Wie denken Berliner über Pop-up-Radwege?

Sicherheit der Pop-up-Radwege

Ist Fahrradfahren in Berlin in Berlin sicher? / Foto: © JFL Photography - stock.adobe. com

Den Verkehr entzerren und Alternativen zum öffentlichen Nahverkehr schaffen: Dieses Ziel haben die Pop-up-Radwege, die in den Bezirken Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Charlottenburg eingerichtet wurden. Elf solcher Radwege gibt es derzeit, 25 weitere sollen dazukommen. Was als temporäres Angebot während der Corona-Krise gedacht war, möchte der Senat möglichst langfristig erhalten. Doch wie denken eigentlich Berlins Verkehrsteilnehmer über die mit gelber Umrandung gekennzeichneten Radwege? Zwei Forscherinnen haben nachgefragt.


Radfahrer befürworten Pop-up-Radwege, Autofahrer sind dagegen

Sophie Becker, Professorin für nachhaltige Mobilität an der TU Berlin, und Katharina Götting haben die Kurzstudie für die Forschungsgruppe „Die Verkehrswende als sozial-ökologisches Real-EXPERIment“, kurz EXPERI, durchgeführt. 1.600 Berliner haben sie gefragt, was sie von den neuen Radwegen halten. Radfahrer zeigen sich fast durchweg begeistert: Fast 100 Prozent befürworten die Pop-up-Radwege. Bei den Autofahrern kommen sie dagegen gar nicht gut an. Rund 80 Prozent äußern sich dagegen. Unter den befragten Fußgängern und unter den Nutzern öffentlicher Verkehrsmittel sprechen sich drei Viertel für die Radwege aus. Die Befürworter schätzen vor allem, dass nun mehr Platz für die Radfahrer zur Verfügung steht. Viele fühlen sich nun auch sicherer, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind.

Kritik an der Sicherheit

Gerade an der Sicherheit der Pop-up-Radwege gibt es aber auch Kritik. Im Mai kam eine Radfahrerin bei einem Unfall mit einem rechtsabbiegenden Lkw ums Leben. Am Straßenrand parkende Autos versperren abbiegenden Fahrern die Sicht auf die Radfahrer. Ein weiteres Sicherheitsrisiko: Viele Autofahrer ignorieren die gelben Begrenzungslinien der Radwege und kommen den Radlern gefährlich nahe. Das lässt sich vor allem auf stark befahrenen Straßen beachten. Sophie Becker glaubt dennoch, dass die Radwege mehr Sicherheit schaffen. Mittelfristig seien allerdings baulich von der Straße getrennte Radwege eine bessere Lösung.

Der ADAC kritisiert derweil, dass die Straßen durch Pop-up-Radwege deutlich schmaler werden. Weniger Platz für Autofahrer führe allerdings nicht automatisch zu weniger Autoverkehr. Stattdessen komme es häufiger zu Staus und zu Stop-and-Go-Fahrten, was ökologisch bedenklich sei. Schöne Fahrradwege in Berlin