Glasfaserausbau in Berlin: Stand der Dinge und Vorteile der Glasfasertechnik
Text: O. K. / Letzte Aktualisierung: 18.05.2026
Trotz seiner großen Startup-Szene hat Berlin beim Internetzugang lange Zeit nicht gerade geglänzt. Während andere Metropolen wie Stockholm, Madrid oder Tallinn schon vor Jahren nahezu flächendeckend mit schneller Glasfaser versorgt waren, surften die Einwohner in der Spreemetropole noch größtenteils über Kupferleitungen, die schon seit den 1960er-Jahren in der Erde liegen. Das ändert sich gerade in rasantem Tempo. Innerhalb nur eines Jahres hat die Glasfaserversorgung in der Hauptstadt um rund 12 Prozentpunkte auf jetzt 53,4 Prozent zugelegt. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) spricht sogar von einem "Turbo-Jahr". Wir werfen einen Blick auf den aktuellen Stand des Glasfaserausbaus in Berlin.
Auf einen Blick
- Berlin legt beim Glasfaserausbau den Turbo ein. Mehr als die Hälfte der Haushalte könnten heute einen Anschluss buchen. 2022 war es noch weniger als ein Viertel.
- Glasfaser überträgt Daten per Licht durch dünne Glasfasern. Das ist um ein Vielfaches schneller als mit den oft 50 bis 60 Jahre alten Kupferleitungen.
- In der Hauptstadt treiben aktuell mehrere regionale und überregionale Anbieter den Ausbau voran, darunter die Deutsche Telekom, Vodafone/OXG und DNS:NET.
- Der Hausanschluss ist während der laufenden Ausbauphase bei den meisten Anbietern kostenlos. Wer die Frist verpasst, zahlt später drauf.
Glasfaserausbau: Wo steht Berlin aktuell?
Verglichen mit dem Rest der Republik steht Berlin aktuell gut da. Mit aktuell 53,4 Prozent liegt die Glasfaserversorgung in der Hauptstadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 42,9 Prozent. Allein im Jahr 2025 kamen 270.000 neue Anschlüsse hinzu. Besonders das zweite Halbjahr 2025 war mit einem satten Plus von 8,8 Prozentpunkten rekordverdächtig.
Allerdings verteilt sich der Ausbau sehr ungleichmäßig über das Stadtgebiet. Wer in einem der innerstädtischen Bezirke wie Mitte oder Lichtenberg wohnt, hat größere Chancen, schon jetzt an einen begehrten Glasfaseranschluss zu kommen, als jemand, der in einem Berliner Randbezirk wie Spandau oder Treptow-Köpenick lebt. Zum Vergleich: In Mitte liegt die Glasfaserversorgung aktuell bei 73 Prozent, in Spandau bei 32,7 Prozent.
Wichtig ist auch, die Zahlen richtig einzuordnen. 53,4 Prozent in Gesamt-Berlin klingt viel. Die Zahl bezieht sich allerdings nur auf die sogenannten "Homes Passed". Das bedeutet, dass die Glasfaserleitung in der Nähe eines Gebäudes verlegt wurde. Es heißt aber nicht automatisch, dass der Anschluss schon im Haus liegt oder der Hauseigentümer einen Tarif gebucht hat. Die tatsächliche Glasfaser-Nutzung liegt deutschlandweit bei nur 27 Prozent. Viele Berliner könnten also bereits Glasfaser nutzen, tun es aber nicht. Ein gar nicht so seltener Grund ist, dass viele nicht wissen, dass Glasfaser bei ihnen verfügbar ist.
Tipp:
Über den Gigabit-Monitor der Senatsverwaltung können Sie ganz einfach prüfen, wie es momentan in Ihrem Bezirk um die Versorgung mit Glasfaseranschlüssen bestellt ist.
Wer baut das Glasfasernetz in Berlin aus?
Aktuell sind in der Hauptstadt mehrere Anbieter gleichzeitig mit dem Glasfaserausbau beschäftigt. Für Berliner ist das erfreulich, da dies den Ausbau beschleunigt. Gelegentlich entsteht aber auch Verwirrung, wenn zum Beispiel mehrere Anbieter gleichzeitig oder kurz hintereinander die Straße aufreißen, um ihre Kabel in die Erde zu legen.
Der größte Anbieter ist die Deutsche Telekom. Sie hat nach eigenen Angaben bereits über 1,1 Millionen Glasfaseranschlüsse in Berlin geschaffen und ist derzeit in allen zwölf Bezirken der Hauptstadt aktiv. Bis zum Jahr 2030 sollen es nach der aktuellen Planung zwei Millionen Anschlüsse werden und das gesamte Stadtgebiet abgedeckt sein. Berlin war zudem ab 2024 eine von bundesweit zwei Testregionen für einen neuen Glasfasertarif mit bis zu 2.000 Mbit/s statt bisher 1.000 Mbit/s. Mittlerweile ist der Tarif auch in weiteren Ausbaugebieten verfügbar.
