Grillen in Berlin - ein Sommerritual mit Regeln
Redaktion: K. K. / Letzte Aktualisierung: 26.05.2026
Kaum klettern die Temperaturen über die 20-Grad-Marke, riecht es in Berlin an jeder zweiten Ecke nach Holzkohle und Bratwurst. Grillen gehört in dieser Stadt zum Sommer wie das Freibad und die Späti-Cola. Ob im Park mit Freunden, im eigenen Garten oder auf dem Balkon einer Kreuzberger Altbauwohnung - gegrillt wird überall. Wer dabei ein paar Dinge beachtet, hat nicht nur einen entspannten Abend, sondern vermeidet auch Ärger mit dem Ordnungsamt oder den Nachbarn.
Wo darf in Berlin gegrillt werden?
In Berlin gibt es viele Möglichkeiten den Grill anzuwerfen: in öffentlichen Parks (wenn erlaubt), im eigenen Garten, auf dem Balkon oder auf einem Grillboot. Manche Hausverwaltungen und Wohnungsbaugesellschaften stellen ihren Mietern zudem einen gemeinschaftlichen Grillplatz auf dem Hof oder im Gartenbereich zur Verfügung - ein Blick auf die Aushänge oder eine Nachfrage bei der Verwaltung lohnt sich.
In Parks und auf öffentlichen Grillflächen
Wer in Berlin im Park grillen will, muss wissen: In öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen ist das Grillen grundsätzlich verboten. Erlaubt ist es nur auf ausgewiesenen Grillflächen, die von den Bezirken freigegeben wurden. Wer sich nicht daran hält, riskiert ein Bußgeld.
Zu den bekannten Grillflächen zählen unter anderem der Görlitzer Park in Kreuzberg, der Mauerpark in Prenzlauer Berg und das Tempelhofer Feld in Neukölln. Im Volkspark Friedrichshain wird am Neuen Hain sogar auf feuerfesten Steinplatten gegrillt - allerdings nur nach vorheriger Online-Reservierung. Eine vollständige Übersicht über alle ausgewiesenen Grillplätze in Berlin haben wir auf einer eigenen Seite zusammengestellt.
Wichtig:
Bei anhaltender Trockenheit und Hitze können die Bezirke die Grillerlaubnis kurzfristig zurückziehen. Es lohnt sich, vorher beim zuständigen Grünflächenamt nachzufragen. Bodengrills sind auf vielen Flächen nicht erlaubt - der Grill muss einen Mindestabstand von 25 bis 30 Zentimetern zum Boden haben. Und selbstverständlich gilt: Asche und Müll gehören in die dafür vorgesehenen Behälter oder werden mitgenommen.
Im eigenen Garten oder Kleingarten
Wer einen Garten hat, kann sich glücklich schätzen - hier darf grundsätzlich gegrillt werden. Rücksicht auf die Nachbarn gehört trotzdem dazu: Starke Rauchentwicklung bei ungünstigem Wind kann schnell für Unmut sorgen. Wer in größerer Runde grillt, sollte zudem auf die Lautstärke achten - gerade in dicht besiedelten Berliner Wohngebieten ist das ein häufiger Auslöser für Nachbarschaftsstreit. In Berliner Kleingartenkolonien gelten zudem die jeweiligen Vereinsregeln. Manche Anlagen erlauben das Grillen nur zu bestimmten Zeiten oder schreiben vor, welche Grillart genutzt werden darf. Ein Blick in die Vereinsordnung vor dem ersten Angrillen spart Diskussionen. Mehr über Kleingärten in Berlin haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst.
Auf dem Balkon
Gesetzlich ist das Grillen auf dem Balkon nicht verboten. Allerdings kann der Mietvertrag oder die Hausordnung ein Grillverbot enthalten - und das ist dann bindend. Wer dagegen verstößt, riskiert eine Abmahnung und im Wiederholungsfall sogar die Kündigung. Auch ohne ausdrückliches Verbot gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme: Starke Rauch- und Geruchsbelästigung müssen die Nachbarn nicht hinnehmen.
