Die Karl-Marx-Allee – ihr Gesicht und ein Gedicht

Geraten Schriftsteller aneinander, kommt gelegentlich Literatur zustande. Im Juni 1953 überzog der linkssektiererische Autor Kurt Bartel (1914-1967)
Wohnen Karl-Marx-Allee
Wohnen in der Karl Marx Allee in Berlin Mitte
Foto © -wn-
die Bauarbeiter in der damaligen Berliner Stalin-Allee mit einer Beschimpfung, wie sie ein Vertreter der DDR-Führungsschicht bis dahin öffentlich noch nicht zu äußern gewagt hatte.
Ihr Streik am 16. und die Demonstration am 17. Juni gegen überhöhte Arbeitsnormen und faktische Lohnminderung empfand der schreibende Funktionär als schweren Sündenfall, den man nur mit tätiger Reue wieder gut machen könne.
Er ließ unter den Arbeitern ein Blatt Papier kursieren, auf dem er sie aufforderte, sich erstens zu schämen und kündigte ihnen zweitens an: „Da werdet ihr sehr viel und sehr gut mauern … müssen, ehe euch diese Schmach vergessen wird …“ Dieses Abbüßungs-Zirkular beantwortete Bertolt Brecht (1898-1956) mit dem Gedicht "Die Lösung", das als eines seiner besonders bekannten in die Literatur einging.
In Brechts hintersinnigem Vorschlag heißt es:
„Wäre es da
Nicht doch einfacher, die Regierung
Löste das Volk auf und
Wählte ein anderes?"
Die elf Gedichtzeilen, eine einleuchtende Analyse des Vorgefallenen, sind seitdem mit der Straße verbunden,
die einst Große Frankfurter Straße hieß und der man zu Stalins 70. Geburtstag am 21. Dezember 1949 den Namen Stalinallee verpasste.

Die Geschichte der Karl-Marx-Allee in Berlin


Die Arbeitsniederlegung am 16. Juni begann am westlichen Ende der Allee im Baustellen-Block 40, dem heutigen Dreieck Löwen-, Auerstraße und Weidenweg in der Nähe des Friedhofes der Sankt Georgen-Gemeinde sowie auf der Baustelle des Krankenhauses Friedrichshain an der Landsberger Allee. Tags darauf formierte sich der Demonstrationszug über die knapp drei Kilometer lange Straße, die am Frankfurter Tor beginnt, den Strausberger Platz umrundet und im Westen am Alexanderplatz ankommt. Ansonsten ist die Straße vor allem wegen ihres vorherrschenden Baustils bekannt. Hinter dem landläufigen Begriff Zuckerbäckerstil verbirgt sich der architektonische Versuch, einen sozialistischen Klassizismus zu verwirklichen. Deshalb findet man an den Fassaden der bis zu 13 Stock hohen Häuser Stilelemente des Berliner Klassizismus: dorische und ionische Säulen, Ziergiebel mit griechischen Querbalken und Friesen. Die Häuser mit den heutigen Adressen Karl-Marx-Allee 102–104 und 126–128 wurden noch nach dem anfänglichen städtebaulichen Konzept errichtet: 1949 entstanden hier so genannte Lauben- oder Außenganghäuser, bei denen die Wohnungen über eine Treppe und einen an der Außenfront verlaufenden offenen Gang erreichbar sind. Ab 1952 wurden unter „Mitarbeit“ sowjetischer Architekten die Häuser im klassizistischen Stil hochgezogen. Die Freude der neuen Bewohner über die relativ komfortablen Wohnverhältnisse hielt sich allerdings in Grenzen: Schon Mitte der 50er Jahre und in den folgenden vier Jahrzehnten lösten sich zahlreiche der Meißner Kacheln von den Fassaden, insgesamt auf einer Fläche von rund 50000 Quadratmetern.

Zwischen Andreas- und Koppenstraße fallen zwei Plattenbauten ins Auge. An dieser Stelle befand sich die riesige Deutsche Sporthalle, die 1951 für die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in 148 Tagen errichtet und wegen beträchtlicher Baumängel 1968 wieder abgerissen wurde. Auf der anderen Straßenseite ragte das 4,80 Meter hohe Denkmal des Generalissimus auf. Obwohl Walter Ulbricht (1893-1973) nach dessen Tod im Jahre 1953 behauptete, in der DDR gebe es nichts zu entstalinisieren, wurde das Denkmal schließlich 1961 in einer Spätherbst-Nacht klammheimlich entfernt. In völlig anderem Stil wurde 1961/62 nahe dem Frankfurter Tor das Kino Kosmos gebaut. Mit seinen rund 1000 Plätzen war es seinerzeit das größte und modernste Filmtheater im Land.

Wohnen in der Karl Marx Allee


Am anderen, westlichen Ende der Allee wurden gewöhnlich die
Funktionärstribünen für die Demonstrationen zum Ersten Mai aufgestellt. In Nachbarschaft des nahen Kinos International sieht man die denkmalgeschützte Leuchtreklame der beliebten "Mokka-Milch-Eis-Bar", in der 300 Gäste auf zwei Ebenen Platz fanden. Der Schlager-Titel des Komponisten Thomas Natschinski, in dem es heißt: "In der Mokka-Milch-Eis-Bar hab' ich sie geseh'n, in der Mokka-Milch-Eis-Bar, da ist es gescheh'n" machte die Bar auch außerhalb Ostberlins bekannt. Gegenüber befindet sich das 1964 eröffnete Cafe Moskau mit der Natascha-Bar in russischem Ambiente, die auch bei Führungsoffizieren der Stasi und ihren Zuträgern beliebt war. Seit 1961 heißt die Ostberliner Magistrale Karl-Marx-Allee. In Europa gibt es immerhin noch Sträßchen, die Stalins Namen tragen. Die Stalin Avenue im südostenglischen Chatham ist 160 Meter, die Rue Staline im französischen Essomes-sur-Marne 180 Meter lang. Die Rue Staline im belgischen Seraing geht nach 280 Metern überraschenderweise in die Rue de la Democratie über.

Verkehrsverbindung:
Die U-Bahn-Linie 5 Alexanderplatz-Hönow führt durch die Karl-Marx-Allee

Text: -wn-


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