Papa, wozu sind Tampons gut? Was macht mann, wenn die Aufklärung in Form dieser oder ähnlicher frühkindlicher Fragen unvermutet über einen hereinbricht? Dazu vielleicht noch morgens im Bad, verschlafen?
Beherzt ein Corpus delicti in die Nase drehen und behaupten, das wäre gut bei ganz schwerem Schnupfen, damit man nicht dauernd die Nase putzen muss? Natürlich nicht. Schließlich betonen wir immer wieder, dass man sich unter keinen Umständen irgendetwas in die Nase stecken darf.

Es hilft auch nichts, die geliebte Gattin im Stillen zu verfluchen, die, den Kopf voller lebensnotwendiger Familienangelegenheiten, ihre Hygieneartikel in Sichtweite des aufmerksamen Kindergartenkinds hat herumliegen lassen.
So können Sie Ihren Kindern alles gut erklären: Das Einzige, das hilft: ganz cool bleiben, trocken schlucken und das geballte biologische Wissen in ein Hand voll einfacher Sätze pressen.
Peinlichkeiten gibt es nicht, also ran:
Papa: »Du weißt doch, dass bei einer Frau im Bauch viele kleine Eier sind?«
Tochter: Große Augen, Kopfnicken.
Papa: Wenn da ein Samen vom Mann dazukommt, kann ein Kind daraus wachsen, so wie Du.
Tochter, gelangweilt: »Weiß ich!«
Aber wenn kein Samen dazukommt, dann muss das Ei Platz machen für das nächste Ei. Dann kommt es unten aus der Scheide raus, zusammen mit ein bisschen Blut und Schleim.
Tochter: »Iiiihh!«
Papa, ganz locker: »Das ist nicht schlimm, aber damit die Unterhose nicht schmutzig wird, kann man so einen Tampon in die Scheide stecken. Der saugt dann innen drin alles auf, und an diesem Bändchen kann man ihn ganz einfach wieder rausziehen und der Schlüpfer bleibt sauber. Alles klar?«
Tochter, schon gar nicht mehr so interessiert: »Mmmh, ach so.«

Fazit: Kinder, gerade auch im Vorschulalter, wollen erst einmal Bescheid wissen. Peinlichkeiten entstehen nur, wenn den Eltern ein Thema peinlich ist. Antwortet man offen und selbstverständlich auf die Fragen, lernen die Kinder, dass man mit seinen Eltern über alles sprechen kann, dass es Heimlichkeiten und Dinge, »über die man nicht spricht« nicht geben muss. Diese positive Erfahrung kann in der schwierigen Phase der Pubertät beiden helfen, miteinander ins Gespräch zu kommen, beziehungsweise im Gespräch zu bleiben.

Allerdings sollte man auch nicht unbedingt auf Teufel komm raus locker sein wollen und den Kindern Themen aufdrängen, die sie noch gar nicht interessieren. Es reicht voll und ganz, die Fragen der Kinder kurz und knapp zu beantworten, so dass sie das Gefühl haben, ernst genommen zu werden. Und wenn man etwas nicht weiß, kann mann oder frau das ruhig sagen und zugeben. »Das weiß ich jetzt gar nicht so genau. Ich schaue erst einmal nach, damit ich dir nichts Falsche erzähle.« Das sollte man dann allerdings auch tun - zu einem geeigneten Zeitpunkt.

Schließlich spielt die Umgebung auch eine Rolle. Wenn sich die Tampon-Frage morgens im Bad stellt, tut man gut daran, sie kurz, knapp und sachlich, wie oben beschrieben, zu beantworten. Dann ist das Thema im geeigneten Umfeld gleich geklärt. Beim Mittagessen hingegen hätten Tampons (egal, in welcher Form) sicherlich nichts zu suchen. Wenn solche Fragen zu einem ungeeigneten Zeitpunkt auftauchen gilt das Gleiche wie bei Unwissenheit: auf einen geeigneten Zeitpunkt in naher Zukunft vertagen.

Das Kichern und die Peinlichkeiten kommen noch früh genug von außen, aus Schule und Kindergarten. Bestes Mittel dagegen ist ein möglichst normaler, lockerer Umgang innerhalb der Familie. Dann verwandeln sich viele vermeintlich peinliche Fragen in ganz normale Sachthemen.


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