Das Jagdschloss Grunewald - Von Hetzen, Hasen und Hunden

Eine Mitleidsbekundung von unvermuteter Seite, notiert vom Jagd-Schriftsteller George Franz Dietrich aus dem Winckell (1782-1839). Der engagierte anhaltinische Forstmann aus Schierau südlich von Dessau verfasste das ab 1804 in neun weiteren Auflagen herausgekommene,
Jagdschloss Grunewald in Berlin
Blick auf das Jagdschloss Grunewald
Foto © wn
heute zum Preis von mehreren Hundert Euro angebotene "Handbuch für Jäger, Jagdberechtigte und Jagdliebhaber". Obwohl die drei Bände vom unentwegten Locken, Hetzen und Abschießen des Wildes handeln, nimmt sich der Autor eingangs überraschend barmherzig des Hasen an: "Fast kein lebendes Geschöpf hat so viele und vielerlei Feinde, als der unglückliche Hase; ich meine (vor allem) den Menschen." In den vergangenen fast 470 Jahren, in denen es am Südost-Ufer des Grunewald-Sees das später leicht barockisierte gleichnamige Renaissance-Jagdschloss gibt (Foto), dürfte eine solch Hinwendung zur tierischen Kreatur nicht nochmals vorgekommen sein. Der Grundsteinleger des heute von Linden und Akazien eingefassten Hauses, der brandenburgische Kurfürst Joachim II. Hector, wird in den Annalen zwar als gebildeter, vom Geist der Reformation erfüllter Mensch beschrieben, der aber doch bei geringem Denkaufwand abschoss, was ihm vor die Flinte kam oder - etwa bei der Sauhatz - von seinen Knechten vor sie getrieben wurde. Der weidlustige
Joachim hatte ein Faible für die Hetzjagd, französisch-vornehm Parforce-Jagd genannt. Mancher im Grunewald einstehende Platzhirsch, schreibt Theodor Fontane, flüchtete beim Herannahen der Hundemeute routinemäßig in Richtung Pfaueninsel und schwamm an der schmalsten Stelle, an der heute die Fähre verkehrt, hinüber aufs sichere Eiland. Trotz seiner jagdlichen Rigorosität war Joachim sensibel genug, in Streitfällen auszugleichen. So - hier zwar erfolglos - in der Sache des Berliner Kaufmanns Hans Kohlhase (literarisch: Michael Kohlhaas), der sich wegen des Verlustes zweier Pferde über Jahre in eine marodierende Selbstjustiz hineingesteigert hatte und dafür 1540 gerädert wurde. Joachim wollte den Delinquenten - sichtbare Reue vorausgesetzt - wenigstens "zum Schwert begnadigen", doch Kohlhase wählte verstockt das schwerere Ende.

Kunst im Jagdschloss Grunewald


In der Gemäldesammlung des Jagdschlosses gibt es verständlicherweise mannigfache weidmännische Stillleben und Jagdszenen, etwa das Bild eines in den Schlosshof einfahrenden feurigen Gespanns junger Pferde darstellend die "Ankunft Kaiser Wilhelms I. zur Roten (Hetz-) Jagd im Grunewald". Das arbeitsteilig gefertigte Gemälde hat zwei Schöpfer: den Landschaftsmaler Hermann Schnee und den Figurenmaler Carl Johann Arnold. Ferner sind zu sehen Bilder von Lucas Cranach d. Ä. und seinem Sohn sowie Werke der niederländischen und deutschen Malerei des 15. bis 19. Jahrhunderts. Über zweihundert Gemälde sind insgesamt neben Möbel und Porzellan zu betrachten. In stolzer Jägerpose wird man aber drei preußische Majestäten vermissen, weil ihnen Jagd-Leidenschaft deutlich abging: Friedrich Wilhelm II., der eher unter Frauen wilderte und im Volk der dicke Lüderjahn (Taugenichts) genannt wurde, und der ruhige, wortkarge Friedrich Wilhelm III. Der dritte Nichtjäger, Friedrich II., auch genannt der Einzige, war Anti-Weidmann aus tiefstem Herzen. Wahrscheinlich um seinem pietistisch strengen Vater, "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I., zu schmeicheln, schrieb er ihm als Achtjähriger: "Mein lieber Papa, … Ich bin … mit dem Schnupfen und Husten stark geplaget gewesen; dennoch bin ich im Anfang auf der Jagd gewesen, und habe mein erstes Huhn im Fluge geschossen." Knapp zwanzig Jahre später wird er in seiner Streitschrift "Antimachiavell" die Jagd expressis verbis brandmarken: "Die Tugend des Maßhaltens, eine notwendige Fürstentugend, sucht man beim Jäger vergebens; das allein genügt eigentlich, die Jagd zu einer verwerflichen Sache zu machen." Mehr noch: Er hielt das Jagen für eine sträfliche Vergeudung der knapp bemessenen Lebenszeit des Menschen. Natürlich fehlte es bei Friedrich nicht an einem hinlänglichen Verhältnis zur Welt der Tiere: Mit mindestens einem seiner drei schlanken hochbeinigen Windspielhunde schlief er nachts im Bett.

