Wissenswertes über die Oranienburger Straße

In Umbruchszeiten werden nicht nur Gesellschaftsordnungen gewechselt, auch die Namen von Straßen. Charlottenburg 1947: der vormalige Adolf-Hitler-Platz erhält
Das Centrum Judaicum
Eine Sehenswürdigkeit auf der Oranienburger Straße
ist das Centrum Judaicum - Foto © -wn-
seinen Namen Reichskanzlerplatz zurück, ab 1963 heißt der Namenspatron Theodor Heuss, Friedenspreisträger, später Bundespräsident. Nach der wieder erlangten deutschen Einheit verschwinden die Namen pseudosozialistischer Partei-Hierarchen von Briefkopf und Straßenschild.

In der Angelegenheit Oranienburger Straße aber, die – nach altem Längenmaß - 1350 Schritt lange Verbindung zwischen Friedrichstraße und Hackeschem Markt, liegen die Dinge so: Seit Jahrhunderten hieß der heute so berühmte Verkehrsweg im Westen der ehemaligen Spandauer Vorstadt Alter Spandauer Heerweg. An ihm siedelten sich im 19. Jahrhundert zahlreiche Bürgerliche an, darunter viele jüdische Kaufleute und Gelehrte. Es war eine „etwas bessere“ Gegend. Handel und Wandel standen in Blüte. Varietés öffneten, viele Schenken und ein Kaufpalast verbreiteten geschäftige Stimmung. Wo man heute wahlweise italienisch, kubanisch, singapurisch, thailändisch, mexikanisch oder japanisch essen kann, befand sich vor 200 Jahren die Fleischscharre der Oranienburger, eine Fleischerhalle, die ebenfalls vielen Bedürfnissen genügte.

Die Oranienburger Straße in Berlin


Vermutlich ist es allgemeinem Zweckmäßigkeitsempfinden geschuldet, dass sich damals der heutige Straßenname ohne amtliche Billigung eingebürgert hatte. Denn am westlichen Straßenende begann die Oranienburger Vorstadt. 1806 führte das „Lexicon von Berlin enthaltend alles Merkwürdige und Wissenwerthe von dieser
Königsstadt und deren Gegend“ die Oranienburger Straße im Register. Jahrzehnte später blieb der Berliner Stadtverordneten-
versammlung nichts weiter übrig, als die spontane Umbenennung administrativ abzusegnen.

Lokales Geschehen war hier oft deutsche Geschichte. Während der Revolution 1848 errichtete die Bürgerwehr am 18. März nahe der heutigen Halbruine des Kunsthauses Tacheles Barrikaden, um den Transport von Kanonen zum Stadtschloß zu verhindern. Zumindest trafen die Geschütze mit Verspätung beim aufgeschreckten König Friedrich Wilhelm IV. ein, der später mit seiner Denkschrift „An meine lieben Berliner“ die tödlichen Schüsse auf die Aufständischen zu verharmlosen suchte. Als die Majestät am 22. März auf Verlangen der Berliner den aufgebahrten 183 Märzgefallenen die letzte Ehre bezeugen musste, wurde aus der Menge nach einem Mann aus der Oranienburger Straße gerufen: nach dem angesehenen Wissenschaftler Alexander von Humboldt. Er sympathisierte mit den Revolutionären. Wegen seiner groß angelegten Expeditionen durch Südamerika und Russland wurde er auch der zweite Kolumbus genannt.

Von Humboldts Haus Nr. 67 blickt man auf die weltbekannte „Alhambra von Berlin“, die 1866 im maurischen Stil errichtete Neue Synagoge. 1991 wurde sie als das Centrum Judaicum wieder eingeweiht – der Glanzpunkt der Straße. Und so wie man heute im Restaurant Kadima israelisch-russisch speisen und aufs Angenehmste über die Gott und Welt disputieren kann, konnte man dies in den Jahren vor 1933 auch im der Synagoge benachbarten Cafe Leu. Juden aller Denkrichtungen tauschten sich dort aus: Orthodoxe disputierten mit Liberalen oder die aufs Heilige Land fixierten Zionisten mit Glaubensbrüdern, die – welch eine Tragik! – im Lande bleiben wollten.

In den DDR-Jahren blieb die Straße ramponiert und grau. Einzig der neu angelegte Monbijoupark zog ab 1961 die Menschen an. Bekannte Adressen waren der Theaterverlag Henschel, der Verlag für Bauwesen und die Redaktion der Zeitschrift für Psychologie. Nach der Wende 1989 übernahmen neue Kneipwirte, meist ehemalige Hausbesetzer, die vielen leer stehenden Läden. Doch die meisten Bazare und Gaststätten wechselten spätestens ab 2000 wieder Besitzer und Namen. Das Business der großen Geschäfte und Restaurants obsiegte. Nur die meist im Barbie-Look geschnürten Damen bieten verlässlich abends ihre Dienste an. Einst sorgte sich die jüdische Armenanstalt um die „Ausstattung armer Mädchen“. Es gab Kollekten in der Synagoge. Schwer zu sagen, ob der Wegfall der Kollekten heute eine Härte ist.

Was gibt es auf der Oranienburger Strasse noch zu sehen?


  • Monbijoupark
  • Postfuhramt
  • Ehemaliges Haupttelegrafenamt
  • Kunsthaus Tacheles
  • Die Gespenstermauer

  • Zur Oranienburger Straße in Berlin gelangt man:
    Östliches Ende mit den S-Bahnlinien S3, S5, S9, Bahnhof Hackescher Markt
    Westliches Ende mit der S-Bahnlinie S2, Bahnhof Oranienburger Straße
    Text: -wn-




  • Straßen in Berlin
  • Badstraße im Wedding
  • Bölschestraße
  • Schiffbauerdamm
  • Schönhauser Allee
  • Unter den Linden
  • Friedrichstraße
  • Kurfürstendamm
  • Oderberger Straße
  • Kastanienallee
  • Majakowskiring
  • Weitlingstraße
  • Simon-Dach-Straße
  • Bergmannstraße
  • Linienstraße
  • Frankfurter Allee
  • Karl-Marx-Allee


  •  
    Locations in Berlin Restaurants Diskotheken Strandbars Biergärten Grillplätze Kneipen Clubs Einkaufen in Berlin Verkaufsoffene Sonntage Elektronikmärkte Einkaufscenter Möbelhäuser Trödelmärkte Baumärkte Mode Urlaub in Berlin Ferien & Feiertage in Berlin Autovermietungen Hotels Sehenswürdigkeiten Gedenkstätten Museen Plätze Freizeit Veranstaltungen Ausflugstipps Nachtleben Bäder in Berlin Schwimmhallen Freibäder Berliner Bezirke Straßenverzeichnis Ämter & Behörden Berliner Firmenverzeichnis Rechtsanwälte Banken Ärzte Sonstiges Partnerschaft & Kontakte Wellness Wohnen Arbeit Forum Blog Datenschutz & AGB Urlaub in Brandenburg