Relief in der Hausfassade vom Strassmann-Haus
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Renaissance verbinden. Das Erdgeschoss ist mit Quadern in italienischer Manier bewehrt, die dem Gebäude zu ebener Erde einen massiven Rahmen geben. Drei in die Hauswand eingelassene Reliefs des österreichisch-ungarischen Bildhauers Sandor Járay (1845-1916) stellen eine stillende, eine genesende Mutter und einen Gelehrten dar. Es ist das Haus, das der deutsche Gynäkologe Paul Ferdinand Strassmann (1866 -1938) 1900 mit geborgtem Geld hochziehen ließ. Der Bauherr - einer weltoffenen polnisch-jüdischen Gelehrtenfamilie aus dem Posener Gebiet entstammend - richtete im Neubau eine private Frauenklinik mit 75 Betten ein, die bald über den Ruf einer prominenten Heilstätte verfügte. Sein berufliches Interesse zeigte sich bereits 1889 beim Promovieren. Thema der Doktorarbeit war "Zur Lehre von der mehrfachen Schwangerschaft". In der 119 Seiten langen Dissertation verarbeitet er die Krankenakten von 476 Frauen mit Zwillingsgeburten und von 10 Frauen, die Drillinge gebaren. In 27 Jahren kamen in seiner Klinik 15000 Kinder zur Welt. 26000 Patientinnen wurden gynäkologisch betreut. 4000 Ärzte konnten später bei Bewerbungen andernorts nicht ohne Stolz darauf verweisen, in dieser Klinik eine gediegene Ausbildung erhalten zu haben. Strassmann - bald als Mediziner in ganz Europa und Übersee bekannt - verwirklichte jenen Grundsatz, den heutzutage die Deutsche Bank als Reklame plakatiert: Leistung aus Leidenschaft. Leidenschaft und Wissensdurst wiesen den Berliner Gynäkologen als einen Angehörigen der deutschen Elite aus, der seiner Arbeit aus Liebe zu und aus Respekt vor den Menschen nachging. Sowohl sein Vater Heinrich als auch drei seiner Onkel waren Mediziner und bekannten sich zum Prinzip "(der) Arzt als Anwalt der Armen". Den Kreis seiner Patientinnen kann man trotz dieser plebejischen Hinwendung illustre nennen; er umfasst das damalige politische Spektrum, reichte von der Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867−1945) bis zu Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath (1887 -1947), der zweiten Frau des letzten deutschen Kaisers.