Wanst im Glück - Berlins schärfster Curry & Chili Imbiss

Um die Wurst geht es - aber weniger um die Fressalie als solche, sondern um die stoffliche Basis,
Curry & Chili
Der Curry & Chili Imbiss an der Kreuzung Osloer Straße /
Prinzenallee im Gesundbrunnen am Vormittag kurz
nach der Öffnung. / Foto: -wn-
die sie bietet und von der scharfes und schärfstes Empfinden seinen Ausgang nimmt. Dabei wären ja die in mild-gewürzte Curry-Mus-Mischungen gelegten Brühwürste durchaus eigener Betrachtung wert. Man erhält sie etwa bei "Bier's" am Bahnhof Friedrichstraße oder beim Berliner Curry-König Konnopke im Prenzlauer Berg - mit Anstellen muss stets gerechnet werden. Im Blick ist aber, wie gesagt, das Einverleiben dieser Zehrungen - nicht die Würste selbst - und wie sich die für sie zuständigen Mund-Sinneszellen beim Passieren des gekauten Speisebreis verhalten. Bis hierhin kann man durchaus Loriot (1923-2011) folgen, der seinen berühmten Sketsch "Schmeckts?" - ein Versuch, im Restaurant ungestört eine Kalbshaxe "Florida" zu essen - mit den Worten einleitet: "Essen sollte mehr sein als bloße Nahrungsaufnahme." In diesem Sinne kommt es in Sonderfällen auf das Schmecken gar nicht an, sondern überraschenderweise auf den Schmerz, der von einer Schärfe ausgelöst wird, die auf der Zunge das Empfinden eines Schneidens spürbar macht.
Damit bekommt der Vorgang auch eine unerwartet religiöse Seite: "Du sollst mit Schmerzen Kinder gebären", verurteilte der Gott des Alten Testaments bekanntlich Adams dominante Frau Eva.
Nie jedoch war damals im Paradies davon die Rede, dass auch Adam zur Strafe für den Apfeldiebstahl seine Essensrationen künftig unter Schmerzen einverleiben sollte. Aber so kam es dann doch - zumindest seit es in Europa Snack-Buden wie den Curry & Chili Imbiss an der lärmenden Kreuzung Osloer Straße / Prinzenallee im Gesundbrunnen gibt. "Hier dürfen Männer noch weinen" steht an der Stirnseite, und weitere bombastische Slogans sind zu lesen wie "Der schärfstes Club der Welt", und "Berlins schärfster Imbiss". Gleichzeitig stellt Verkaufsstandbetreiber Frank Spieß in seiner Werbung heraus, sein Geschäft sei schon zweimal zum "mit Abstand schärfsten Imbiss Deutschlands" erklärt worden. Dreimal in Folge, zuletzt 2010, sei aus seinem Kunden-Fanclub der "Berliner Schärfemeister" hervorgegangen. Dieser siegreiche Matador ließ sich als "Kaiser Feuerscheißer" ins Register eintragen. Er zeigte sich in der Lage, zehn der weltschärfsten Jolokia-Chili-Schoten hintereinander zu essen.
Beim damaligen "Berliner Chili Team Contest" hieß es unter vorgehaltener Hand über den "Kaiser Feuerscheißer": "Er wird den Dünnschiss seines Lebens haben." Bei solchen deftigen Konkurrenzen geht es jedoch keineswegs um die in westlichen Ländern herrschende Unkultur des wettbewerbsmäßig betriebenen Wanst-Vollschlagens. Und so trifft die Fans des Imbisses nicht Martin Luthers Verdikt aus dem Jahre 1524: "Wir sind allzu lang genug deutsche Bestien gewesen, die nicht(s) mehr können, (als) kriegen und fressen und saufen. Lasst uns (stattdessen) die Vernunft brauchen, dass Gott merke die Dankbarkeit seiner Güter." Dieses Büßerhemd müssen sich die Scharfesser vom Gesundbrunnen nicht anziehen. Überdies wissen sie, dass der scharfe Geschmack auf süß und sauer und salzig kompensierend wirkt, Verdauung und Fettverbrennung anregt und insofern etwas Positives mit sich bringt. Deshalb haben immer schon Menschen gern scharf gegessen - auch wenn es nicht selten schief ging. Im Sittenroman "Jahrmarkt der Eitelkeit" des englischen Schriftstellers William Makepeace Thackeray (1811-1863) gibt die Sozialaufsteigerin Becky (Rebekka) Sharp des guten Eindruckes wegen vor, indische Gerichte zu lieben. "'Oh, vortrefflich!' antwortete Rebekka, der der Cayennepfeffer Höllenqualen bereitete", heißt es im Roman. Und schließlich hält sie die Schärfe nicht mehr aus und ruft: "Wasser, um Himmels willen, Wasser!" Auch der Arzt Adolf Kussmaul (1822-1902), der einmal in Wien einen mit ungarischem Pfeffer ungehemmt gewürzten Gulasch zu sich nimmt, schreibt 1899 in seinen "Jugenderinnerungen eines alten Arztes": "Wie höllisches Feuer brannte mein empfindlicher Gaumen die ganze Nacht, und ich litt unsäglichen Durst."

