Das Wirtshaus Schildhorn - Konversion im Havelwasser

Als Schäfchen unter Kanzel, Kreuz und Kruzifix weiß man, dass jedwedes christliche Leben nach einer Maßgabe abläuft:
Der alte Herr da oben hält seine Karten bedeckt und äußert sich nicht.
Wirtshaus  Schildhorn
Der Eingang zum Wirtshaus Schildhorn unterhalb der
Havelchaussee / Foto © -wn-
Deshalb gelten seine Wege als unerforschlich. Von dieser Unlust Herrgotts, die eigenen Absichten bekannt zu geben, setzt die Bibel im Römerbrief des Neuen Testamentes (11,33) vor allem Neu-Religiöse vorsorglich in Kenntnis. Natürlich lässt die Oberste Gottheit achtbare Propheten sprechen und Ratschläge fürs Leben geben, die auch ungläubige Zeitgenossen gelegentlich nicht in den Wind schlagen sollten. Da ist die berühmte Bergpredigt (Matthäus 5‒7), in der Bergprediger Jesus Christus (4 v. Chr.-30 oder 31 n.Chr.) dazu aufruft: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!"
Und er proklamiert die heutzutage immer noch kaum für möglich gehaltene Feindesliebe.
Zu seiner Zeit ist auch Simon Petrus (?-64 od. 67 n.Chr.) unterwegs. Von diesem religiösen Quereinsteiger, der einmal Fischer war, erwartet Jesus, er werde fortan - statt Netze auszuwerfen - "Menschen fischen". Der ins missionarische Werk Eingestiegene ruft die Leute rund um den See Genezareth, später in Jerusalem auf:
"Tut Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden!" Vor allem Juden sollten konvertieren und Christen werden; der Erfolg war eher mäßig.

Ein ungeworbener Konvertit vom Jüdischen hinein ins Christliche ist der Dichter Heinrich Heine (1797 od. 1799 od. 1800-1856).
Man tut ihm nicht unrecht mit der Vermutung, er habe mit seinem Schritt im Jahre 1825 nur die Anstellungschancen als Jurist verbessern wollen. Er meinte wohl auch, als "christlicher" Dichter besser zurande zu kommen. Als solcher schreibt er in seinen dem Nachlass entnommenen "Gedanken und Einfällen": "Der Taufzettel ist das Entréebillett zur europäischen Kultur." Ansonsten bekennt der Mann, den später Abermillionen Leser als Bruder im Geiste empfinden: "Ich liebe sie (die Juden) persönlich."
Und natürlich hat er seine Konversion im "Buch der Lieder" mit dem üblichen Schuss Ironie erläutert:
"Ach, mein Kindchen, schon als Knabe,
Als ich saß auf Mutters Schoß,
Glaubte ich an Gott den Vater,
Der da waltet gut und groß;

Als ich größer wurde, Kindchen,
Noch viel mehr begriff ich schon,
Ich begriff, und ward vernünftig,
Und ich glaub auch an den Sohn;

An den lieben Sohn, der liebend
Uns die Liebe offenbart,
Und zum Lohne, wie gebräuchlich,
Von dem Volk gekreuzigt ward."
Neben dem Hineinwachsen in eine Religion im Elternhaus kennen wir noch die Hinwendung zu einem neuen Glauben in einer persönlich schwierigen Lage - nach einer überwundenen Krankheit oder bei eintretender Einsamkeit nach plötzlichem Verlust eines nahen Menschen. Von einer weiteren Variante, einer Konversion in höchster Not, berichten Geschichte und Name des seit dem 19. Jahrhundert oft aufgesuchten Wirtshauses Schildhorn an der am Westrand des Grunewalds sich hinziehenden Havelchaussee.

