Der Stechlinsee in Brandenburg

Um den ehemals sagenumwobenen Großen Stechlinsee an der brandenburgischen Nordgrenze im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land gibt es höchstwahrscheinlich kein Geheimnis mehr.
Stechlinsee in Brandenburg
Der Stechlinsee im Abendlicht
Foto © matisse
Früher hingegen hieß es, wenn irgendwo in der weiten Welt Geysire oder Vulkane aktiv wurden, sei hier fontänenartig ein Wasserstrahl aus der Tiefe geschossen. Als 1755 ein verheerendes Erdbeben Lissabon zerstörte, sei gar ein Roter Hahn zornig aus der Tiefe gekommen und habe mit seinen Flügeln das Wasser geschlagen bis es schäumte und wogte. Der Hahn kann als Bruder des etwas würdigeren Roten Adlers aus der Brandenburg-Hymne des Komponisten Gustav Büchsenschütz aus Vehlefanz gelten. Büchsenschützens Sturmvogel steigt bekanntlich unaufgeregt hoch über Sumpf und Sand und über dunkle Kiefernwälder und versetzt die meisten Brandenburger beim Absingen des Hymnus in Verzückung.

Noch 1816 schrieb der Weimarer Schriftsteller Friedrich Justin Bertuch, ein ernstzunehmender Mann, in seinen geografischen Anmerkungen, „dass der große
Stechlin eine Stelle haben soll, die man noch nicht hat ergründen können.“ Inzwischen weiß man auch das: Tiefer als 68 Meter ist er nicht, der mit 425 Hektar größte Klarwassersee des norddeutschen Tieflands. Diese tiefste Stelle befindet sich etwas nordwestlich der Fischerei Böttcher & Sohn, deren delikates Imbißangebot man beim Vorüberwandern trotz ausreichendem Proviant keinesfalls links liegen lassen sollte. Im Räucherofen von Böttcher & Sohn hängt überdies das allerletzte Geheimnis des Sees. Es wurde erst 2003 gelüftet. Die Biologen Michael Schulz aus Neuglobsow und Dr. Jörg Freyhof aus Berlin fanden heraus, dass es im See eine nur in ihm vorkommende Maränenart gibt. Entdeckt wurde die coregonus fontanae, die Fontane-Maräne, nachdem Schulz und Freyhof die bisher bekannte Kleine Maräne, als Räucherfisch schon immer eine regionale Delikatesse, noch einmal eingehend auf Herz und Nieren prüften und deren Einmaligkeit auf die Spur kamen.

Die Entzauberung des Sees tut weder seiner Anmut Abbruch noch seinem Gebrauchswert für die körperliche und seelische Ertüchtigung. Der Uferweg ist stolze 18 Kilometer lang, man spricht voller Achtung von der Königsdisziplin. Der Weg ist eine federnde, stauchhemmende Lauffläche, wandelt man doch meist auf den vorjährigen, im Zersetzen begriffenen Schichten des Laubs der Rotbuchen, die zusammen mit Eichen und Kiefern die romantische Endmoränenszenerie
Stechlinsee - Wandern um den Großen Stechlin
Rund um den Großen Stechlin kann man prima wandern
Foto © Jörg Jahn
der Gegend bilden. Der See lässt zumeist den Blick aufs Wasser zu, aber doch eben nie über die gesamte Wasserfläche. Ein Hauptbecken gibt es nämlich nicht. Der Stechlin ist durch halbinselartige Vorsprünge stark gegliedert und deshalb kaum voll zu überschauen oder gar in seiner Größe zu schätzen. Wegen der einzigartigen Form ist er – wie z.B. auch der nicht weniger markante Flughafen Berlin-Tempelhof – aus dem Orbit mit einfacher Optik auszumachen.

Wandern um den Großen Stechlin


In aller Regel sind die Fußwanderer am Großen Stechlin freundliche Leute. Wer die 18-Kilometer-Tour auf sich nimmt, bei der selbstredend vor allem der Weg, Essen, Trinken und Ankommen im Mittelpunkt stehen, weiß auch den Austausch einiger Worte mit einem unbekannten Gleichgesinnten zu schätzen. Man trifft ferner die lauffreudigen Ästheten. Der eine hört sich in der Bewegung und beim Ausblick aufs Wasser eine Mozartsinfonie an, der andere wartet auf eine laufrhythmusgestützte Inspiration beim Bedenken eines wissenschaftlichen Problems, der dritte hat bei der Rast am Ufer einen Gedichtband auf dem Schoß. Die Formel, auf die sich wahrscheinlich alle Wanderer einigen können, steht in einem Gedicht von Hermann Hesse, das mit den zutreffenden Worten beginnt: Tiefere Wonne weiß ich nicht auf Erden, / Als im Weiten unterwegs zu sein.

Wer nun nach dem langen Marsch wieder in Neuglobsow anlangt, kann sichs im Fontane-Haus, einer Gaststätte mit fischbetontem Speiseangebot, gut sein lassen. Auch die Biere sind gepflegt. Vorsicht aber, der Rote Hahn, er wartet nur.
Text: -wn- / Stand: 02.06.2014

Wie man hinkommt:
Bahn: Regionalexpress R5 bis Fürstenberg/Havel, dann mit dem Bus 839 oder RE 5 bis Gransee, dann den Bus 836 benutzen.
Auto: A 10 bis Ausfahrt Kreuz Oranienburg, weiter auf der B 96 bis Gransee und weiter bis Stechlin. Oder: A 24 bis Ausfahrt Neuruppin, anschließend auf der B 167 über Rheinsberg weiter nach Stechlin.
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