Das Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) - Ein Bühnen-Huhn büxt aus

Die überraschende Performance eines Einzelgeflügels wird in der rund 200jährigen Aufführungsgeschichte des "Zerbrochnen Krugs" die Ausnahme bleiben. Anfang Februar 2009 führte das Berliner Ensemble am Schiffbauerdamm
Foto vom Kleist-Museum in Frankfurt/Oder
Das Kleist-Museum in der ehemaligen Garnisonsschule
Foto © -wn-
das Lustspiel des Dichters Heinrich von Kleist (1777-1813) auf. Einer zwölfköpfigen Hennen-Herde fällt dabei die Aufgabe zu, ohne großes Gegacker schöne Husumer Ländlichkeit zu verbreiten. Das Stück geht an. Der von starker Libido getriebene Dorfrichter Adam muss gegen sich selbst verhandeln. Vor Prozessbeginn hält er die nächtlich kontaktierte Jungfer Eve unter vier Augen dringend zum Schweigen an. Gegenüber dem Revisor redet sich Adam damit heraus, er habe die Prozesspartei eben nur wegen eines kranken Huhnes privat um Rat gefragt. Dann passiert es: Jählings verlässt eine der zwölf Hennen die Herde, durchbricht unerlaubt im Bereich des Eisernen Vorhangs die Grenze zwischen Bühne und Parkett. Kurz darauf wird das Tier von der Magd-Darstellerin im Raum der Parkettloge gestellt und auf die Bühne zurück verbracht. Was immer sich das seiner bisherigen Lebensumstände offenbar überdrüssige Huhn gedacht haben mag - als theatralischen Vorgang kann man seinem Fluchtversuch Kleistsche Ambition zubilligen: Das Tier strebte einem Ort zu, an dem es, wie es denkt, mit größerer Aussicht auf privates Glück fortleben kann als zwischen den Potemkinschen Kulissen eines Theaters.
Adresse:
Kleist-Museum
Faberstraße 6-7
15230 Frankfurt / Oder
Tel: 0335/ 387221-0

Öffnungszeiten des Kleist Museum in Frankfurt / Oder:


Dienstag bis Sonntag 10:00 Uhr - 18:00 Uhr
Montag geschlossen

Eintrittspreise im Kleist-Museum:


Erwachsene 5,00 EUR
Ermäßigt (Studierende, Erwerbslose) 3,00 EUR, Schüler 0,50 EUR
Öffentliche Führung: pro Person 1,00 € zzgl. Eintritt
Schülergruppe: pro Schüler 0,50 € zzgl. Eintritt

Stadtführung auf Kleists Spuren


An Wochentagen bis 10 Pers.: Führung 50,- EUR
An Wochentagen ab 11 Pers.: pro Person 5,- EUR
Am Wochenende + Feiertage bis 10 Pers.: Führung 70,- EUR
Am Wochenende + Feiertage ab 11 Pers.: pro Person 7,- EUR

Ausstellungen im Kleist Museum


Um diesem Geist eines so frohlockenden wie tragischen Suchens nach Glück und Lebenssinn in einer
Welt voller Gewalt, Unrecht und Dummheit nachzuspüren, kann man in Deutschland an keinen sachdienlicheren Ort verwiesen werden als an das Kleist-Museum in Frankfurt/Oder, nahe dem Ufer des launischen Flusses. Das Gebäude selbst ist die ehemalige spätbarocke Garnison-Schule (Foto) mit eleganten Fledermausgauben als Blick fangende Aufwölbungen des Mansarddaches und ist aufs Jahr genau so alt wie derjenige, um den sich hier alles dreht. Mit derzeit 34000 sogenannten Bestandseinheiten präsentiert das Museum die weltweit umfangreichste Sammlung zu Leben und Werk Heinrich von Kleists und seinem literarischen Umfeld. Einbezogen sind Werke der bildenden Kunst und der Musik, deren Wirkung Kleist in der Legende "Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik" eindrucksvoll wie warnend beschrieb. Es fehlt nicht an Programmheften, Plakaten, Bühnenmodellen und Fotos aller Art.