In Sachen Jagd machte er Nägel mit Köpfen: 1765 befahl er, das ihm verhaßte Jagdzeug des Berliner Jägerhofes - Leinentücher, Garne, Netze, Fangeisen, Fallen
und Wildtragen - zum Jagdschloss Grunewald zu bringen, wo die Utensilien schließlich der Grundstock des heutigen Jagdmuseums bildeten. Der Wald, für andere Monarchen einzigartiger Vergnügungsort, war ihm vielmehr ein taktischer Punkt in der militärischen "Befestigung-, Lager und Gefechtskunst". In seinen Aphorismen mit Befehlscharakter legte er fest: "Wenn ein grosser Wald oder Busch dem Lager nahe läge, … so muss entweder der ganze Wald, oder wenigstens ein grosser Theil desselben, besonders der uns zunächst liegende, besetzt werden, damit durch den Busch sich nichts unbemerkt ans Lager schleichen und der Soldat sicher nach Holz gehen kann." Nichtjäger Friedrich Zwo, der schon als Jugendlicher die blutigen Jagdbelustigungen seines Vaters innerlich verabscheute, hätte heute seine Freude an den zahlreichen offenkundig schießunwilligen und sichtbar hundefreundlichen Schlossbesuchern. Die Leute machen beim Lustwandeln im Schlosshof überdies den Eindruck, dass sie lieber dem bekannten prahlerischen und zugegeben kriecherischen "Hasen im Rausch" des russischen Schriftstellers Sergej Michalkow den Vorzug geben gegenüber einem über den Haufen geknallten Artgenossen.

Öffnungszeiten vom Jagdschloss Grunewald:


April bis Oktober - Dienstag bis Sonntag, 10-18 Uhr Montag geschlossen November bis März - Samstag, Sonntag und Feiertag 10-16 Uhr

Veranstaltungen im Jagdschloss Grunewald:


Klassik OpenAir im Jagdschloss Grunewald – Pfingsten 2014
Samstag, 7. | Sonntag, 8. | Montag, 9. Juni 2014
PEER GYNT – „Faust des Nordens“
Die komplette Schauspielmusik von Edvard Grieg für Orchester,
Chor und Sopran op. 23 mit Texten aus Henrik Ibsens Drama “Peer Gynt”
Sinfonischer Chor Berlin | Orpheus Ensemble Berlin | Brandenburg Brass |
Guido Beirens, Annette Kurz – Sprecher | Nicola Proksch – Sopran | Stefan Meinecke –
künstlerische Leitung | mit über 120 Mitwirkenden
In Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
• Einlass und Catering ab 18.00 Uhr
• Vorprogramm mit Brandenburg Brass ab 19.00 Uhr
• Konzertbeginn 20.30 Uhr
Bis 20.00 Uhr ist die berühmte Cranach-Ausstellung im Jagdschloss Grunewald
exklusiv für die Konzertbesucher geöffnet.
Eintritt: 25 Euro / ermäßigt 15 Euro | freie Platzwahl | 500 Sitzplätze
Tickets unter: Tel. 030 4799 7474 ( Infos aus einer PM)

Wie man zum Jagdschloss Grunewald kommt:
Das Schloss-Museum hat die Adresse Hüttenweg 100. Man gelangt mit dem Auto dorthin über den Autobahnzubringer Magdeburg-Leipzig (Avus), Abzweig Hüttenweg. Vom Parkplatz bis zum Schloss sind es etwa 10 Minuten Fußweg.
Text: wn



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