Berliner Senat: Striktes Vorgehen gegen Schulschwänzer

Wenn Kinder in Berlin schwänzen ...

Berlin

Besonders im Winter ist es nicht immer so einfach, morgens aus dem Bett zu kommen. Frühmorgens in der Schule zu sitzen, klingt da für einige ganz und gar nicht verlockend. So mancher Schüler schwänzt dann einfach mal den Unterricht. In ganz Berlin kamen im 2. Halbjahr 182.379 unentschuldigte Fehltage zusammen. Der Berliner Senat möchte jetzt härter gegen Schulschwänzer vorgehen. Das kündigte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am vergangenen Montag an.

Fehlstunden zu Fehltagen zusammenfassen

Demnach sollen jetzt auch einzelne Fehlstunden erfasst und zu Fehltagen zusammengefasst werden. Sechs unentschuldigte Fehlstunden entsprechen einem Fehltag. Schwänzt ein Schüler 30 Unterrichtsstunden, wird dies als sechs Fehltage gerechnet und führt zu einer Schulversäumnisanzeige.

Diese Änderung ist Scheeres zufolge dringend notwendig. Das Schwänzen einzelner Stunden sei ein klassischer Einstieg. Wer häufiger mal eine Stunde versäume, bliebe bald auch ganzen Unterrichtstagen fern. ( Unsere Tipps für Kinder in Berlin )

Bei häufigem Schwänzen droht ein Bußgeld

Bringen Gespräche mit Schülern und Eltern keine Besserung, droht ein Bußgeld. Im 2. Halbjahr 2016/2017 wurden 7.633 Anzeigen mit Bußgeldandrohung eingereicht. 863 Eltern mussten das Bußgeld zahlen, weil ihre Kinder mehr als fünf Tage lang dem Unterricht fernblieben. Das Bußgeld kann bis zu 2.500 Euro betragen. Die meisten Bußgeldbescheide wurden im Bezirk Neukölln ausgestellt, insgesamt 447, gefolgt von Steglitz-Zehlendorf (101) und Mitte (86). Nützen all diese Maßnahmen nichts, muss sogar die Polizei ausrücken, um die Schwänzer zur Schule zu begleiten. Im 2. Halbjahr 2016/2017 war das 21-Mal der Fall.

Die Bezirke in Berlin können selbst entscheiden, ob sie Bußgeldbescheide verschicken. Treptow-Köpenick, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg haben bislang auf diese Maßnahme verzichtet. Das brachte den Bezirken scharfe Kritik der Bildungssenatorin ein. Der Verzicht auf Bußgeldbescheide sei „unverantwortlich“.

Kleinklassen zur Re-Integration in den Unterricht

Ein alternatives Projekt aus Zehlendorf möchte die Bildungssenatorin derweil ausweiten: Schulschwänzer haben dort Unterricht in kleinen Gruppen von acht bis zehn Schülern. Ihre Unterrichtstage dauern nur von 8.30 bis 13.00 Uhr und sie lernen ohne Notendruck. Bewähren sich die notorischen Schwänzer, geht es nach zehn bis zwölf Wochen zurück in den normalen Unterricht.
(Foto: © JiSign )