Das Amtsgericht Berlin-Schöneberg hat in einem Urteil (Az. 3 C 14/07) entschieden, dass jährlich zwischen 20 und 25 Mal für jeweils etwa zwei Stunden und bis maximal 21 Uhr gegrillt werden darf. Solche Urteile sind allerdings Einzelfallentscheidungen und nicht allgemein verbindlich. Wer auf dem Balkon grillen möchte, ist mit einem Elektro- oder Gasgrill auf der sicheren Seite - die Rauchentwicklung ist deutlich geringer als beim Holzkohlegrill.
Grillboote auf Berliner Gewässern
Wer das Grillen mit einem Ausflug auf dem Wasser verbinden möchte, kann sich in Berlin ein Grillboot oder Grillfloß mieten. Mehrere Anbieter haben Boote und Flöße mit fest eingebautem Gas- oder Elektrogrill im Programm. Kleinere Grillflöße für etwa 8 bis 16 Personen lassen sich oft ohne Bootsführerschein selbst steuern, da sie mit maximal 15 PS motorisiert sind. Bei größeren Grillschiffen für 20 Personen und mehr ist ein Skipper an Bord, der das Steuern übernimmt.
Beliebte Routen führen über die Spree durch die Innenstadt, über die Havel und den Wannsee oder über die Dahme Richtung Müggelsee. Grillgut und Getränke bringen die meisten Gruppen selbst mit, bei einigen Anbietern lässt sich aber auch ein Catering dazubuchen. Gerade im Hochsommer sind die Boote früh ausgebucht, eine rechtzeitige Reservierung ist ratsam.
Womit grillen?
Die Wahl des Grills hängt vor allem davon ab, wo gegrillt wird.
- Der Holzkohlegrill ist nach wie vor der Klassiker: Das Raucharoma, das er dem Grillgut verleiht, ist mit keinem anderen Grill zu erreichen. Der Nachteil liegt auf der Hand - die Rauchentwicklung ist erheblich, und bis die Kohle durchgeglüht ist, vergehen gut 30 bis 40 Minuten. Für den Park ist ein stabiler Säulengrill oder Kugelgrill eine gute Wahl, sofern er die Mindesthöhe über dem Boden einhält.
- Gasgrills sind innerhalb weniger Minuten einsatzbereit, die Temperatur lässt sich präzise regeln und die Rauchentwicklung bleibt gering. Das macht sie zur ersten Wahl im Garten und auf dem Balkon, sofern dort kein generelles Grillverbot gilt.
- Elektrogrills erzeugen kaum Rauch und kommen ohne offene Flamme aus - für den Balkon sind sie die unkomplizierteste Variante. Geschmacklich kommen sie an den Holzkohlegrill nicht heran, aber mit den richtigen Marinaden lässt sich einiges herausholen.
- Von Einweggrills ist abzuraten. Sie sind auf vielen Berliner Grillflächen ohnehin nicht mehr erlaubt, die Hitzeverteilung ist schlecht und die Entsorgung problematisch. Die paar Euro Ersparnis stehen in keinem Verhältnis zum Ergebnis.
Was kommt auf den Grill?
Fleisch und Wurst
Bratwurst, Berliner Buletten und Nackensteak landen in Berlin wohl auf jedem zweiten Grill. Wer etwas mehr Wert auf Qualität legt, kauft das Fleisch beim Metzger oder auf einem der Berliner Wochenmärkte. Dort gibt es oft auch Empfehlungen zur Zubereitung und zur richtigen Stärke der Steaks - ein gutes Steak ist mindestens zwei Zentimeter dick, damit es innen saftig bleibt.
Mariniertes Hähnchen, Spareribs oder Lammkoteletts bringen Abwechslung auf den Rost. Bei der Marinade gilt: weniger ist mehr. Öl, Knoblauch, frische Kräuter, Salz und Pfeffer reichen oft aus.
