Marken aus Berlin - Die Hauptstadt als Marken-Schmiede

Text: O. K. / Letzte Aktualisierung: 09.01.2026

Welche Marken kommen aus Berlin?
Berlin als Marken-Schmiede - Symbolbild: © Robert Kneschke - stock.adobe. com

Schauen Sie doch mal in Ihren Kühlschrank, in Ihre Kosmetikbeutel oder scrollen Sie durch die Apps auf Ihrem Handy. Die Chance ist hoch, dass Sie hier ein Stück Berlin finden. Ob die mittlerweile in aller Welt erhältlichen HelloFresh-Kochboxen, die veganen Beauty-Produkte von Kess und Gitti oder auch die Banking-App von N26 - sie alle haben eines gemeinsam: Sie kommen aus der Spreemetropole. Zufall? Ganz im Gegenteil: Berlin ist Deutschlands unangefochtene Start-up-Hauptstadt und eine Marken-Schmiede, die den perfekten Nährboden für frische Ideen bietet. Aber warum ist das eigentlich so?

Gründerhauptstadt Berlin: "Arm, aber sexy" war gestern

Im Jahr 2003 sorgte der damalige Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit seiner Aussage, Berlin sei zwar "arm, aber sexy" für Furore und machte sich damit - besonders bei den Bürgern - nicht nur Freunde. Hatte er damit Recht? Teilweise schon. Die Kassen der Stadt waren damals aufgrund der Nachwehen der Wiedervereinigung chronisch leer und auch wirtschaftlich wollte in Berlin nicht so recht der Funke überspringen. Bis sich die Kreativ- und Medien-Szene in der Hauptstadt ansiedelte und alles veränderte.

Der "Urknall" für Berlins Gründerszene

Die frühen 2000er-Jahre waren so etwas wie der Urknall für die Berliner Gründerszene und Wegbereiter für viele international erfolgreiche Marken. Eine nicht ganz unwichtige Rolle spielten dabei auch die Samwer-Brüder. Sie gründeten 1999 mit einigen Kommilitonen die Auktionsplattform Alando und verkauften sie nur kurz darauf für über 50 Millionen US-Dollar an eBay. Das war eine Initialzündung, die zu einer Art Goldgräberstimmung führte.

Mit dem Geld gründeten die Samwers Jamba! und eroberten den Markt für mobile Inhalte. Später ging die Plattform für 273 Millionen US-Dollar an Verisign. Exits wie diese haben viele Menschen praktisch über Nacht reich und selbst zu Investoren gemacht, lockten aber auch immer mehr Risikokapitalgeber wie Business Angels aus dem Ausland in die Hauptstadt, die auf der Suche nach der nächsten großen Idee waren.

Gegenüber reinen Geldgebern konnten diese Investoren mit "Smart Money" punkten. Das heißt, sie brachten neben dem Kapital auch ihr Wissen aus eigenen Gründungen mit in die neuen Unternehmen ein. Ein Erfolgsrezept, wie unter anderem das Beispiel des Berliner Online-Modehändlers Zalando zeigt. Dieser wurde schon frühzeitig von der Start-up-Schmiede Rocket Internet mit Kapital und Wissen aus den unterschiedlichsten Bereichen versorgt, wuchs rasant und ist heute ein börsennotiertes Milliardenunternehmen. Natürlich gibt es auch ein Zalando Outlet in Berlin.

Die Berliner Gründerszene
Berlin bietet gute Voraussetzungen für junge Gründer - Symbolbild: © Vasyl - stock.adobe. com

Berlin heute: Beste Bedingungen für Gründer

Mit den Jahren hat sich in Berlin ein starkes Ökosystem entwickelt, das nicht nur neue Ideen fördert, sondern sie auch wachsen lässt. Dazu braucht es in aller Regel erst einmal Kapital. Durch die Erfolge von damals gibt es in der Hauptstadt heute ein dichtes Netz aus Venture Capital Fonds (z. B. HV Capital und Project A Ventures), Business Angels (z. B. Business Angels Berlin-Brandenburg), Inkubatoren (z. B. APX) und nicht zuletzt Fördermittel von öffentlicher Hand wie der Investitionsbank Berlin (IBB), die u. a. Stipendien für Gründer anbietet und in der frühen Phase mit dem "Pro FIT"-Programm unterstützt.

