Von romantischen Dampfloks zu moderner Dienstleistung: Die Berliner S-Bahn
15 Linien, 166 Bahnhöfe, 331 Kilometer Streckennetz und durchschnittlich 1,3 Millionen Fahrgäste pro Tag: die Berliner S-Bahn präsentiert sich als modernes Unternehmen.
Gleichzeitig blickt sie auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die bei vielen Berlinern romantische Bilder von Dampfbetrieb und Holzbänken erweckt.
Eine Trennung zwischen Fern- und Lokalverkehr der Eisenbahn gibt es in Berlin bereits seit Anfang der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts: Ab dieser Zeit erhielten die Züge des Vorortverkehrs eigene Gleise. Auch die Lokalzüge wurden damals noch von Dampfloks gezogen. Erst 1924, als U-Bahn und Tram schon lange elektrisch fuhren, wurde die erste mit Gleichstrom betriebene Strecke in Betrieb genommen. Die Triebzüge aus den 20er und 30er Jahren wurden noch bis Anfang des neuen Jahrtausends eingesetzt. Seit 1930 trugen die von der Deutschen Reichsbahn betriebenen Stadt-, Ring- und Vorortbahnen den Namen "S-Bahn".
Hitlers weitreichende Ausbaupläne, die mit seiner megalomanen Vorstellung von Berlin als Welthauptstadt "Germania" einhergingen, wurden zum größten Teil nicht verwirklicht. Nach Kriegsende wurde das Betriebsrecht für das gesamte Streckennetz dann der Deutschen Reichsbahn in der Sowjetzone zugesprochen. Dies führte besonders nach dem Bau der Mauer zu Problemen. Im Westen gab es Boykott-Aufrufe, Geisterbahnhöfe entstanden, die Fahrgastzahlen sanken stark. Einziger Pluspunkt der S-Bahn waren die im Vergleich zur BVG günstigeren Fahrpreise. Als diese in den 70er Jahren angepasst wurden, gingen die Fahrgastzahlen noch weiter zurück.
Wegen der so entstandenen Verluste wurden
die Fahrpläne immer mehr eingeschränkt.
Dies führte auch zu niedrigeren Einkommen für die Westberliner Angestellten, welche daraufhin 1980 den Streik ausriefen. Ohne Erfolg: die meisten der Mitarbeiter aus dem Westen wurden entlassen, die Zahl der in Westberlin verkehrenden Linien von zehn auf drei verringert. 1984 wurde das marode Streckennetz dann von der BVG übernommen und so vor dem endgültigen Verfall gerettet. Im Osten der geteilten Stadt florierte der Betrieb dagegen.
Nach dem Mauerfall wurde auch die S-Bahn wiedervereinigt. Ein Ausbau der Süd-Ringbahn war bereits begonnen worden, nun wurden Geisterbahnhöfe wieder befahren, erste Linien verkehrten durchgängig zwischen Ost und West.
Seit 1995 gehört die S-Bahn Berlin GmbH wieder zur Eisenbahn - als Deutsche-Bahn-Tochter. Das Tarifsystem wird jedoch gemeinsam mit der BVG betrieben. Mit der seit 2006 durchgängig in beide Richtungen verkehrenden Ringbahn, Nachtbetrieb am Wochenende auf fast allen Strecken und Linien, die weit ins Umland hinaus fahren, stellt die S-Bahn einen wichtigen Beitrag zur Mobilität der Berliner dar. Derzeitiges Großprojekt ist der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz, der sich mindestens noch bis 2016 hinziehen wird. Text: J.J.