Fisch und Meeresfrüchte
Fisch ist auf dem Grill etwas anspruchsvoller als Fleisch, aber die Mühe lohnt sich. Ganze Forellen oder Makrelen lassen sich gut in einer Fischzange grillen. Lachsfilet gelingt am besten auf einer Zedernholzplanke oder in einer Grillschale, weil es sonst leicht am Rost kleben bleibt. Garnelen brauchen nur zwei bis drei Minuten pro Seite - etwas Knoblauchöl und Zitrone genügen als Würzung.
Vegetarisch vom Grill
Vegetarisches Grillen hat sich längst von der Alibi-Maiskolben-Phase verabschiedet. Halloumi ist dankbares Grillgut: Der Käse behält seine Form, wird außen knusprig und innen weich. Dazu passen gegrillte Zucchini, Aubergine und Paprika, die vorher in Olivenöl mit etwas Rosmarin und Thymian eingelegt wurden.
Gefüllte Champignons mit Frischkäse und Kräutern brauchen auf dem Grill etwa zehn Minuten und kommen bei Gästen immer gut an. Maiskolben, vorher in Salzwasser eingeweicht und dann direkt auf den Rost gelegt, bekommen eine leichte Röstung, die ihnen eine nussige Note gibt. Auch Süßkartoffelscheiben, mit etwas Öl bestrichen und gewürzt, gelingen auf dem Grill ohne Probleme - sie brauchen allerdings etwas länger als normales Gemüse.
Wer es etwas aufwendiger mag, wickelt Feta mit Tomaten, Oliven und frischen Kräutern in Alufolie und legt das Päckchen für etwa 15 Minuten auf den Grill. Eine weitere Variante sind Gemüsespieße mit abwechselnd Paprika, Zucchini, Champignons und roten Zwiebeln, die vorher in einer Marinade aus Sojasoße, Ahornsirup und Sesamöl eingelegt wurden.
Vegane Alternativen
Tofu lässt sich gut grillen, wenn er vorher mindestens zwei Stunden in einer kräftigen Marinade lag - etwa aus Sojasoße, Ingwer, Limette und Chili. Ohne Marinade bleibt er geschmacklich fade. Gegrillte Avocadohälften, mit der Schnittfläche nach unten kurz angebraten und dann mit Limettensaft und Chiliflocken bestreut, sind eine einfache und schmackhafte Beilage.
Bei pflanzlichen Grillprodukten aus dem Handel - also vegane Würstchen, Burger-Patties und ähnliches - lohnt es sich, verschiedene Marken auszuprobieren. Die Qualitätsunterschiede sind erheblich. Manche Produkte kommen geschmacklich überraschend nah an das Original, andere bleiben eher enttäuschend. Einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen schadet nicht: Kurze Listen mit erkennbaren Zutaten sind meist die bessere Wahl.
Obst und Süßes vom Grill
Zum Nachtisch darf der Grill noch einmal ran. Gegrillte Ananasscheiben karamellisieren durch ihren natürlichen Zucker und schmecken warm noch aromatischer als roh. Pfirsichhälften, kurz auf den Rost gelegt und mit einem Klecks Vanilleeis serviert, sehen nach mehr Aufwand aus, als tatsächlich dahintersteckt. Und die Banane in der Schale, aufgeschlitzt und mit Schokoladenstückchen gefüllt, ist ein Klassiker, den vor allem Kinder lieben.
Beilagen, Getränke und Drumherum
Kartoffelsalat (wie z.B. der Berliner Salat) oder Nudelsalat gehören in Berlin zu fast jedem Grillabend dazu. Ob mit Mayonnaise oder mit Essig-Öl-Dressing, darüber lässt sich trefflich streiten. Frische Salate, Kräuterbutter, Baguette, selbst eingelegte Salzgurken aus dem Garten und selbstgemachte Dips wie Tsatsiki oder Kräuterquark runden das Angebot ab.
Bei den Getränken sollte Wasser immer die Basis sein, gerade an heißen Tagen. Karaffen mit Zitrone, Minze, Beeren oder Gurke sehen gut aus und werden meist schneller getrunken als einfache Wasserflaschen. Hausgemachte Limonade, Eistee, alkoholfreies Bier oder Schorlen passen gut dazu. Bier, Berliner Weiße oder Wein dürfen natürlich ebenfalls auf den Tisch, sollten aber nicht die einzigen Getränke sein. Wer im Park grillt, achtet besser darauf, Glasflaschen zu vermeiden oder sicher wieder mitzunehmen.