Schildhorn-Platte, Schildhorn-Hähnenbrust und Schildhorn-Obst mit Sahnehäubchen


Wer heute im eingeschossigen Gasthaus Schildhorn zu Gast ist, wird beim Studium der Speisekarte auf den wendischen
Garten vom Wirtshaus  Schildhorn im Herbst
Das Gasthaus Schildhorn im Herbst;
die alten Kastanienbäume haben ihre Samen abgeworfen.
Foto © -wn-
Fürsten Jaczo von Köpenick (1130-1176) stoßen; genauer: auf sein Kriegsgerät, auf Schild und Horn. Bekanntlich ist es üblich, dass sich in einer Speisekarte auch ein Gericht findet, das zwar mit dem Ort des Wirtshauses meist nichts zu tun hat, aber dennoch nach der Lokalität benannt ist. Im Gasthaus Schildhorn wird der Brauch intensivst gepflegt. Die Speisekarte mit all ihren Köstlichkeiten ist in diese Richtung ambitioniert. Ein Hähnchenbrustfilet "Schildhorn" mit Kartoffeltaler ist zu haben, natürlich "natur" mit Blattspinat und Schafskäse gratiniert auf Curcumasoße oder die "Schildhornplatte" mit Filet vom Rind, Schwein und Lamm mit Kräuterbutter an geschwenktem Zwiebel-Paprika-Champignongemüse mit Pommes Frites. Auch der Obstteller trägt den nämlichen Namen - angeboten als eine frische Obstvariation inklusive Stracciatellaeis mit Sahnehäupchen; wie man liest, ist selbst ein orthografischer Fehler dabei; Sahnehäubchen muss es heißen. Nicht verwunderlich wäre es, trüge der kross gebratene Havelzander auf Sahnespinat an Kohlrabi-Kartoffel-Püree den Namen des Jaczo von Köpenick. Denn der Mann, um den es hier geht, war vor rund 850 Jahren am anderen Havelufer fluchthalber mit dem Pferd ins Wasser geprescht. Er soll sich auf die Landzunge gerettet haben, die heute Schildhorn heißt.

Während des Essens im Restaurant oder draußen an den Tischen am Wasser hat der Gast ein schmales Haff vor Augen.
Es ist die untiefe Jürgenlanke, die von dieser rund 110 Meter breiten und 400 Meter langen
Sommer am Schildhorn
Sommer am Schildhorn
Foto © -wn-
Halbinsel und dem Havelufer eingefasst wird. Das Eiland ist begehbar. Ein Verdauungsspaziergang zur Spitze der Landzunge bietet sich an. Würde man auf dem Weg dorthin nicht zu beiden Seiten die Wasser des Havelflusses durch die Stämme der Ahorne, Eichen und Kiefern blitzen sehen - man wähnte sich in einer märchenhaften Wildnis mit Hänsel und Gretel und Rumpelstilzchen. Die erheblichen Wühlschäden, die kopfstarke Wildschweinrotten mit ihren beachtlichen Gebrechen selbst auf den festgetretenen Wegen anrichten, lassen ahnen, dass man im Landzungen-Wald nicht allein ist. Nach kurzer Zeit hat der Wanderer die Inselspitze erreicht und steht an ihrem Nordwesthang vor dem Jaczo-Denkmal, das der romantisch wie reaktionär gestimmte Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) vom Schinkelschüler, Baumeister Friedrich August Stüler (1800-1865), errichten ließ. Der Historiker Martin Friedrich Rabe (1765-1856) beschreibt das Denkmal so: "Es besteht aus einem auf einem Sockel von Granit stehenden, oben mit einem Kreuze geschmückten Pfeiler von Sandstein, in Gestalt eines Eichstammes,
Blick auf die Jürgenlanke
Blick auf die Jürgenlanke; im Hintergrund die Landzunge
Foto © -wn-
woran ein runder Schild von Zink befestigt ist, es ist ohne Inschrift und aus weiter Ferne sichtbar." Der Schauwert hält sich in Grenzen.

