Synagoge Rykestraße in Berlin

Text: -wn- (Journalist aus Berlin) / Letzte Aktualisierung: 18.02.2021

Die Synagoge Rykestraße in Prenzlauer Berg
Die Synagoge Rykestraße in Berlin Prenzlauer Berg - Foto: © elxeneize - stock.adobe. com

Die Synagoge Rykestraße wurde 1903/04 erbaut und hatte 2000 Betplätze. 1953 und 1957 wurde die Synagoge renoviert. Eine große Sanierung fand 2007 statt. Nun hat die Synagoge nur noch 1200 Betplätze, ist aber imemr noch die größte Synagoge in Deutschland.

Die Synagoge Rykestraße in Prenzlauer Berg

"Solang noch im Herzen drinnen, / Eine jüdische Seele wohnt ..." - so beginnt Israels Hymne HaTikva. Sie besingt das 2000-jährige beharrliche jüdische Hoffen auf ein friedliches Leben im eigenen Land. Gleich ob die HaTikva heute im Stadion erklingt oder ob sie - wie kürzlich im Tel Aviver Theaterclub - der amerikanische Gittarist Marty Friedman unter maßgeblichem Einsatz des Tremolohebels eindringlich intonierte oder ob sie El Al-Fluggäste beim Landeanflug auf die Hauptstadt spontan anstimmen - oft genug erlebt man dieses Herbeisehnen einer gesicherten Existenz unter Begleitumständen, die mit erschreckend und reich anRückschlägen nicht besonders pessimistisch beschrieben sind. Und doch gibt es auf dem Weg dieses von der Geschichte zwar mit mannigfacher Begabung bedachten, jedoch keineswegs verwöhnten Volkes erregend schöne Momente. Von einer "unbegreifbaren Erfahrung" und einem "unbegreifbarem Gottes-Geschenk" sprachen Anfang September 2007 die Rabbiner in der neu eröffneten und geweihten Synagoge Rykestraße 53 im Prenzlauer Berg. Rund sieben Jahrzehnte nach dem Holocaust wurde im Berliner Norden am Beginn eines Freitagabend-Gottesdienstes wieder das Eingangs-Gebet Mah Towu aus dem 4. Buch Mose gesprochen: "Wie fein sind deine Zelte, Jakob, und deine Wohnungen, Israel!"

"Es ist ein Wunder, dass es in Deutschland wieder Juden gibt. Und die Synagoge in der Rykestraße, die zwei verschiedene Regime überlebt hat, ist das Symbol dieses Wunders", sagte der letzte noch lebende deutsche Rabbiner der Vorkriegszeit, der aus den USA angereiste Leo Trepp (1913 - 2010). Von den 173 000 Juden, die 1925 in Berlin gelebt hatten, waren nach dem Krieg 6500 Personen übrig geblieben. Heute hat die Berliner Jüdische Gemeinde, die größte in Deutschland, rund 12000 Mitglieder liberaler, orthodoxer und konservativer Tradition.

Infos für Ihren Besuch

Adresse:
Synagoge Rykestraße
Rykestr. 53
10405 Berlin
Tel: 030/ 44 25 931

Anfahrt:
Straßenbahnlinie 12, 50, M1, M2: bis Haltestelle Knaackstraße; die erste Straße rechts ist die Rykestraße
U-Bahn U2: bis Senefelderplatz, sieben Gehminuten über Kollwitz- und Knaackstraße bis zur Synagoge.
Man muss eingangs mit Sicherheitskontrollen rechnen.

Öffnungszeiten der Synagoge Rykestraße:

Kabbalat Schabbat: Winter 18:00 Uhr; Sommer 19:00 Uhr
Schabbat Schacharit ganzjährig 9:30 Uhr
Führungen für Gruppen ab 10 Personen sind nach vorheriger Anmeldung eingeschränkt möglich.

Die Synagoge Rykestraße ist eine der bekannteren Sehenswürdigkeiten in Berlin. Mitten im beliebten Kollwitzkiez gelegen sollte man diesem schönen Bauwerk ruhig mal einen Moment Aufmerksamkeit widmen. Die Synagoge zählt zu den schönsten in ganz Deutschland.

Geschichte der Synagoge Rykestraße in Berlin

Das 1904 in neoromanisch-orientalisierendem Stil gebaute liberale Gotteshaus mit seinen knapp 1200 Sitzplätzen, das größte in Deutschland und in Europa zu den größten zählend, konnte erst nach aufwendigen Sanierungsarbeiten im Umfang von fast fünf Millionen Euro wiedererstehen. Die Kosten teilten sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Berliner Lotto-Stiftung. Als Vorlagen für die Rekonstruktion standen nur drei alte Schwarzweiß-Fotos zur Verfügung.

Eine städtebauliche Besonderheit hat die Synagoge in der Nacht der Juden-Pogrome (9./10. November 1938) vor der Totalzerstörung bewahrt. Das Gebäude befindet sich in einem Hinterhof, so dass es die von Joseph Goebbels instruierten Nazi-Vandalen wegen der Nähe angrenzender Wohnhäuser unterließen Feuer zu legen. Die Thorarollen wurden geschändet, der Synagogenraum demoliert. Das enteignete Haus diente später als Pferdestall sowie als Textil- und Möbellager.

Die Hoflage der Synagoge hält heute die Geräusche der sehr betriebsam gewordenen Rykestraße von den Besuchern fern, jedoch gerät man beim Betreten des Hauses in keine "ehrwürdige Nacht" wie Goethe im "Osterspaziergang" die Atmosphäre in der christlichen Kirche beschreibt. Das Mittelschiff hat helle, freundliche Weiträumigkeit, die von den gewaltigen Radleuchtern an der rot und grün bemalten Holzbalkendecke und von den auf drei Seiten umlaufenden Emporen unterstrichen wird. Über der kreuzrippengewölbten Exedra spannt sich im Blickfeld der im Mittelschiff Sitzenden ein blauer Nachthimmel mit funkelnden goldenen Sternen.

Jeder kann die Berliner Synagoge in der Rykestraße besuchen

Zum Gottesdienst ist jedermann eingeladen. Von Fremden wird allerdings erwartet, dass sie nicht als Synagogen-Touristen nach zehn Minuten den Raum wieder verlassen. Überdies soll das Haus nicht nur für religiöse Zwecke, sondern auch für Kulturveranstaltungen genutzt werden. Männer ohne Kopfbedeckung erhalten die kappenartige Kippa. Besondere Bekleidungsvorschriften gibt es nicht, außer dass Frauen in der Synagoge keine Hosen tragen sollen, also auch keine nach Levi (Löb) Strauss benannte, jenes Juden aus dem oberfränkischen Buttenheim, der 1872 in San Francisco mit einer der grandiosesten Geschäftsideen aller Zeiten von sich Reden machte.

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