Neben der Telekom baut auch OXG, ein Joint Venture von Vodafone und Investor Altice, in mehreren Bezirken Berlins aus. Aktuell scheint der Fokus auf Lichtenberg und Pankow zu liegen, aber auch in Charlottenburg-Wilmersdorf, Marzahn-Hellersdorf und Neukölln ist der Anbieter aktiv mit dem Ausbau oder zumindest der Planung dafür beschäftigt.
Der dritte im Bunde ist der regionale Anbieter DNS:NET. Hier konzentriert man sich auf die von den großen Anbietern meist weniger beachteten Stadtrandlagen und ausgewählte Kieze wie zum Beispiel aktuell Berlin Altglienicke oder Berlin Französisch Buchholz. Der Anbieter betreibt laut eigenen Angaben sein eigenes, rund 1.500 Kilometer langes Glasfasernetz.
Die Kosten: Was wird für einen Glasfaseranschluss fällig?
Wenn Sie wie rund 80 Prozent der Berliner Mieter sind, ist der reine Anschluss ans Netz (ohne Tarif) für Sie meist kostenfrei. Die Kosten für das Verlegen muss der Hauseigentümer tragen. Allerdings gibt es auch hier eine gute Nachricht, denn während der Ausbauphase ist der Hausanschluss bei den großen Anbietern in der Regel kostenlos. Das heißt, Telekom & Co. legen das Glasfaserkabel bis ins Haus, ohne dafür einen Cent zu berechnen. Auch auf Vorrat, wenn kein Tarif gebucht wird. Wer die Ausbauphase verpasst, muss die Bauarbeiten selbst bezahlen. Hier werden schnell 800 bis 1.000 Euro, manchmal auch mehr, fällig.
Die Kosten für den Tarif liegen - je nach gewünschter Geschwindigkeit und Extras - zwischen 30 und 80 Euro pro Monat. Eine Internet-Flat und Telefon-Flat sind inklusive. Hier lohnt es sich zu vergleichen. Anbieter wie die Telekom haben oft Aktionen mit Rabatten, bei denen der Preis in den ersten Monaten vergünstigt ist. Lassen Sie sich dazu auch in den Handyshops in Berlin beraten. Die Mitarbeiter können auch gleich überprüfen, ob Glasfaser bei Ihnen anliegt bzw. geplant ist.
Tipp:
Wenn in Ihrer Straße der Glasfaserausbau anläuft, sollten Sie den kostenlosen Anschluss in jedem Fall mitnehmen. Auch, wenn Sie mit Ihrem DSL voll zufrieden sind. So liegt die Leitung einmal im Haus und lässt sich jederzeit unkompliziert aktivieren und nutzen.
Was tun, wenn Glasfaser noch nicht verfügbar ist?
Ist kein Glasfaserausbau in Sicht, lohnt es sich, den Bedarf über den Bedarfs-Monitor der Senatsverwaltung Berlin zu melden. Je mehr Haushalte in einem Gebiet ihr Interesse an einem Glasfaseranschluss signalisieren, desto schneller rückt der Ausbau voran.
Bis dahin kann das Kabelnetz eine Alternative für schnelles Internet sein. In vielen Berliner Haushalten liegt ein Kabelanschluss, über den sich ebenfalls schnelles Internet beziehen lässt. Die möglichen Geschwindigkeiten liegen hier bei bis zu 1.000 Mbit/s. Allerdings hat Kabel auch Nachteile. Der Upload ist zum Beispiel deutlich langsamer als bei Glasfaser. Zudem kann die Bandbreite in Spitzenzeiten spürbar einbrechen. Das ist für viele, die im Home-Office arbeiten ein wichtiger Punkt.
Tipp:
Registrieren Sie sich zusätzlich bei der Telekom oder einem anderen Anbieter. Sie werden dann automatisch informiert, wenn der Ausbau in Ihrem Stadtteil losgeht.
Was macht Glasfaser eigentlich so besonders?
Beim klassischen Internetanschluss in Berlin werden die Daten als elektrische Signale über Kupferkabel, die ursprünglich für das Telefon verlegt wurden, transportiert. Teilweise liegen diese Leitungen schon seit den 1960er- und 1970er-Jahren unter der Erde. Lange Zeit war das auch kein Problem. Die Datenströme, die heute durch die Leitungen fließen, sind jedoch durch Gaming, Streaming und andere Dienste um ein Vielfaches größer als noch zu den Anfängen des Internets. Das bringt die Kupferleitungen an ihre technischen Grenzen und sorgt dafür, dass viele Berliner zu Stoßzeiten mit langsamem Internet zu kämpfen haben.
