Nikolaikirche: Berlins älteste Kirche erstrahlt wie neu
Über Jahre hinweg schlummerte sie im Dornröschenschlaf, dämmerte im Schatten von Brandenburger Tor und Fernsehturm. Dabei zählt die Nikolaikirche, geweiht dem Schutzpatron der Kaufleute,
als ältestes Gebäude Berlins und somit wichtiges Zeugnis der Stadtgeschichte ebenso zu den Wahrzeichen Berlins wie Siegessäule und Sony Center. Markant erhebt sie sich mit ihren Backstein-Zwillingstürmen über die Dächer des Nikolaiviertels. Nun wurde das um 1200 ursprünglich als feldsteinerne Pfeilerbasilika errichtete Gotteshaus nach zweijähriger Sanierung feierlich wiedereröffnet. Das Besondere daran: Der heilige Ort ist nun nicht nur Kirche, sondern dokumentiert als musealer Raum die über 800-jährige Geschichte Berlins.
Fast vier Millionen Euro hat die Sanierung gekostet. Dafür wurde nicht nur der einst wellig gewordene Fußboden mit neuen Terrakottafliesen aus der Märkischen Keramikmanufaktur
in Reichow verlegt, auch dreitausend Quadratmeter Wand- und Gewölbeflächen wurden aufwändig restauriert. Außerdem flickten die Restauratoren insgesamt 350 Meter Risse in den Wänden und Gewölben und brachten neue vertikale Leuchten als Lichtbänder an.
Ein besonderer Blickfang sind die wieder in die Kirche zurückgekehrten überlebensgroßen, einst zum Barockaltar gehörigen Schnitzfiguren. Wieder zu sehen sind auch das mächtige Triumphkreuz am Übergang vom Kirchenschiff zum Chorraum, das Taufbecken von 1563 und die Kanzel von 1662.
Allzu viel hat die Nikolaikirche nicht an ursprünglicher Substanz bewahrt. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche in erster Linie zu DDR-Zeiten, war doch außer einigen
Wandgrabmälern und Farbresten von dem Bau nach dem Krieg kaum etwas übrig geblieben. Anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins 1987 hatte die DDR den schwer beschädigten Backsteinbau schließlich rekonstruiert.
Über 20 Jahre später erstrahlt die Nikolaikirche nun wieder fast wie neu. Die Dauerausstellung fokussiert die bau- und kirchengeschichtliche Rolle der Nikolaikirche und dokumentiert ihre Bedeutung für die Stadtgeschichte. Außerdem erinnert die Ausstellung an das Wirken einiger, mit der Kirche eng verbundener berühmter Persönlichkeiten.
Insgesamt sieben Themeninseln informieren den Besucher über Stadt- und Kirchengeschichte:
Spurensuche - Die frühe Berliner Stadtgeschichte
Vom Feldstein zum Backstein - Die Baugeschichte der Nikolaikirche
Spaziergänge - Das Nikolaiviertel gestern und heute
Weltbekannt - Kirchenlieder aus St. Nikolai
Liturgie im Wandel - Sakrale Kunstwerke und liturgische Geräte
Bestattungskultur im Kirchenraum - Das Pantheon der Berliner
Verloren und wiederentdeckt - Der Münzschatz aus dem Turmknauf