Für die Atmosphäre sorgen Lichterketten oder Windlichter, wenn es abends dunkel wird. Wichtiger als Deko sind aber praktische Dinge: ausreichend Sitzgelegenheiten, Mückenspray oder Citronella-Kerzen gegen die Plagegeister und bei Bedarf ein Sonnenschirm oder ein Sonnensegel.
Foto: © Tkni für In-Berlin-Brandenburg.com
Was wir gerne grillen
Vor ein paar Jahren haben wir uns einen kleinen Weber Kugelgrill zugelegt - für zwei Personen reicht er locker, und selbst für vier oder fünf Gäste ist er groß genug. Am liebsten legen wir Rindersteaks mit ordentlich Pfeffer und Thüringer Rostbratwurst auf dem Grill. Ab und zu darf es auch ein mariniertes Steak vom Discounter sein, dazu Zucchinischeiben und Kartoffeln. Als Beilage gibt es meistens einen bunten Salat aus frischen Gartentomaten, Gurke, Eisbergsalat, Paprika und Zwiebeln, dazu Knoblauchbutterbaguette und natürlich diverse Grillsaucen. Beim Getränk halten wir es einfach: Mineralwasser mit einem Schuss Eistee - klingt unspektakulär, ist an warmen Tagen aber erfrischender als man denkt.
Sicherheit beim Grillen
Ein paar Grundregeln sollte jeder kennen, egal ob Grillprofi oder Anfänger.
- Den Grill auf einem festen, ebenen Untergrund aufstellen und ausreichend Abstand zu Hecken, Holzzäunen, Markisen und trockenem Gras halten.
- Kinder und Haustiere sollten vom Grill ferngehalten werden.
- Das Wichtigste: Niemals Spiritus oder andere flüssige Brandbeschleuniger verwenden, um die Kohle anzuzünden oder nachzulegen. Die dabei entstehende Stichflamme verursacht jedes Jahr schwere Verbrennungen. Feste Grillanzünder oder ein Anzündkamin sind sichere Alternativen.
- Ein Fettbrand darf auf keinen Fall mit Wasser gelöscht werden - das führt zu einer Fettexplosion. Stattdessen die Flammen mit einem Deckel oder einer Löschdecke ersticken.
- Nach dem Grillen muss die Kohle vollständig auskühlen, bevor sie entsorgt wird. Glühende Asche in Mülleimer oder Plastiktüten zu kippen, hat in Berlin schon so manchen Containerbrand verursacht.
- Auf dem Balkon ist der Brandschutz besonders wichtig: Ein kleiner Feuerlöscher oder zumindest ein Eimer Wasser in Reichweite gibt zusätzliche Sicherheit.
Wer diese Grundregeln beherzigt, kann den Berliner Sommer in vollen Zügen genießen - mit Grillzange in der Hand, einem kühlen Getränk auf dem Tisch und guter Gesellschaft.
Weiterführende Informationen und Quellenangaben:
- Eine ausführliche Übersicht zu Berliner Grillplätzen, geltenden Verboten und Verhaltensregeln in den einzelnen Bezirken bietet das Stadtportal Berlin.de: https://www.berlin.de/special/2431087-208-grillen-in-berlin.html
- Vegetarisches und veganes Grillgut gibt es längst auch in vielen Supermärkten und Discountern. Bei Aldi Nord etwa stehen Würste, Patties und Spieße auf Pflanzenbasis im Sortiment:
https://www.aldi-nord.de/sortiment/grillen/grillgut-vegetarisch-vegan.html - Die Berliner Feuerwehr hat die wichtigsten Sicherheitsregeln zum Grillen zusammengefasst - mit Hinweisen zum Anzünden, zur Standortwahl und zum Verhalten bei einem Brand:
https://www.berliner-feuerwehr.de/ihre-sicherheit/saisonale-informationen/grillen/
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