Kult trifft Multikulti: Das Prinzenbad in Kreuzberg
Seit über 50 Jahren zieht das Sommerbad Kreuzberg - besser bekannt als Prinzenbad - Scharen von Besuchern an.
Und hat in dieser relativ kurzen Zeit schon einiges mitgemacht: Nach 20 Jahren Betrieb auf dem Gelände der ehemaligen Englischen Gasanstalt, wurde Ende der 70er Jahre eine so hohe Schadstoffkonzentration im Boden entdeckt, dass eine Sanierung erforderlich war. Mitte der 80er wurden dann komplett neue Gebäude und Schwimmbecken errichtet. Ebenfalls in den 80ern erhielt das Bad bereits eine umweltfreundliche Solaranlage zur Erwärmung des Wassers.
Wie die meisten Badeanstalten verfügt auch das Prinzenbad über ein Schwimmer-, ein Nichtschwimmer- und ein Planschbecken. Was allerdings fehlt, sind Sprungtürme: Diese wurden bei der Neugestaltung abgerissen und nicht wieder aufgebaut. Dafür gibt es einen Abenteuerspielplatz und einen FKK-Bereich.
Das sind die Fakten. Tatsache ist aber vor allem, dass das Prinzenbad Kult ist.
Schon lange vor Filmen wie "Prinzessinenbad" war es weit über die Hauptstadtgrenzen hinaus bekannt und verzeichnete teilweise die höchsten Besucherzahlen unter allen Freibädern Berlins. Getoppt wird es in punkto Beliebtheit wohl nur vom Wannsee.
In den letzten Jahren geriet dieses Kreuzberger Naherholungsziel leider auch immer wieder in die Schlagzeilen: Von Pöbeleien und gewalttätigen Übergriffen Jugendlicher mit dem allzu gern angeführten "Migrationshintergrund" war die Rede. Kein Wunder, bilden diese doch den prozentual höchsten Anteil der Prinzenbadbesucher. Und dass Streitereien unter Rentnern normalerweise nicht in Gewaltausbrüchen enden, junges Blut dagegen schnell mal ins Kochen gerät, weiß man auch.
Zum Glück sind die Bademeister Ärger gewöhnt, haben einen guten Blick für potenzielle Unruhestifter und nehmen ihren Job mit so viel Humor, wie das eben möglich ist. Das hindert sie aber nicht daran, Hausverbote auszuteilen, wenn jemand allzu auffällig wird.
Wer ungestört seine Bahnen in den 50 Meter langen Becken ziehen oder ruhig in der Sonne entspannen möchte, sollte besser früh kommen. Wer dagegen am liebsten in der Menge badet, nutzt den Nachmittag, denn dann wird es bei gutem Wetter rammelvoll.