Curry & Chili Imbiss im Gesundbrunnen


Frank Spieß bietet natürlich auch die "normale" Wurst in pikant-sanftem Curry-Mus feil. Enthält der Brei aber auf Verlangen untergemischte Chili-Soßen, dann begibt sich der Kunde auf den Weg des frohen Schmerzes, auf den es die Club-Mitglieder regelmäßig drängt wie andere auf den Jakobsweg. Die Skala der angebotenen Schärfe-Grade beginnt mit der als leicht bezeichneten, aber schon auf die Programmatik hinweisenden Soße "Pain is Good". Die weiteren immer explosiveren Tunken werden nach einem System zum Abschätzen der Schärfe von Früchten der Paprikapflanze eingestuft, das einst vom amerikanischen Pharmakologen Wilbur Lincoln Scoville (1865-1942) ersonnen wurde. Der Wert ermittelt sich aus dem Anteil des in der getrockneten Frucht enthaltenen Stoffes Capsaicin, welcher die Schmerzrezeptoren der Schleimhäute reizt. Mit Stufe 5 - "Mad Dog" genannt - beginnt die "megascharfe" Abteilung. Ab hier ist die Wurst ihres Geschmackes ledig; jetzt schmerzt sie nur noch. Auf der Skala folgen drei weitere Grade, die sich "extrem scharf", "gnadenlos scharf" und schließlich "unmenschlich" nennen. Wenn man sich dafür entscheidet, fällt der eigentliche Essgrund weg, die Schärfe tötet den Geschmack und löst nach dem Einverleiben der Würste als erstes ein extraordinäres Schwitzen und später verstärktes Atemholen aus. Doch vorn ist das Ziel: Es soll ein "Wanst im Glück" sich zeigen, ein Zustand wunderbaren Selbstempfindens. Wie soll das gehen? Denn keiner, der sich die "gnadenlos scharfe" oder "unmenschliche" Mus-Variante verabfolgen lässt, sucht unbedingt den Schmerz. Alle Wege zum schönen Ende führen aber nur über diese peinvolle Phase. An deren Ende steht die schmerzstillende Ausschüttung von Endorphinen, denen man eine morphinartige Wirkung zuschreibt. Sie sind diejenigen Stoffe, die den eigentlichen herbeigesehnten Glückszustand herstellen. Einfach gesagt: Die Scharfesser finden es schön, wenn der Schmerz nachlässt - dieses schmale Segment ist der Genuss. Es ist jenes glücksbringende Schmerzverebben, das man kennt, wenn sich Darmwinde spürbar durch den Bauch quälten, um endlich ins Freie zu gelangen, oder wenn sich ein heftiger Muskelkrampf löst. "Geheime Wollust schwelgt im Schmerz", das wusste schon der Dichter Heinrich Heine (1797 od. 1799-1856). Und das plötzliche Wegbleiben des Schmerzes fördert - wenn auch nur für kurze Zeit - eine milde Sicht aufs Leben mit seinen alltäglichen Verwerfungen. Man sieht vielleicht in den gewählten Parlamentariern, die sich durch voraussetzungslose Erhöhung ihrer Diäten am Steueraufkommen bedienen, plötzlich Menschen, die schließlich auch von etwas leben müssen. Und den DDR-Nostalgikern um uns herum mit ihrem ewigen "Es war nicht alles schlecht damals" versucht man Verständnis entgegenzubringen, wenn einige von ihnen verlorenen Partei-Pfründen nachtrauern; immerhin haben sie ja auch was verloren.

Natürlich gibt es heute in Deutschland auch eine Behörde, die warnend den Zeigefinger erhebt: Das Bundesinstitut für Risikobewertung. Es rät besonders den Wettbewerbern im Scharf-Bereich zur Vorsicht
Die Imbissbude Curry & Chili Gesundbrunnen
Einen günstigeren Ort konnte Verkaufsstandbetreiber
Frank Spieß für seinen Imbiss kaum finden;
es ist zwar sehr laut hier an der Kreuzung,
aber an Kunden fehlt es besonders am
Nachmittag nicht. Foto: -wn-
bei der Aufnahme von unüblich großen Mengen extrem starker Chilisaucen und Chiliextrakten. "In diesem Fall sind schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Bluthochdruckkrisen möglich, die unter Umständen lebensbedrohlich sein können", heißt es in einem eindringlichen Fingerzeig des Institutes. Aber der Mensch hört selten auf das Vernünftige, und höchstens im Alter pocht er auf moralische Maximen. Über solche uneinsichtige Zeitgenossen erfahren wir aus einem Text des Mitbegründers der Berliner Dada-Gruppe, des Kabarett-Song-Schreibers Walter Mehring (1896-1981). Er thematisierte scharfes Essen in den 1930er Jahren auf recht skurrile Art: "Und eh wir unters Joch den Nacken biegen / Und eh sie uns zu einer Arbeit kriegen: / Da fressen wir gestoßenen Paprika / Hallélujah! Hallélujah!"

Wie man zum Curry & Chili Imbiss kommt:
Direkt neben dem Verkaufsstand befindet sich eine Straßenbahn-Haltestelle (M13 und 50) Wenige Gehminuten entfernt liegt der U-Bahnhof Pankstraße (U8)
Adresse:
Osloer Straße 109
13359 Berlin
Text: -wn-

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