Bekommen Berliner Abiturienten zu einfach gute Noten?

Abi in Berlin zu einfach?

Berlin

Für Gymnasiasten ist das Abitur die wichtigste Prüfung, die sie in ihrem jungen Leben absolvieren müssen. Mit einer 1,0 würden viele gerne die Schule verlassen. In Berlin ist die Zahl der Einser-Abiturienten innerhalb von zehn Jahren tatsächlich stark gestiegen – von 17 auf 234. Das könnte daran liegen, dass Berliner Schüler sich mehr anstrengen. Oder daran, dass die Lehrpläne sich verbessert haben. Der Deutsche Lehrerverband sieht das allerdings anders. Er bemängelt, dass Berliner Gymnasien die Messlatte für gute Noten zu niedrig anlegen würden.

Deutscher Lehrerverband kritisiert mangelnde Anforderungen

Bekommen Berliner Abiturienten wirklich zu leicht eine 1,0? Das kritisierte am Montag zumindest Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Die Politik habe die Anforderungen an Abiturienten immer weiter gesenkt. Kraus ging sogar noch einen Schritt weiter: Er riet Bundesländern wie Bayern, die eine bekannt schwere Abiturprüfung haben, damit zu drohen, die Berliner Abiturzeugnisse nicht mehr anzuerkennen.

Tatsächlich hat das Berliner Abitur in anderen Bundesländern einen schlechten Ruf. Das ist auch den Abiturienten bewusst. Ähnlich verhält es sich mit einem Abitur aus Nordrhein-Westfalen. Der Deutsche Lehrerverband hält darüber hinaus die Anforderungen in Brandenburg und Thüringen zu gering.

GEW widerspricht

Widerspruch kommt von der GEW, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Seit diesem Schuljahr seien die Standards der Abiturprüfungen angeglichen worden. Für Deutsch, Englisch und Französisch bedienen sich die Schulen aus einem bundesweiten Pool von Prüfungsaufgaben, den das Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zur Verfügung gestellt hat. Kein echtes Zentralabitur, aber mehr Vergleichbarkeit.

Notenskala angeglichen

Ein Blick auf die Statistik zeigt: In Berlin machten in diesem 1,9 Prozent der Abiturienten ein Abi mit 1,0. In Bayern waren es ganze 2,1 Prozent. Während Berlin einen Abitur-Notendurchschnitt von 2,4 aufweist, liegt er in Bayern bei 2,3. Mit ein Grund für die besseren Abiturprüfungen könnte sein, dass Berlin 2010 seine Notenskala angepasst hat: Mussten Schüler bis dahin 50 Prozent der Aufgaben richtig lösen, um eine Vier zu bekommen, reichen jetzt 45 Prozent. Und für eine Eins Plus sind nur noch 95 Prozent richtige Antworten nötig statt wie zuvor 100 Prozent. Nach denselben Vorgaben vergibt Bayern seine Noten. (Foto: © JiSign )

1 Kommentar zu Bekommen Berliner Abiturienten zu einfach gute Noten?

  1. Zu meiner Schulzeit Ende der 90er Jahre gab es auch die 1+ bei 95%. Woher kommt die Aussage, dass dies erst ab 100% möglich gewesen sein soll?

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