Immer mehr Berliner und Brandenburger leiden unter Heuschnupfen Pollen-Allergie: Körper bekämpft Blütenstaub
Hatschieee: Niesanfälle und laufende Nase, juckende Triefaugen, eine zur Kartoffelform angeschwollene Nase, unangenehmes Kitzeln tief im Rachen - wer an Heuschnupfen leidet, sieht dem Frühjahr nur mit getrübter Freude entgegen. Denn von Frühjahr bis Herbst fliegen die Auslöser jener lästigen Körpersymptome durch die Luft: Pollen.

Experten erwarten für 2006 einen verstärkten Pollenflug. Mit Erlen- und Haselnusspollen haben Allergiker jetzt bereits zu kämpfen. Rund 17 Prozent der Bevölkerung reagieren nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes mehr oder weniger stark auf Pollenflug.
Auch Ausschläge, Nesselfieber und Entzündungen können sich aus Heuschnupfen entwickeln - oder so genannte Kreuzallergien, eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel. Außerdem besteht die Gefahr eines ‘Etagenwechsels’, wie Mediziner sagen. Heuschnupfen kann sich auf die Lunge niederschlagen, Asthma ist die Folge.

Auslöser
Heuschnupfen ist eine allergische Überreaktion des Körpers auf Pollen. Das Immunsystem schüttet so genannte Histamine aus, um die vermeintlichen Angreifer aus der Luft zu besiegen.
Auslöser sind vor allem die leichten Pollen windbestäubter Pflanzen, im Frühjahr meist Baum- und Strauchpollen wie Haselnuss, Birke, Erle. Im Sommer fliegen vermehrt Gräser- und Getreidepollen, z. B. Roggen. Im Herbst sind Kräuter wie Beifuß am Pollenflug beteiligt.

Wie verläuft ein Allergie-Test?
Mit einem Allergietest kann man herausfinden, gegen welche Pollen man allergisch ist. Meist wird ein Hauttest gemacht. Es gibt verschiedene Verfahren: Pricktest, Epi- oder Intrakutantest, Scratch-, Reibe- und Patchtest.
Der Pricktest ist die am häufigsten angewandte Untersuchung: Auf den Unterarm werden 10 - 20 Lösungen mit unterschiedlichen Allergenen getropft. Dann wird die Haut überall leicht angeritzt. Nach einer viertel- bis halben Stunde sieht man, ob der Patient mit Rötung, Juckreiz oder Quaddeln reagiert. Wenn ja, besteht der Verdacht auf eine Allergie gegen diese Stoffe, der aber zusätzlich mit anderen Diagnosemethoden bestätigt werden muss.

Was hilft gegen Heuschnupfen? Verhaltenstipps für den Alltag
Pollen ganz zu vermeiden ist unmöglich. Aber hier ein paar Tipps, wie man sich das Leben während der Pollensaison erleichtert.

- Lüften zur rechten Zeit: In der Stadt von 6 - 8 Uhr morgens. Auf dem Land abends von 19 - 24 Uhr. Zu diesen Zeiten fliegen die wenigsten Pollen.

- pollenarme Wohnung: Möbel und größere Flächen regelmäßig feucht wischen. Pollenfilter im Staubsauger helfen ebenfalls. Kleider vom Tag nicht im Schlafzimmer lassen. Vor dem Schlafengehen Haare waschen. Häufiger Bettwäsche wechseln.

- Nasendusche mit physiologischer Kochsalzlösung: Salzhaltiges Wasser piekst nicht und spült Pollen aus der Nase heraus.

- Ernährung umstellen: Wer weißen Industriezucker und Alkohol weglässt, scheint seinen Körper dadurch insgesamt zu beruhigen.

- Stress reduzieren: Stress steigert die allergische Reaktion. Übungen wie progressive Muskelentspannung oder Kurzmeditationen helfen, Stress abzubauen.
Behandlungsmöglichkeiten Medikamente, die Heuschnupfensymptome unterdrücken, bringen schnell Erleichterung. Leider beseitigen sie nicht die Ursachen der Immunreaktion. Es gibt jedoch ein paar Methoden, die die Überempfindlichkeit deutlich reduzieren, sogar heilen können. Sie verlangen allerdings Ausdauer, erstrecken sich teils über mehrere Jahre.

Medikamentöse Symptomunterdrückung
- Antihistaminika: Sie unterdrücken die Immunreaktion minutenschnell. Manche Menschen reagieren allerdings vor allem auf die erste Generation der Antihistamine mit Müdigkeit.

- Kortison: Es wirkt langsamer, aber stärker als Antihistamine und hemmt Entzündungen.

- Mastzellstabilisatoren: In den Mastzellen wird Histamin gebildet. Die Stabilisatoren dichten die Zellmembran ab, so wird kein Histamin ausgeschüttet. Es dauert ein paar Tage, bis die Behandlung wirkt, also muss man rechtzeitig beginnen.

Heilbehandlungen
- Desensibilisierung: Desensibilisierung, auch Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie (SIT) genannt, soll das Immunsystem Schritt für Schritt gegen Pollen "abhärten". Den Betroffenen werden Pollenarten, gegen die sie allergisch sind, in langsam steigender Konzentration unter die Haut gespritzt. Die Behandlung geht über Monate und muss mehrere Jahre fortgeführt werden. Eine Variante ist die "sublinguale Desensibilisierung". Hier tropft man sich regelmäßig eine allergenhaltige Flüssigkeit unter die Zunge. Die Erfolgsquote ist hoch.

- Eigenblutbehandlung: Hier wird Blut entnommen und entweder direkt oder z. B. mit homöopathischen Medikamenten versetzt an einer anderen Stelle unter die Haut gespritzt. Zwar ist der Wert der Methode umstritten, sie scheint jedoch vielen Menschen zu helfen

- Homöopathie: Bei rund drei Vierteln der Patienten bessern sich die Beschwerden innerhalb eines halben Jahres deutlich. Die Behandlung muss aber über einen langen Zeitraum fortgeführt werden. Wer genug Ausdauer aufbringt, kann damit rechnen, dass er wirklich geheilt wird.

- Akupunktur: Sie bringt gute Erfolge. Die Behandlung erstreckt sich über rund zwei Monate, in denen man mehrfach genadelt wird. Im ersten Jahr ist der Heuschnupfen meist deutlich geringer. Im zweiten Jahr mit erneuter Behandlung kann er bei vielen Patienten bereits völlig verschwinden.

Bitte beachten Sie: Bei medizinischen Fragen wenden Sie sich immer an einen Arzt Ihres Vertrauens! Unsere Beiträge können keine professionelle medizinische Beratung durch einen Arzt ersetzen.



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