Die Waldbühne Berlin: Der nette Onkel Tobias war da und auch die Böhsen Onkelz

Wenn Berlin einmal von etwas anderem begeistert ist als von Aufläufen des deutschen Medial-Narzißmus auf roten Teppichen, geht jenem anderen belebenden, tiefer reichenden Seelenzustand ab und an auch ein
Die Berliner Waldbühne
Foto © -wn-
Begebnis auf der Waldbühne in Westend voraus (Foto). Das mit einer weiten halbkreisförmigen Zuschauertribüne ausgestattete Freilichttheater, eines der schönsten in Europa, haben seine Erbauer 1936 als Pendant des antiken Theater im griechischen Epidauros errichtet. Selbst die Umgebungen beider Spielstätten ähneln sich. Die Arenen wurden in Schluchten hineinplaziert; die epidaurische in ein Becken im gebirgigen "argolischen Daumen" des Peloponnes. Die Waldbühne westlich des Olympiageländes fand ihren Platz in einem dreißig Meter tiefen Kessel der Murellenschlucht, die Teil einer eiszeitlichen Hügellandschaft nahe Ruhleben ist. Dass die Architekten hier eine germanische Thing-Bühne schaffen wollten, muss uns heute nicht stören.

In der Waldbühne Berlin


Eines der ersten Nachkriegsereignisse auf der Waldbühne datiert auf den 31. Oktober 1948, ein grauer, schon schneeiger Sonntag:
Der letzte Kampf Max Schmelings. Ein Reporter schrieb, er habe gegen den acht Jahre jüngeren Hamburger Halbschwergewichtsmeister Richard Vogt gekämpft sowie gegen Kälte und Alter. Der 43jährige verlor nach Punkten. An das Geschehen auf der Waldbühne haben viele Berliner starke Erinnerungen. Rentnerin Karin Bartel aus Prenzlauer-Berg hat noch im Ohr, wie sich Onkel Tobias und die RIAS-Kinder - vermutlich 1956 - auf eine Reise ins Schlaraffenland begaben. Den Ostberliner Steppkes, deren sie begleitende Eltern den Eintritt "eins zu eins in Ost" hatten bezahlen können, schenkte man zuvor noch Tüten mit Süßigkeiten und gewaltige Plast-Sonnenbrillen. Wie Diven und Machos saßen die Kleinen bebrillt im attischen Rund. Onkel Tobias mit der lustigen Kasperle-Stimme, gespielt vom unvergessenen Schauspieler Fritz Genschow (1905-1977), stimmte das frohgemute Lied an "Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt". Die Ostkinder im Publikum waren noch zu klein, die Brisanz der Worte Joseph von Eichendorffs zu begreifen. Erst Jahre später waren sie Schlagertexten ausgeliefert, die ihr erwachendes Teenager-Interesse auf Welt dämpfen sollten. "Was willst du denn in Rio" fragt der eine und fährt fort: "Die Liebe ist in Rio, / in Grönland und am Kongo / genau nicht anders als bei uns zuhaus. / Drum lass doch dein Gepäck / und fahr erst gar nicht weg." Ein dem Proletkult verfallener Ostberliner Journalist schlug sogar vor, dass in den systemkonformen Schnulzen nicht wie in den Westschlagern die Liebeslust glutäugiger Senoritas besungen werden sollte, sondern Anmut und erotisches Verlangen "einer Schaffnerin oder Glühlampenarbeiterin unserer Republik".

Veranstaltungen in der Berliner Waldbühne


Dann brach jener für die Waldbühne schicksalhafte 15. September 1965 an. Tausende Jugendliche kamen zum Konzert der Rolling Stones - zum respektablen Kartenpreis von 20 DM. Noch nach Beginn strömten etwa 250 Halbwüchsige ohne Eintrittskarten in die nur unzureichend abgesperrte Arena, kamen bis zur Bühne. Als sie die Plattform stürmen wollten, beendeten die Krawall gewohnten Rolling Stones das Konzert nach 25 Minuten. Die Waldbühne erlitt darauf hin das Schicksal des Sportpalastes sieben Jahre zuvor nach einem Konzert Bill Haleys, des Vater des Rock and Rolls: Alles ging zu Bruch. 85 Jugendliche festgenommen, Dutzende verletzt. Die Gewalt war ein gefundenes Fressen für die Politiker in Ostberlin, wohin sich Rock and Roll und Beat ebenfalls ausgebreitet hatten. Obermusikwart Walter Ulbricht erklärte mit üblich drohendem Unterton: " mit der Monotonie des jeah, jeah, jeah, und wie das alles heißt, sollte man doch Schluss machen." Sein Adjunkt, der saarländische Schalmeien-Spezialist Erich Honecker, wird sich später mit einem halbherzigen Bekenntnis zu einer "gepflegten Beatmusik" lächerlich machen. Der Skandal und die folgende jahrelange Pause hat die Waldbühne später nicht davon abgehalten, Auftrittsort weltbester Solisten und Gruppen zu sein: Mit Bob Marley begann 1980 wieder der regelmäßige Konzertbetrieb; es folgten im Dreijahresrhythmus Auftritte von Depeche Mode, am Mikrofon standen Phil Collins, Joe Cocker und Elton John; es spielte die inzwischen aufgelöste Band Böhse Onkelz und die Söhne Mannheims.

Dass aber auch die oft zu Unrecht als ernst apostrophierte klassische Musik in Berlin in hohem Rang steht, beweist das alljährliche Konzert der
Berliner Philharmoniker zum Abschluss der Saison. Die Waldbühne - immer ausverkauft. Die Dirigate verbinden sich mit Namen, die selbst schon Musik sind: Daniel Barenboim, Rafael Frühbeck de Burgos, Lorin Maazel, Sir Colin Davis, Claudio Abbado. Sir Simon Rattle führt diese Tradition mit Verve fort. 2009 gab es "Russische Rhythmen" mit Abendsonne, Wolkenbruch und fast taktgenauem Wetterleuchten am Horizont. Wieder kam das ungeschriebene Waldbühnen-Gesetz zum Tragen, außer den Schirm aufzuspannen jedwedes Schlechtwetter vergnüglich hinzunehmen. Niemand ließ sich davon abhalten, Sergej Rachmaninows drittem, für Solisten wegen seiner verschlungenen Meldodienführungen schwer zu spielenden Klavierkonzert zu lauschen. Der in Israel lebende Usbeke Jefim Bronfman setzte es am Klavier mit freudvoller Vitalität in Szene. Zu Igor Strawinskys Ballettmusik "Le sacre du printemps" (Bilder aus dem heidnischen Russland) mit ihren wild-massiv hereinbrechenden Klängen passten die Blitze am inzwischen nächtlichen Himmel. Und wie zu erwarten, konnte letztlich Paul Linckes Kommunal-Hymne "Berliner Luft" aus der Operette "Frau Luna" die schon gehobene Stimmung noch einmal toppen. Sir Simon Rattle verließ das Pult und stellte sich mit zwei Becken in den Händen zu den Schlagwerkern des Orchesters. Der Ausklang des Abends verstärkte die Erkenntnis, dass es die Waldbühne mit namhaften Konzertorten dieser Welt - vielleicht nicht in Sachen vornehmer Eleganz - aber wegen ihrer Atmosphäre aufnehmen kann, die freiem Lebensgefühl und gutartiger Leidenschaft so förderlich ist.

Wie man zur Waldbühne in Berlin kommt:
S-Bahn: S75, S9, Bahnhof Pichelsberg,
In der Glockenturmstraße befindet sich ein Parkplatz.
Text: -wn-

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