Berlin verabschiedet sich von alten Litfaßsäulen

Neue Straßenwerbung in Berlin

Berlin
Nachrichten aus Berlin / Foto: © styleuneed

Wer im Moment in Berlin unterwegs ist, dem fällt bestimmt eines auf: Die alten Litfaßsäulen tragen derzeit alle ein unifarbenes Kleid. Statt bunter Poster tragen sie ein einheitliches Rot, Grün oder Blau. Und das ist nur der erste Schritt: Nach und nach sollen die Werbeträger ganz verschwinden und abmontiert werden.

Abschied nach 164 Jahren

Ganze 164 Jahre lang hat die Litfaßsäule das Berliner Stadtbild geprägt. Sie ist eine Berliner Erfindung, der Drucker Ernst Litfaß hatte sie entwickelt, um der Wildplakatierung entgegenzuwirken. In Berlin stehen 2.500 dieser Werbeträger. Die meisten von ihnen werden jetzt verschwinden. Bis Ende Januar bekommen die zum Abriss bestimmten Säulen das unifarbene Outfit verpasst, bis Ende Juni 2019 sollen sie abmontiert sein.

Der Grund für den Abriss: Die Betreiberfirma der Litfaßsäulen hat gewechselt. Das Unternehmen Wall hat die Werbesäulen an die Stuttgarter Firma ILG übergeben. ILG möchte nun 1.500 moderne Litfaßsäulen in Berlin aufbauen. Die neuen Säulen funktionieren zwar weiterhin analog, können aber beleuchtet werden und sind dicker als die alten Modelle.

Neue Betreiberfirma sucht nach neuen Standorten

Bislang war die Stadtwerbung an Litfaßsäulen an den Betrieb der City-Toiletten gebunden. Diese Bindung hat der Senat aufgehoben. Dadurch sollen höhere Einnahmen erzielt werden. Die ILG möchte den erhaltenen Auftrag aber noch einmal nachverhandeln. Das Unternehmen ist nicht ganz zufrieden mit den zugewiesenen Standorten, von denen viele aus werbetechnischer Sicht eher unvorteilhaft seien. Man wolle neue Standorte suchen, die den Säulen mehr Aufmerksamkeit sichern.

Der Abbau der alten Säulen ist derweil nicht ganz ungefährlich, einige von ihnen enthalten Asbest. Sie werden daher unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen entfernt und entsorgt. Nur etwa 50 der alten Säulen bleiben aus Denkmalschutzgründen erhalten. ( Weitere Sehenswürdigkeiten in Berlin )