Großinvestoren in Berlin
Text: O. K. / Letzte Aktualisierung: 24.02.2026
Berlin als Magnet: Wie Großinvestoren Milliarden in die Hauptstadt stecken
Dass die Spreemetropole bei internationalen Investoren hoch im Kurs steht, ist nichts Neues. Spannend ist aber, in welchen Dimensionen Geldgeber aus aller Welt mittlerweile Geld in die Region stecken. Allein im Jahr 2024 begleitete die Wirtschaftsförderung Berlin 315 Investitionsprojekte mit einem Gesamtvolumen von 1,1 Milliarden Euro. Dazu kommen milliardenschwere Investments von Tech-Giganten wie Google und ASML, die Gigafactory von Tesla direkt vor den Toren der Stadt, ein völlig neuer Stadtteil von Siemens in Spandau und eine lebendiger Startup-Szene, die jedes Jahr Milliarden an Risikokapital anzieht. Wir werfen einen Blick auf einige der spannendsten Großprojekte in der City und gehen der Frage auf den Grund, warum Berlin und Brandenburg für Geldgeber so verlockend sind.
Auf einen Blick:
- Immer mehr internationale Konzerne und Großinvestoren stecken Milliardensummen in die Hauptstadtregion.
- Allein der niederländische Chipkonzern ASML beschäftigt mittlerweile rund 1.700 Fachkräfte am Standort Neukölln und will noch weiter wachsen.
- Auch amerikanische Tech-Konzerne wie Google, Amazon (AWS) und Tesla stecken Milliarden in Projekte in Berlin und Brandenburg.
- Parallel dazu gibt es auch immer mehr große private Bauprojekte, wie die Siemensstadt-Square und das Motel ONE am Alexanderplatz
ASML baut wichtiges Zubehör für die weltweite Chipfertigung in Neukölln
Hightech-Unternehmen wie Intel oder Samsung sind auf hochpräzise Chips angewiesen. Eine wichtige Schlüsselkomponente dafür kommt aus dem Berliner Bezirk Neukölln. Hier hat der niederländische Technologiekonzern ASML vor einigen Jahren das Unternehmen Berliner Glas übernommen. Seitdem investiert das Unternehmen kräftig in den Standort. Erst im September 2025 hat ASML eine neue Produktion für sogenannte Wafer-Tische eröffnet. Ohne diese Komponente ist die Herstellung der heute in nahezu jedem Smartphone, Tablet, TV oder Computer verbauten Chips praktisch unmöglich.
Wie bedeutend die Investition für die Region ist, zeigt, dass bei der Einweihung der Halle neben Bürgermeister Kai Wegner auch zwei Vertreter vom Bundeswirtschafsministerium und Bundesforschungsministerium vor Ort waren. Und die nächste Erweiterung ist schon in Planung: Im Jahr 2028 will der momentan mit einem Börsenwert von 300 Milliarden Euro gehandelte Konzern eine weitere Produktion in Neukölln eröffnen.
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Van Caem und Amazon machen Berlin zur Rechenzentrum-Hauptstadt
Für KI- und Cloud-Computing sind gigantische Speicher- und Rechenkapazitäten nötig. Rund um den Globus investieren Unternehmen deshalb teils astronomische Summen in den Neu- und Ausbau von Rechenzentren. Besonders attraktiv scheinen dabei Berlin und Brandenburg zu sein. Schon jetzt ist die Hauptstadtregion einer der wichtigsten Standorte für digitale Infrastruktur in Europa. Künftig dürfte sich diese Position noch weiter festigen.
Unter anderem steckt der niederländische Investor Van Caem rund eine Milliarde Euro in den Bau des Datacenter "Bluestar" in Lichtenberg. Der vier Gebäude mit rund 30.000 qm IT-Fläche umfassende Komplex soll künftig Berlins größtes Rechenzentrum werden und eine Gesamtleistung von 100 MW bieten. Die Fläche lässt sich von Unternehmen und Forschungseinrichtungen mieten und zur Datenspeicherung oder zum KI-Training nutzen. Das Besondere: Die erzeugte Abwärme wird 25.000 Wohnungen klimaneutral beheizen.
