Fehlende Schutzkleidung: Mehr als 100 Berliner Arztpraxen müssen schließen

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Infos zum Coronavirus in Berlin und Brandenburg / Beispielfoto: © vchalup - stock.adobe. com

Die Corona-Krise belastet nicht nur die Krankenhäuser stark, sondern auch die niedergelassenen Ärzte. In einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister schildern Berliner Ärzte, wie ernst die Situation ist: Ihnen fehlt es an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Mehr als 100 Kassenarzt-Praxen sind bereits geschlossen.

Es fehlt an Schutzausrüstung und Desinfektionsmitteln

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte die Kassenärztliche Vereinigung Berlin den offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). Darin warnt sie, dass spätestens zu Ostern ein Kollaps des Gesundheitssystems bevorstehe. Der Grund dafür: Zahlreiche Vertragsärzte behandeln derzeit Patienten ohne ausreichenden Schutz. Es fehlt unter anderem an Gesichtsmasken, Schutzanzügen, Handschuhen und auch an Desinfektionsmitteln. Die Kassenärztliche Vereinigung fordert den Regierenden Bürgermeister daher auf, unverzüglich ein Maßnahmenpaket auf den Weg zu bringen, dass für einen besseren Schutz der niedergelassenen Ärzte in Berlin sorgt.

Zu wenige Schutzmasken bereitgestellt

Den Berechnungen zufolge benötigen die 6.800 Berliner Kassenärzte im kommenden halben Jahr rund 600.000 Mund- und Nasenschutzmasken, 1,5 Millionen Atemschutzmasken der Stufe FFP2 und 20.000 Masken der Stufe FFP3. Außerdem drei Millionen Schutzkittel und 50.000 Schutzbrillen. Bislang hat das Bundesbeschaffungsamt jedoch nur 23.000 Schutzmasken bereitstellen können. Viel zu wenig, die die Kassenärztliche Vereinigung beklagt.

Mehr als 100 Arztpraxen geschlossen

Derzeit haben 63 Berliner Arztpraxen geschlossen, da sich das Personal in Quarantäne befindet. 31 mussten wegen fehlender Schutzausrüstung den Betrieb einstellen. Auch ein Mangel an Kinderbetreuungsplätzen macht sich bemerkbar: Sieben Arztpraxen schlossen, weil Betreuungsmöglichkeiten fehlten. Andere Praxen haben den Betrieb heruntergefahren und lassen nur noch wenige Patienten gleichzeitig ins Wartezimmer. Wo die Atemschutzmasken ausgegangen sind, versuchen Ärzte, die Patienten am Telefon zu beraten und gegebenenfalls krankzuschreiben.
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