Clärchens Ballhaus " Schwof mit Klassik".

"Ick jeh bei Clärchens" - der Satz hat, so sehr er wegen seiner sprachlichen Herausforderung den Gehörnerv quält,
Ballhaus Mitte - früher Clärchens Ballhaus
Clärchens Ballhaus in der Auguststr. 24
Foto -wn-
andererseits einen solchen Grad an Langlebigkeit, dass die 2005 mit dem Verkauf von "Clärchens Ballhaus" eingetretene Hinfälligkeit der fast hundertjährigen Wortverbindung viel zu nachrangig ist, um diese erfolgreich aus dem Sprachverkehr ziehen zu können. De jure ist das Lokal des Namens aufgelöst. Die neuen Besitzer des ältesten Berliner Ballhauses in der Auguststraße 24, Christian Schulz und David Regehr, verwerten in Impressen und Briefköpfen nun den Begriff "Ballhaus Mitte". Ihren Einstand im Berliner Amüsierbetrieb gaben die beiden bereits 1994 mit der Eröffnung des Hexenkessel Hoftheaters im Monbijoupark - Schwerpunkt Freiluft-Gauklerspiele - und der beliebten Spree-Strandbar nebenan. Das Ballhaus wollen sie noch vier, fünf Jahre bewirtschaften, in dem das Marode so freundlichen Charme besitzt. Dann setzt wohl die Sanierung ein.

Niemand weiß, ob im Zuge dessen der Geist des Hauses auf der Strecke bleibt oder ob - mal so gesehen - das Ballhaus sogar um Grade vergnüglicher wird. Wer heute
"bei Clärchens jeht", den begrüßt weiterhin jener wetterfeste Großaushang über den Eingangstüren, mit dem der Maler Otto Dix (1891-1969) zur Exklusivität des Etablissements beitrug. Das Plakat zeigt vor nämlichem Schriftzug und blauem Hintergrund ein dem Tango hingegebenes Pärchen. Fest steht trotz vorübergehendem Gästeschwund: Clärchen lebt! Anhaltend zündend ist die Idee der Clara Haberland (gest. 2003) und ihres Lebenspartners Fritz Bühler (gest. 1914), die Hinterhof-Lokalität am 14. September 1913 als einen Schwof-Ort hohen Grades einzurichten. Dass aus Bühlers Ballhaus im Jahr darauf Clärchens Ballhaus wurde, ist Fritz Bühler Schicksal geschuldet. Am siebenten Tag der später "Erster Weltkrieg" genannten Katastrophe starb er im elsässischen Altkirch im Kampf gegen eine nach Mühlhausen vordringende französische Kavallerieeinheit den sinnlosen einsamen Soldatentod. In einem Kameradengrab in Cernay wenige Kilometer nordwestlich Mühlhausens soll er bestattet sein.

Zu dem geselligen Remmidemmi im Hinterhof, das er veranstalten wollte, kam es aber doch. Die Ballhaus-Atmosphäre ist mit gelassenem Frohsinn hinlänglich beschrieben. Dabei kann man den unteren Saal nicht unwiderstehlich gemütlich nennen. Die Wände sind rundum wie für die Silvesterfeier eines volkseigenen Betriebes mit überlangem Breitlametta behangen, in einem Seitenraum machen großformatige Zillezeichnungen Atmosphäre. Die Tische sind einladend weiß gedeckt und haben echte Blumen in der Vase; das Gestühl ist meist aus schönem Bugholz. Jeder amüsiert sich bei Bier, den Berliner Elementarspeisen Bulette, Bockwurst, Kartoffelsalat. Neuerdings gibt es Pizzen und Weine aus dem Römischen Tiefland, und alles erfreut sich der unaffektierten Eins-a-Bedienung des Personals. Der Tanz findet auf knapp 100 Quadratmetern statt. Die Fläche macht an normalen Tagen auch Raum greifende Walzerdreher möglich. Der Tanzkomfort hat über Jahrzehnte Gäste mancher Schichtung angezogen. In Alfred Döblins Roman "Berlin Alexanderplatz" versucht Franz Biberkopf, inzwischen einarmiges Unfallopfer, seinen Freund Gottlieb Meck zu einem Besuch des "Alten Ballhauses" zu überreden - womit "Clärchens" zum weltliterarischen Handlungsort aufstieg: "Komm mal rin; kuck mal zu, wie ick mit einem Arm tanze", lockt der Franz.

Es schwofen Hetero- und Lesben-Paare, entflammte Tango-Kavaliere, Gigolotypen mit schwitzenden Damen in Eau de Cologne-Duftwolken, junge Tänzer, die sich derart verausgaben, dass sie sich am Tisch mit Handtüchern abtrocknen müssen - wie es schon heißt: "Tango in Clärchens Ballhaus, Junge, da geht dir die Luft aus". Man sieht auch schweigsam-innige Paare, bei denen gerade eine Beziehung am Entstehen ist - oder wo das eher wieder fraglich scheint wie Helga Hahnemanns einschlägigem Couplet zu entnehmen ist: "Hat mir noch nicht eenmal ins Gesicht gekiekt, nur uff'n Busen".

Der seltene Berlin-Besucher Goethe hat - natürlich mit innerem Abstand - den hiesigen Amüsierbetrieb einmal eine "Gasterey" genannt, die sich "recht auf gut berlinisch im Schwelgen" befände. Doch nichts bleibt wie es ist. Am opulenten Traditionstanzplatz in der Auguststraße mit jetzt 95 Jahren auf dem Buckel steht seit einiger Zeit Neuartiges auf dem Programm: Klassik, Sonntagskonzerte im Spiegelsaal oben, in dem ein dunkles Holzpaneel große, rissige und blinde Spiegel trägt. In diesem über Jahrzehnte unbenutzten Saal versammeln sich sonntags Gäste, um im Ambiente hinscheidender Noblesse so genannte ernste Musik zu hören. Unlängst erklangen Beethovens Sonaten für Klavier und Violine A-moll und Es-Dur. Der Geiger David Klammer und die Pianistin Sibylle Ott-Kohm von der Musikschule Charlottenburg - sichtlich überrascht angesichts dicht gedrängt sitzender Hörer - spielten die Stücke, in denen Beethoven Temperament und Hoffnungsmut in Noten fasste. Und es klang tatsächlich fast ein wenig wie "Auferstanden aus Ruinen".

Wie man zu Clärchens Ballhaus kommt und was dort los ist:
Nach jeweils kurzem Fußweg ist das Ballhaus von den U-Bahnhöfen Rosenthaler Platz oder Weinmeisterstraße (U8) bzw. vom S-Bahnhof Oranienburger Straße (S1, S2) aus zu erreichen.

Di ab 21 Uhr Tango, Mi ab 21 Uhr Swing mit DJ T-INA, Do ChaCha, Walzer & Co., Fr, Sa ab 20 Uhr Schwof mit DJane Clärchen, Sa Live-Tanzmusik, So 15 Uhr Tanztee, 19 Uhr Sonntagskonzerte im Spiegelsaal

Adresse:
Clärchens Ballhaus
Auguststr. 24
10117 Berlin
Tel: (030) 282 92 95
Text: -wn- / 24.04.2008

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