Die Glasfasertechnik funktioniert nach einem komplett anderen Prinzip. Hier werden die Daten nicht als elektrische Signale durch Kupfer, sondern als Lichtsignale durch hauchdünne Fasern aus Glas von A nach B geschickt. Das Licht bewegt sich dabei nahezu verlustfrei durch die Leitung. Ganz im Gegensatz zum Kupfer, wo die Internetverbindung mit jedem zusätzlichen Meter Leitung zwischen Verteilerkasten und Wohnung spürbar langsamer wird.
Der Unterschied zeigt sich auch in Zahlen: Mit einer DSL- oder VDSL-Leitung sind in der Praxis Geschwindigkeiten von 50 bis 100 Megabit pro Sekunde möglich. Bei Glasfaser sind es durch die genannten Vorteile 1.000 Megabit pro Sekunde (1 Gigabit).
FTTC, FTTB & FTTH: Was die Glasfaser-Ausbaustufen bedeuten
Bei Glasfaseranschlüssen wird aktuell zwischen drei Ausbaustufen unterschieden:
- FTTC (Fiber to the Curb / Glasfaser bis zum Verteilerkasten)
- FTTB (Fiber to the Building / Glasfaser bis ans Haus)
- FTTH (Fiber to the Home / Glasfaser bis in die Wohnung)
FTTC
Bei dieser Variante hat der Anbieter das Glasfaserkabel bis zum Verteilerkasten gelegt. Hier endet die Leitung auch. Das letzte Stück in die Häuser und Wohnungen läuft weiter über die alten Kupferkabel. Das wirkt sich deutlich auf die mögliche Geschwindigkeit aus, die bei der Hybrid-Technologie bei maximal 250 Mbit/s und damit auf VDSL-Niveau liegt.
FTTB
Beim Fiber to the Building verlegt der Anbieter das Glasfaserkabel bis in die Verteilerbox im Keller des Hauses. Von dort wandern die Signale über die vorhandene Hausverkabelung (in Berlin meist auch als Kupferkabel) in die einzelnen Wohnungen. Durch die kürzere Distanz sind Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s (1.000 Mbit/s) möglich.
FTTH
Die beste und schnellste Lösung ist die Verlegung bis in die Wohnung. Hier legt der Anbieter die Glasfaserleitungen ins Haus und zieht sie dann bis zur Anschlussbox in der Wohnung. So ist kein Stück Kupfer mehr auf dem Weg und Geschwindigkeiten von 2,5 Gbit/s und mehr möglich. Auch Störungen, wie sie bei Kupfer oft auftreten, gehören der Vergangenheit an.
Welche Vorteile bringt ein Glasfaseranschluss?
Allen voran die Geschwindigkeit. Wer zu Hause mit mehreren Personen gleichzeitig im Netz ist (z. B. einer streamt Serien am Fernseher, ein anderer spielt Online-Games und ein Dritter hört über das Smartphone Musik), stößt mit einem DSL-Anschluss schnell an Grenzen. Die gibt es bei einem Glasfaseranschluss nicht. Hier laufen selbst sehr bandbreitenintensive Anwendungen wie 4K-Videostreams und Online-Games problemlos nebeneinander, ohne dass es zu spürbaren Rucklern oder Verbindungsabbrüchen kommt.
Dazu kommt die Stabilität. Glasfaser ist viel unempfindlicher gegen elektromagnetische Störungen, die bei Kupferkabeln immer wieder für Schwankungen sorgen. Auch die Latenz (also die Reaktionszeit der Verbindung) ist bei Glasfaser deutlich niedriger. Deshalb bietet die Technik vor allem Gamern viele Vorteile, die ihre Fähigkeiten an der Maus oder am Controller gerne mit anderen online in Spielen wie "Fortnite" oder "FIFA" messen.
Übrigens: Ein Glasfaseranschluss macht auch Häuser und Mietwohnungen attraktiver. Gerade in Berlin suchen viele junge Menschen (z. B. für Remote-Arbeit) gezielt nach einem Zuhause, in dem schnelles Glasfaser-Internet verfügbar ist. Liegt kein Anschluss im Haus, verzichtet man also auf diese oft zahlungskräftigen Mieter bzw. Käufer.
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Weiterführende Informationen und Quellen:
- Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe hat in einer aktuellen Pressemitteilung verkündet, dass der Glasfaserausbau in Berlin einen Höchstwert erreicht hat: https://www.berlin.de/sen/web/presse/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1649267.php
- Die Telekom erklärt auf ihrer Webseite was genau "FTTH" ist und welche Vorteile es bietet: https://www.telekom.de/netz/glasfaser/ftth
- Auch das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat umfangreiche Informationen zum Thema Glasfaser zusammengestellt: https://bmds.bund.de/themen/digitale-infrastrukturen/glasfaser