Russlands Botschaft: Wehrhaft das Haus, wahrhaft die Gastlichkeit

Einladend ist das nicht: Die abweisende fast mannshohe Steinmauer mit aufgesetzten Kleinsäulen-Sektoren längs des Linden-Boulevards,
Russlands Botschaft in Berlin
Die Russische Botschaft in Berlin
Foto: -wn-
gar erst das robuste Eisengitter auf Höhe des Mitteltrakts der Russischen Botschaft sind ein in materielle Gestalt verwandelter Befehl. Er lautet: "Stoi!" (Halt!). Stadtbekannt ist die dekorativ mit bearbeitetem Werkstein und Granit verkleidete Fassade des Gebäudetraktes, der nach der Kriegs-Zerstörung im neoklassizistischen Stil wieder errichtet wurde. Die Türen sind mit Gold verziert. Eintretende müssen allerdings hintereinander gehen, Gruppenpassagen verhindert die eher schmale Pforte (Bild). Das ist so seit langen Jahrzehnten. An Russlands Botschaft, der früheren sowjetischen, haben sich allenfalls drei Dinge geändert: Im Ehrenhof vor dem zurückgesetzten zentralen Haus verschwand die meterhohe Marmor-Büste des sowjetischen Staatsgründers Wladimir Iljitsch Lenin. Der Kopf des Mannes aus Simbirsk (Uljanowsk) mit seiner stilisierten Zornesfalte am Zusammenlauf der Augenbrauen steht seitdem im hinteren Teil des Botschaftsgeländes nahe der Schwimmhalle - eine lindere Variante von "Good Bye, Lenin". Auf dem Attikaaufsatz des markanten Dachgesimses des Haupthauses vollzog sich der Wechsel von der roten, mit Hammer, Sichel und Stern ornamentierten zur weiß-blau-roten heutigen Flagge Russlands. Und für die meisten Passanten unbemerkt änderte sich auf dem russischsprachigen Messingschild am Eingang mit dem Hinweis auf das hier beginnende exterritoriale Botschafts-Gebiet ein Wort: Aus "russki" wurde "rossiski", was in beiden Fällen "russisch" heißt. Das erste Adjektiv steht weiter als Attribut vor Substantiven wie Sprache, Wodka oder Seele, das zweite stolzere leitet sich direkt von Russland ab, beschreibt das Gemeinsame der Russischen Föderation, des größten Flächenstaates der Welt.

Geschichte der russischen Botschaft in Berlin


Trotz seiner respektablen Bewehrung hat die Russische Botschaft den Ruf eines gastfreundlichen Hauses. Schon seit den 1920er Jahren finden hier regelmäßig
Empfänge für geladene Gäste statt, die lediglich in den Weltkriegs-Jahren ausbleiben mussten. Zwischen 1933 und dem bitteren Juni 1941, als Hitler-Deutschland die Sowjetunion überfiel, gingen hier auch Vertreter der deutschen Regierung aus und ein. Im Januar 1941 erscheint Reichsaußenminister von Ribbentrop in offizieller Mission, um den neu ernannten Botschafter Wladimir Dekanosow die Ehre zu geben. 145 Tage später wird der 1946 in Nürnberg als Kriegsverbrecher gehängte Ribbentrop bei der Übergabe der Kriegserklärung in den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 im Auswärtigen Amt dem aus dem Bett geholten Dekanosow zuraunen "Bestellen Sie in Moskau, dass ich gegen den Angriff war." Sieben Jahre nach Ribbentrops Strangulierung wurde Dekanosow als Mitverschwörer des Geheimdienstchefs Lawrenti Beria in Moskau erschossen.

Ungezählte Menschen betraten dieses Haus auch als Einzelbesucher und verließen es mit unterschiedlichsten Gedanken. Im November 1939 meldete Botschafter Alexander Skwarzew in den Kreml, in der Mission sei die Ehefrau des seit März 1933 inhaftierten KPD-Führers Ernst Thälmann mit Briefen ihres Mannes an die sowjetische Führung "aufgetaucht". Die Beamten verhalten sich gegenüber der mittellosen Rosa Thälmann deutlich reserviert. Eine Zeit lang erhält sie schließlich über die Schweiz sowjetische Geldzuwendungen. Die Führung in Moskau - seit August 1939 durch den Molotow-Ribbentrop-Pakt mit Deutschland zu einer Appeasementpolitik gegenüber Hitler verpflichtet - machte sich bekanntlich nie für eine Befreiung Thälmanns stark. Es ist der 25. Oktober 1956: Der Philosoph und Journalist Wolfgang Harich verlässt - wie er schrieb - "tief deprimiert das pompöse Haus". Er hatte Botschafter Grigorij M. Puschkin den Text der "Plattform für den besonderen deutschen Weg (der DDR) zum Sozialismus" überreicht, in der die deutsche Wiedervereinigung und Deutschland als neutraler, entmilitarisierter Staat angeraten wurden. Puschkin lehnte die Vorstellungen Harichs und seiner Mitstreiter im sogenannten "Kreis der Gleichgesinnten" ab. Er informiert Walter Ulbricht. Harich wird zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt.

12. Oktober 1966: Der damalige Westberliner Regierende Bürgermeister Willy Brandt und seine Frau Rut sind Gäste des Sowjetbotschafters Pjotr Abrassimow. Es ist
Brandts erster Besuch in Ost-Berlin seit 1960. Der weltberühmte Cellist Mstislaw Rostropowitsch spielt vor den Gästen. Beim Gegentreffen in einem Westberliner Hotel erklärt Abrassimow zu vorgerückter Stunden dem Brandt-Sprecher Egon Bahr: "Passen Sie gut auf den auf. Der wird noch wichtig." Vier Jahre später wird im Katharinensaal des Kremls zwischen der Sowjetunion und der Bundesrepublik Deutschland der Moskauer Vertrag geschlossen. Willy Brandts Vision einer Frieden stiftenden Entspannungspolitik nimmt geschichtliche Formen an.

Besonders nach 1989 ist die Botschaft wieder um den alten, traditionell gastfreundlichen Ruf bemüht. Anlässe für Empfänge sind einer der russische Nationalfeiertage am 4. November (Tag der Einheit des Volkes) sowie Wirtschafts- und Wissenschaftstreffen. Einladungen sind begehrt. Die Botschafter-Gattin Maria Koteneva sagte voller Stolz einer Zeitung, ihr sei gesagt worden: "Bei Euch ist es immer so lustig und sogar die Stimmung unter den Gästen, die draußen am Eingang vor der Botschaft in der Schlange warten, ist großartig!" Das will viel heißen in diesem Haus mit seiner wechselvollen Geschichte. Der deutsche Diplomat Harry Graf Kessler, der an der Wiedereinweihung der Botschaft am 26. Juli 1922 teilnahm, erinnert sich, dass die Gästeschar aus Wirtschaft, Politik und Kultur "trotz des Glanzes der (noch) kaiserlich dekorierten Säle mehr den Eindruck eines politischen Klubs mit leichtem Verschworeneneinschlag" machte. Das mag heute wieder ähnlich sein. Dabei sind die Zeiten des Drushba-Gedöns' vorbei. Die bilateralen Beziehungen wurden ehrlicher - sind "normalno", wie der Russe sagt.
Besuchen Sie auch das Blockhaus Nikolskoje an der Havel. ( Text: -wn- )


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Bus:
Unter den Linden: TXL,
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Tel.: 030/22-65-11-84

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