In den Räumen, die Kleists Leben dokumentieren, finden sich Exponate, die die 34 Lebensjahre mit dem erwartungsfrohen Aufbruch und ihrem jähen, selbst gewählten Ende zeigen. 22jährig schreibt er den "Aufsatz, den sichern Weg des Glücks zu finden", in dem er persönliche Misere auszuschließen glaubt, sofern man seine geistigen Kräfte vollkommen ausbildet. Indessen wird er selten seines Lebens froh, vor allem weil ihm das Allerwichtigste unbekannt bleibt, dass er ein Autor von Weltrang ist - ausgewiesen durch seine bitterernste Geschichte des Michael Kohlhaas, der sich gegen erlittenes Unrecht auflehnt und selbst massenhaft Unrecht hervorbringt, oder die beiden schönsten deutschen Lustspiele "Der zerbrochene Krug" und "Amphitryon", in dessen Handlung Gottvater Zeus beim Beschlafen von Alkmene, der Ehefrau des gleichnamigen thebanischen Feldherren, ungleich erfolgreicher ist als der ungehobelte Adam. Im Aufsatz "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden" legt Kleist auf originelle Weise dar, dass - frei nach Goethe - Verstand und rechter Sinn mit wenig Kunst sich selber vortragen - Brainstorming by doing.

Dies sind nur einige Glanzstücke dieses schöpferischen Lebens, das reich ist an Abbrüchen, Kalamitäten und Enttäuschungen. Kleist nimmt Abschied vom Militär, das in der Familie Tradition hat. Er verlässt die Frankfurter Viadrina wieder, wo er sich in die Naturwissenschaften hineinknien will, die er als ein Mittel ansieht, sich und die Kräfte der gesellschaftlichen Bewegung zu erkennen. Er kommt zum Schluss, dass die Wissenschaft dazu unfähig ist. Er erkennt die Welt in beständig unheilvollem Zustand, sieht sich vom Menschen enttäuscht, seinen Unvollkommenheiten, seiner Gier und Gefühlsarmut. Kleist verliert das Gefühl fürs Erträgliche. In Paris notiert er: "Man geht kalt aneinander vorüber; man windet sich in den Straßen durch einen Haufen von Menschen, denen nichts gleichgültiger ist, als ihresgleichen." Nach der Lektüre von Rousseaus kulturverneinender Abhandlung "Über Kunst und Wissenschaft" will er nun in der Schweiz Bauer werden: "Ein Feld zu bebauen, einen Baum zu pflanzen, und ein Kind zu zeugen". 1810 ist er nach einer Dresdener Zwischenstation wieder in Berlin, gibt die "Berliner Abendblätter" heraus. Sie werden bald ein Opfer der Zensur.

Jetzt ist er, der die Nachwelt so überaus bereichert, selbst mittellos. Im Museum ist der Abschiedsbrief an die Schwester Ulrike zu lesen, verfasst in "Stimmings Gasthof" am Großen Wannsee. Der Morgen des 21. November 1811 bricht an. Todbereit schreibt er: " die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war möge Dir der Himmel einen Tod schenken, nur halb an Freude und unaussprechlicher Heiterkeit dem meinigen gleich". Die schwerkranke Gefährtin und er gehen über die Brücke hinüber zur Nordost-Spitze des Kleinen Wannsees. Es ist "am Morgen meines Todes". Von dort hört man die Schüsse.
Wissenswertes über den Anbau des Kleist-Museums.

Wie man zum Kleist-Museum in Frankfurt (Oder) kommt:
Von Berlin aus fährt man auf der B 1/5 Richtung nach Frankfurt (Oder).
Auf der Höhe des Oder-Turmes biegt man von der Karl-Marx-Straße links in die Logenstraße ab.
Danach muss man sich wiederum links halten. Es gibt Hinweisschilder.
Text: -wn- / Stand: 21.07.2014




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