Noch eine Nummer größer denkt Amazon. Die AWS-Tochter des amerikanischen E-Commerce-Riesen will bis zum Jahr 2040 7,8 Milliarden Euro in die "AWS European Sovereign Cloud" in Brandenburg investieren. Dabei handelt es sich um eine riesige Cloud-Infrastruktur, die den strengen Datenschutzanforderungen der EU genügt. Im Januar 2026 hat AWS das erste von drei geplanten Rechenzentrum offiziell eröffnet.
Der Speckgürtel von Berlin gilt bereits jetzt als wichtiger Wirtschaftsstandort.
Google baut bestehenden Standort aus, E-Auto-Hersteller Tesla erweitert Produktion um Akkus
Suchmaschinen-Gigant Google hat schon lange einen festen Standort in Berlin. Künftig soll dieser ausgebaut bzw. erweitert werden. Ende 2025 kündigte der kalifornische Konzern an, bis 2029 bis zu 5,5 Milliarden Euro in den Standort Deutschland investieren zu wollen. Vor allem in den Ausbau seiner Cloud- und KI-Infrastruktur. Der Löwenteil davon fließt in neue Rechenzentren in Hessen. Berlin soll aber ebenfalls profitieren. Unter anderem will das Unternehmen ehemalige Studios zu modernen Arbeitsflächen umbauen, inklusive einer neuen Demo-Area und einem TechTalk-Konferenzraum mit direktem Blick auf die Spree.
Etwas weiter östlich in Grünheide hat sich vor einigen Jahren Elektroauto-Hersteller Tesla mit seiner Gigafactory niedergelassen. Trotz der aktuellen Turbulenzen im Automobilsektor und der durch die Trump-Zölle sehr unsicheren wirtschaftlichen Lage zwischen den EU und den USA will Tesla-Chef Elon Musk den Standort ausbauen und dafür viel Geld in die Hand nehmen. Unter anderem sollen ab 2027 in Grünheide Akkus gefertigt werden. Für die Region bedeutet das mehr Steuereinnahmen und neue Arbeitsplätze.
Siemensstadt-Square: Weltkonzern baut einen ganzen Stadtteil "der Zukunft"
Während E-Auto-Hersteller Tesla in Grünheide investiert und ASML mit seinen Großinvestitionen in Neukölln für Aufschwung sorgt, treibt der Tech-Konzern Siemens im Westen der Stadt eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas voran. Auf dem historischen Industriegelände in Berlin Spandau soll die "Siemensstadt-Square" entstehen. Bei dem Projekt soll es sich um "die Stadt der Zukunft" handeln, die Arbeiten, Forschen, Wohnen und Freizeit miteinander verbindet. Auf rund 270.000 qm soll Wohnraum für bis zu 7.000 Menschen entstehen. Außerdem sind hier 20.000 Arbeitsplätze geplant. Alles soll modern, mit den neuesten Technologien ausgestattet und natürlich klimaneutral sein.
Siemens selbst investiert nach eigenen Angaben rund 750 Millionen Euro in das ambitionierte Projekt. Insgesamt soll sich das Investitionsvolumen aber auf stolze 4,5 Milliarden Euro belaufen. Der Grundstein für die Siemensstadt-Square wurde bereits 2024 gelegt. Unter anderem war der ehemalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) vor Ort. Die Fertigstellung für die Siemensstadt-Square ist grob für das Jahr 2035 angepeilt.
Großinvestitionen im Immobilienbereich: Neue Hotels und Quartiere für Berlin
Neben dem Technologiesektor fließen auch große Summen von Großinvestoren in den Berliner Immobilienmarkt. Ein gutes Beispiel dafür ist das größte "Motel ONE" Europas, das auf dem letzten noch unbebauten Grundstück am Alexanderplatz entstanden ist. Das riesige Gebäude bietet 708 Zimmer auf 19 Etagen und insgesamt 18.200 qm Nutzfläche. Hinter dem Projekt steht Mezzanine-Kapitalgeber Pegasus Capital Partners. Der Finanzier hat einen zweistelligen Millionenbetrag in den Hotelbau investiert.