Jaczo ist der letzte Wendenfürst, und er ficht mit dem späteren Begründer der Mark Brandenburg, Albrecht I. von Brandenburg (1100-1170), verlustreiche Kämpfe aus. In einem letzten Fight (wohl bei Caputh) unterliegt er mit seinen Leuten den Landsknechten Albrechts; den Wenden bleibt nur die Flucht. Mit dieser existentiellen Erkenntnis steht Jaczo schließlich am bewaldeten Weinmeisterhorn, einer Anhöhe, die auf der anderen Havelseite nordwestlich der Landzungenspitze liegt. Nun kann er wählen: Entweder sich den ihn verfolgenden Knappen ergeben - oder sein Heil im Wasser zu suchen. Was sich zugetragen haben soll, hat der Schriftsteller Franz Isidor Proschko (1816-1891) in recht theatralischen Worten zusammen gefasst:

"Auf hohem Rosse fleugt Albrecht der Bär,
ihm entgegen Jaczo, der Wende;
Und abends - so kündet's die alte Mähr,
Fand erst das Schlachten ein Ende.

Da floh geschlagen, verfolgt vom Feld
Der Wendenfürst in das Weite,
Bis seine Fluten ein Strom von ihm schwellt,
Von schreckender Tiefe und Breite."
An diesem westlichem Havelufer erfolgt nun die Blitz-Bekehrung des wendischen Fürsten vom heidnischen zum christlichen Glauben. Nachdem ihm der angerufene dreiköpfige Slawengott Friglaw nicht antwortet, ruft Jaczo in höchster Not den Gott der Christen an (der allerdings auch schweigsam bleibt).
"Dann fleht er: ‚Du mächtiger Christengott,
Willst heute' Du mich gnädig erretten,
So will ich in Freude, so will ich in Noth
An Dich fortan treulich mit ketten!

‚Ein Christ will ich werden!' - und spricht's
Und rings in die rauschenden Wogen,
Und rings die tobende Flut sich drängt,
Schon hat es hinab ihn gezogen."
Ergänzend lesen wir auf einer Tafel neben dem Denkmal: "Da schien dem Slawen, als fasse eine Hand den erhobenen Schild und hielt ihn über Wasser. So erreichten Pferd und Fürst schließlich die Landzunge. Aus Dankbarkeit hängte Jaczo seinen Schild und das Horn an eine Eiche und bekannte sich zum Christentum."

Unter Zurücklassung etlicher bis heute gebräuchlicher Ortsnamen verließen die slawischen Wenden im 12. Jahrhundert das Brandenburgische - oder sie blieben und bekehrten sich. Albrecht, der sich auch der Bär, später sogar der Schöne nennen ließ, ist der große Sieger. Eine Chronik schreibt: "Mit rastloser Thätigkeit betrieb er die Germanisierung des seiner Verwaltung anvertraueten Landes und die Bekehrung der größtentheils noch dem Heidenthume und dem ruchlosesten Aberglauben ergebenen wendischen Bevölkerung." Man schreibt das Jahr 1157.

