Die Berliner Luft ist schmutziger, als gedacht

Dicke Luft in Berlin

Berlin

Paul Lincke hat die Berliner Luft einst besungen, es gibt sie als Dessert, als Pfefferminzlikör und sogar aus der Dose, zum Mitnehmen. Doch wer einen tiefen Atemzug der sprichwörtlichen Berliner Luft nimmt, atmet damit auch einige Schadstoffe ein. Die Belastung mit Stickstoffoxiden fällt wesentlich höher aus, als angenommen wurde. Das zeigen bisher unveröffentlichte Messwerte der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt. ( Frische Luft gibt es in den Berliner Wäldern )

Stickstoffoxid-Grenzwerte überschritten

Die Daten stammen aus sogenannten RUBIS-Messstellen. Die Ruß-, Benzol-, Immissions- Sammler messen die Schadstoffbelastung der Luft. 23 solcher Messstellen gibt es in Berlin. Und an allen wurde im Jahr 2016 der zulässige Grenzwert für Stickstoffoxid überschritten.

Der gesetzliche erlaubte Grenzwert liegt bei einer durchschnittlichen Jahresbelastung von 40 Mikrogramm Stickstoffoxid pro Kubikmeter Luft. Die in Berlin gemessenen Werte liegen zum Teil weit darüber. Die höchste Belastung wurde 2016 in Mitte, an der Messstelle auf der Leipziger Straße, gemessen. Hier wies die Berliner Luft 66 Mikrogramm Stickstoffoxid auf. An der Kreuzung von Stadtautobahn und Buschkrugallee in Neukölln waren es immerhin noch 63 Mikrogramm.

Reizgas ist gefährlich für die Atemwege

Die RUBIS-Messungen sind nun weniger exakt als die gesetzlich vorgeschriebenen BLUME-Messungen, mit denen das Land Berlin die Luftverschmutzung erfasst. 16 BLUME-Messboxen sind in Berlin verteilt. Sie sind wesentlich größer als die RUBIS-Kästen und können daher nicht überall angebracht werden. Laut den BLUME-Messdaten überschritt die Stickstoffoxidbelastung an immerhin sechs Messstellen die vorgeschriebenen Grenzwerte. Am höchsten fiel die Belastung an der Stadtautobahn A 100 in Neukölln aus, der Messwert lag bei 51,8 Mikrogramm Stickstoffoxid pro Kubikmeter Luft.

Was bedeutet die hohe Belastung mit Stickstoffoxid für den Menschen? Laut Umweltbundesamt reizt das Gas Augen und Schleimhäute und kann das Schleimhautgewebe im gesamten Atemtrakt schädigen. Anders als Feinstaub wird es nicht durch die Nase gefiltert und gelangt bis in die Bronchien. Wer ohnehin schon mit Atemwegserkrankungen oder Asthma zu kämpfen hat, leidet unter hohen Stickstoffoxidwerten besonders. (Foto: © JiSign )