Ähnliche Projekte finden sich überall in der Stadt. In Moabit entsteht beispielsweise aktuell ein Apartment-Hotel direkt an der Putlitzbrücke, das voraussichtlich 2027 eröffnen soll. Am Alexanderplatz sollen Geschäfts- und Städtereisende künftig im neuen "Voco" übernachten können. Das Hotel mit 440 Zimmern und 14.650 qm Fläche soll 2028 seine Pforten öffnen. Eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe und Gastronomie soll das aktuell in der Entwicklung befindliche Projekt "Spandauer Ufer" bieten. Einer der ersten Mieter soll das "Hilton" sein.
Geldmagnet Startups: Milliarden an Risikokapital für Berliner Gründer
Mit seiner lebendigen Startup-Szene hat Berlin noch ein weiteres Ass im Ärmel, das jedes Jahr Investitionen in Milliardenhöhe anzieht. Rund 5.000 Startups sind aktuell in der Stadt ansässig, durchschnittlich 500 kommen jedes Jahr dazu. Der Großteil des Risikokapitals geht momentan noch an FinTechs und Online-Händler, wobei die KI- und Deep-Tech-Szene stark aufholt und künftig wohl das meiste Geld einstreichen dürfte.
Warum investieren Unternehmen und Risikokapitalgeber ausgerechnet in Berlin?
Dass sowohl Startups als auch globale Investoren und Unternehmen wie Amazon und Siemens auf die Spreemetropole setzen, ist kein Zufall. Als Regierungssitz bietet Berlin kurze Wege zu Ministerien und Regulierungsbehörden. Zudem liefern die vier Unis und rund 70 Forschungseinrichtungen konstant gut ausgebildete Fachkräfte. Auch die Gehälter sind für Arbeitgeber wie ASML attraktiver, da sie (noch) unter denen in südlichen Städten wie München oder Stuttgart liegen. Bei einem Konzern mit 1.700 Beschäftigten wie ASML macht das einen spürbaren Unterschied und den Standort Berlin entsprechend attraktiv.
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Attraktive Förderungen für Investitionen
Hinzu kommt die hiesige Förderlandschaft: Über die Investitionsbank Berlin (IBB) und GRW-Mittel können sich Startups, Großkonzerne und Investoren Zuschüsse und vergünstigte Kredite für ihre Projekte sichern. Was noch für die Region Berlin/Brandenburg spricht, sind die vergleichsweise günstigen Grundstücks- und Gewerbeflächen. In Frankfurt am Main oder London muss hier deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden. Da Berlin weiterhin boomt, dürfte sich das in Zukunft aber ändern. Von diesen steigenden Immobilienpreisen profitieren jedoch Investoren in Form stabiler Renditen, die sie für ihre Objekte einfahren.
Startups und Großunternehmen ergänzen sich
Die Startup-Szene in Berlin dient Großkonzernen als nahezu unerschöpflicher Talentpool. Gleichzeitig können Unternehmen von den innovativen Ideen der Gründer profitieren und mit diesen durch die räumliche Nähe bequem zusammenarbeiten. Auf der anderen Seite können junge Startups in großen Unternehmen finanzstarke und erfahrene Partner finden, die sie bei ihrer weiteren Entwicklung unterstützen können.
Weiterführende Informationen und Quellen:
- Die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH stellt umfangreiche Informationen über den Wirtschaftsstandort Berlin für Ifvestoren zur Verfügung:
https://www.businesslocationcenter.de/wirtschaftsstandort/berlin-im-ueberblick/
Transparenzhinweis: Die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH (Fasanenstraße 85, 10623 Berlin, Telefon: 030/ 46302-500) wird durch das Land Berlin gefördert. - Der Großinvestor Pegasus Capital Partners hat das größte Motel ONE in Europa am Berliner Alexanderplatz gebaut. Ein riesiges Gebäude mit 18.200 m² Nutzfläche, 708 Zimmern auf 19 Stockwerken. Mehr Infos unter: https://www.pegasus-cp.de/mezzanine/
- Auch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (Martin-Luther-Straße 105, 10825 Berlin, Telefon: 030/ 90130) stellt auf ihrer Webseite Informationen für Startups und Investoren zur Verfügung. Zum Beispiel hier für Startups in Berlin: https://www.berlin.de/sen/wirtschaft/startups/