Ausgelassene Picknick-Stimmung unter den alten Kastanien-Bäumen


Ungeachtet der Bedeutungsschwere, die auf diesem Orte liegt, fand und findet am Schildhorn
Sommer am Schildhorn
Das Schildhorn /Jaczo-Denkmal
an der Spitze der gleichnamigen
Landzunge (Aufnahme vom Herbst 2014)
Foto © -wn-
und um es herum alljährlich Berliner Trubel statt. Überliefert ist ein Holzstich des Zeichners Knut Eswall aus dem Jahre 1881 mit dem Titel "Ein Picknick im Grunewald mit Blick auf die Jürgenlanke und das Wirtshaus Schildhorn". Mit einiger Sicherheit hat sich der Zeichner von Edouards Manet (1832-1883) anfangs als Skandal empfundenem Gemälde "Das Frühstück im Grünen" von 1863 inspirieren lassen. Auf Manets Gemälde sieht man im Grase einen fast leer gegessenen Picknickkorb, zwei disputierende Männer und zwei Frauen, eine davon splitternackt, die zweite sich waschend im nahen Bach. Knut Eswalls Holzstich hat einen ähnlichen Aufbau und zeigt eine Personengruppe unter den alten Bäumen in ausgelassener Picknick-Stimmung. Auf einem übers Gras gebreiteten Tischtuch stehen mit Speisen gefüllt Teller. An der Seite liegende leere Flaschen geben Auskunft über den Grund der Heiterkeit. Zwei Männer prosten mit Weingläsern den Frauen zu, eine von ihnen trinkt stehend und hastig das Glas leer. Links im Bild, etwas beiseite, küsst ein Mann eine halb, aber lasziv liegende Dame, die sich augenscheinlich in einem Zustand der Hoffnung auf Weiteres befindet. Am rechten Bildrand liegt ein Mann mit dem Kopf auf dem Schoß der Angebeteten, während diese ihm lächelnd Frischluft zufächelt. Die Romanfortsetzung "Lemkes sel. Wwe." des Berliner Schriftstellers Erdmann Graeser (1870-1937) beschreibt ebenfalls launig und herzhaft Schildhorner Begebnisse. In einer Szene am Havelufer hat der distinguiert wirkende Herr Hahn die junge Anna nach Auflösung des Pfänderspiels auffallend lange geküsst und verdächtig oft seine Blicken auf dem Busen des Mädchens ruhen lassen. Da bekommt Onkel Wilhelm einen Moralischen. Er meint: "Et war mia ßu zärtlich!" Tante Marie muss Wilhelm beruhigen: "'Na ja, det is ma och uffjefallen, aba det hat nischt uff sich', tröstete Tante Marie. ‚Et is ja richtich, se hat ne Schwäche for den Kerl, det jibt se selba zu! Weil er Musike machen kann und sich imma so hat mit seene feine Abstammung. Aba desterwejen laß dia wahaftich keene jrauen Haare wachsen, Willem! Nee, janz int Jejenteil, wenn der wat von se wollte, denn wird se ihn 'n paar Knallschoten runterhauen, aba jehörije!'" Es wird noch einige Zeit hin und her diskutiert. Von irgendeiner Empörung Annas "wejen det Küßchens" oder "wejen de Blicke uf de Auslage von de Anna" (berlinisch Dekolleté) - davon wird nichts berichtet. Und von Knallschoten schon gar nicht.

Die Adresse:
Eventhaus Wirtshaus Schildhorn GmbH
Straße am Schildhorn 4a
14193 Berlin-Grunewald
Telefon: 030 / 30 88 35 00

Die Öffnungszeiten vom Wirtshaus Schildhorn


Die Restaurant Öffnungszeiten richten sich speziell in den Herbst- und Wintermonaten nach der Wettersituation oder eventuell geschlossenen Gesellschaften.
Erfragen Sie die Öffnungszeiten vom Wirtshaus Schildhorn unter 030 / 30 88 35 00!

Wie man zum Gasthaus Schildhorn kommt:
Mit dem Auto aus der Berliner Innenstadt kommend benutzt man die Bundesstraße B2/B5 Richtung Westen.
Am Britischen Soldatenfriedhof biegt man links in die Straße am Postfenn ein, um an der Einmündung in die Havelchaussee wiederum links abzubiegen.
Von hier aus sind es noch 1200 Meter bis zum rechts liegenden Wirtshaus Schildhorn.
Parkplätze sind vorhanden. Geht man am Gasthaus vorbei, befindet man sich schon auf dem Weg zur Landzunge.
Ein Hinweisschild zeigt an, wo man rechts in den Wald in Richtung Spitze hineingehen muss. Der Waldweg auf der Landzunge ist rund 400 Meter lang. ( Text: wn )

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