Ein weiterer günstiger Faktor sind die vielen Cafés und Coworking-Spaces (z. B. Betahaus oder Factory Berlin) in der Stadt, in denen sich junge Gründer austauschen, sich mit anderen vernetzen, inspirieren lassen, gemeinsam an Projekten arbeiten oder auch neue Mitarbeiter finden können. Einen Mangel an jungen Talenten gibt es dank Unis wie der TU Berlin, der Charité und den zahlreichen Forschungsinstituten in der Hauptstadt nicht. Sie sorgen für einen ständigen Fluss an begabten Absolventen und Wissen.

Auch die Miet- und Lebenshaltungskosten sind in Berlin verglichen mit anderen Start-up-Hochburgen wie Amsterdam, London oder Paris immer noch günstig. Allerdings kann sich die Suche aufgrund der hohen Nachfrage schwierig gestalten.

Diese guten Bedingungen für Gründer spiegeln sich auch in den Unternehmensgründungen wider: Rund 500 Start-ups pro Jahr werden laut aktuellen Zahlen in Berlin gegründet. Damit liegt die Bundeshauptstadt auch im internationalen Vergleich ganz weit vorn. Somit ist Berlin ein attraktiver Wirtschaftsstandort - nicht nur für Gründer.

Berliner Marken erobern die Welt
Berliner Marken erobern dank Internet die Welt - Symbolbild: © rh2010 - stock.adobe. com

Aus Berlin in die Welt: Marken aus der Hauptstadt

Kochbox-Versender HelloFresh, Online-Optiker Mister Spex, Musikstreaming-Service Soundcloud, Neobank N26, Sprachlern-App Babbel oder Online-Lieferdienst Delivery Hero - die Liste der großen Marken aus Berlin ist lang. In unserer folgenden Übersicht über einige Marken aus der Hauptstadt wollen wir jedoch einen Blick auf Unternehmen werfen, die einem beim Gedanken an die Hauptstadt nicht sofort in den Sinn kommen, in ihrem jeweiligen Bereich aber dennoch spannende Innovationen bieten und zu den Marktführern zählen.

Mode für Beine und Gesicht

Berlin und Fashion? Das passt zusammen. Kein Wunder also, dass es zahlreiche Fashion-Marken aus der Hauptstadt hinaus in die Welt geschafft haben. Eine davon ist die von Vivien Wysocki und Larissa Schmid gegründete Marke SAINT SASS, die mit feministischen Botschaften bestickte Strumpfhosen und Unterwäsche (z. B. "Not your babe") verkauft und damit voll den Nerv der Zeit getroffen hat. Mittlerweile tragen Fashion-Ikonen wie Kendall Jenner und die "Queen of Pop" Madonna die Strumpfhosen aus Berlin Mitte.

Nicht Mode für die Beine, sondern für die Augen stellt die Berliner Marke MYKITA her. In seiner Manufaktur in Kreuzberg produziert das junge Unternehmen seit 2003 Brillenmode für Design-Liebhaber. Die hat ihren Preis, bietet dafür aber auch eine einzigartige Qualität und Stile, die man beim Optiker um die Ecke vergeblich sucht. Heute betreibt die Marke Stores auf der ganzen Welt und wird von Stars wie Brad Pitt oder Tom Cruise getragen.

