor Augen zu halten. Unvernünftiger und kleinkarierter Umgang der gewählten Interessenvertreter untereinander unterschreitet weit das Niveau dieses bedeutenden Mannes, der das 19. Jahrhundert mit prägte. Wer auf einem der 120 Zuschauerplätze des Abgeordnetenhauses sitzt oder eine Debatte im Fernsehen verfolgt, wird gelegentlich darüber ins Nachdenken kommen, ob der Steinsche Anspruch auf Ernsthaftigkeit bei der demokratischen Willensbildung immer gewahrt ist. Im Frühherbst 2008 notierten die Stenographen fragwürdige Repliken einzelner Abgeordneter wie "Schöne Worte, nichts dahinter!", "Das ist ja unglaublicher Blödsinn!" oder "Alles scheinheilig, was Sie hier erzählen!" Mit der Frage "Schreiben Sie Ihre Reden bei Wikipedia ab?" suchte ein Abgeordneter den anderen zu diskreditieren; der nächste unterstellte dem Vorredner Lügen: "Ihre Nase wird so lang!" Einem weiteren Volksvertreter wurde unterstellt, nur deshalb zu reden, weil er es auf das Glas Wasser auf der Ablagefläche des Rednerpultes abgesehen habe. - Vermutlich trägt man sich auf diese Weise nicht wie der Freiherr ins Buch der deutschen Geschichte ein.

Wie man zum Preußischen Landtag kommt:
Mit der S-Bahn:
Anhalter Bahnhof: S1, S2, S2
Bahnhof Potsdamer Platz: S1, S2, S25

Mit der U-Bahn:
Bahnhof Mohrenstraße: U2
Bahnhof Stadtmitte/Leipziger Straße: U6
Bahnhof Potsdamer Platz: U2
( Text: -wn- )




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