Vegane Kosmetikmarken aus Berlin

Fashion und Kosmetik gehören einfach zusammen. Allerdings haben sich die Wünsche der Kundinnen und Kunden auch hier gegenüber früher verändert. Vor allem unkompliziert, 100 % vegan und frei von Tierversuchen muss moderne Kosmetik sein. Kess Berlin hat das frühzeitig erkannt und eine Reihe von Beauty-Produkten auf den Markt gebracht, die schnell und unkompliziert in der Anwendung sind und auch die ethischen Anforderungen erfüllen.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Jennifer Baum-Minkus mit ihrer Berliner Beauty-Brand gitti. Die Gründerin startete damals im TV-Format "Die Höhle der Löwen" mit ihrer Idee für einen pflanzenbasierten und PETA-zertifizierten Nagellack durch. Später kam das Geld doch aus anderen Quellen. Heute ist die Marke mit ihren veganen und geruchsarmen Nagelfarben sowie weiteren Make-Up- und Pflege-Sets international erfolgreich. Einige Produkte sind sogar bei dm in Berlin erhältlich!

Kosmetik aus Berlin
Die Universitäten unterstützen Gründer bei der Entwicklung ihrer Produkte: z.B. Vegane Kosmetik - Symbolbild: © New Africa - stock.adobe. com

Pflanzliche Lebensmittel und Superfoods

Fleischalternativen sind gefragt wie nie. Das 2011 von Jan Bredack als veganer Supermarkt im Prenzlauer Berg gegründete Start-up Veganz schlug einige Jahre später eine andere Richtung ein und wurde selbst zum Hersteller von veganen Lebensmitteln wie Fertigsaucen, Keksen, Aufschnitt und Käse. Mit gigantischem Erfolg. Heute sind die Produkte der Berliner Marke in nahezu jedem Supermarkt innerhalb der EU erhältlich.

Eine ähnliche Wendung hat auch die Berliner Marke KoRo hinter sich. Heute ist der Name Superfood-Fans aus ganz Deutschland ein Begriff. 2014 wollten die beiden Gründer jedoch zunächst Waschmittel in Großpackungen verkaufen. Stattdessen finden sich im Sortiment von KoRo heute leckere Nussmuse, Trockenfrüchte und gesunde Snacks.

Weiterführende Informationen und Quellen:

  • Die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH mit Sitz im Ludwig-Erhard-Haus (Fasanenstraße 85,10623 Berlin) schreibt auf Ihrer Webseite: Berlin ist Deutschlands Hotspot für Startups und Venture-Capital-Hauptstadt. Hier finden Gründer und die, die es werden wollen, genau das richtige Umfeld, um ihr Unternehmen zu gründen und zu skalieren: https://www.businesslocationcenter.de/startups-berlin
  • Das 2019 gegründete Berliner Startup Kess Berlin stellt vegan und ohne Tierversuche entwickelte Kosmetikptodukte her, die nun sehr erfolgreich von verschiedenen Onlineshops verkauft werden: https://www.niche-beauty.com/de-de/marken/kess-berlin-1223
  • Die Berliner Marken und Start-up-Schmiede Rocket Internet gründet und investiert weltweit in Internet- und Technologieunternehmen. Rocket Internet hat zum Beispiel den Online Modehändler Zalando mit Kapital und Knowhow unterstützt: https://www.rocket-internet.com/

Wo entstehen heute in Berlin neue Marken / wo wird gegründet?

Zum Beispiel in der Gründerwerkstatt Adlershof, die von der WISTA Management GmbH betrieben wird. Und natürlich an den Berliner Universitäten wie der TU (Centre for Entrepreneurship (CfE), Hardenbergstr. 38, 10623 Berlin, Telefon: 030/ 314-28377). Sowohl die Gründerwerkstatt Adlershof (Gründungswerkstatt Adlershof, WISTA Management GmbH, Rudower Chaussee 17, 12489 Berlin, Telefon 030/ 6392-2240) als auch die Universitäten und andere Bildungseinrichtungen unterstützen die Gründer mit Coworking-Spaces, Coachings und Ausrüstung bei der Entwicklung ihrer Produkte und der Markenbildung. Über die Investitionsbank Berlin (IBB) können Fördermittel beantragt werden.

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