Plattenbauwohnungen in Berlin einrichten
Text: K. K. / Letzte Aktualisierung: 07.01.2026
Der Plattenbau gehört zum Berliner Osten wie der Fernsehturm und das Brandenburger Tor. Was früher oft als graue Betonwüste verschrien war, erlebt heute eine Renaissance. Die "Platte" bietet bezahlbaren Wohnraum mit durchdachten Strukturen und einer Infrastruktur, die in vielen Neubaugebieten ihresgleichen sucht. Wer eine Plattenbauwohnung in Berlin bezieht, steht jedoch oft vor der Herausforderung, den begrenzten Wohnraum optimal zu nutzen. Die Wohnungen in den Plattenbauten sind oft deutlich kleiner als in modernen Neubauten.
Wo stehen Berlins Plattenbauten?
Großsiedlungen in industrieller Bauweise prägen vor allem den Osten der Stadt. So wurden beispielsweise viele Plattenbausiedlungen in Marzahn-Hellersdorf, in Lichtenberg (zum Beispiel entlang der Landsberger Allee) oder auch in Treptow-Köpenick (zum Beispiel im Altglienicker Kosmosviertel rund um die Venusstraße) gebaut. Aber auch in zentralen Lagen wie rund um den Alexanderplatz oder an der Leipziger Straße in Mitte sind diese markanten Gebäude ein fester Bestandteil der Berliner Architektur.
Die meisten dieser Wohnungen folgen standardisierten Bautypen. Besonders verbreitet sind:
- WBS 70 (Wohnungsbauserie 70): Der am häufigsten gebaute Typ der DDR, bekannt für seine hohe Standardisierung. Die Gebäude haben meist 5, 6 oder 11 Geschosse.
- P2: Markant durch die oft innenliegenden Bäder und Küchen sowie die Flexibilität der Grundrisse durch weniger tragende Innenwände. Die Gebäude haben zwischen 5 und 11 Geschosse.
Warum die Platte heute noch beliebt ist
Trotz ihres Rufs sind Plattenbauwohnungen bei Familien und Singles gleichermaßen gefragt. Das liegt vor allem an den praktischen Vorzügen, die bei der Planung der Siedlungen konsequent umgesetzt wurden:
- Zentrale Lage und Anbindung: Viele Siedlungen verfügen über eine hervorragende Anbindung an das S- und U-Bahn-Netz sowie das Straßenbahnnetz (Tram).
- Barrierefreiheit: Durch vorhandene Fahrstühle sind viele Wohnungen bis ins hohe Alter oder für Familien mit Kinderwagen gut zugänglich.
- Infrastruktur: Schulen, Kindergärten und Einkaufsmöglichkeiten wurden damals direkt mit eingeplant und befinden sich meist in unmittelbarer Nähe.
- Komfort: Merkmale wie Müllschlucker in den Etagenfluren (wo noch in Betrieb) oder Loggien erhöhen den Wohnwert.
- Gepflegter Zustand: Ein Großteil der Bestände wird von großen Wohnungsbaugesellschaften (wie der HOWOGE oder degewo) oder Genossenschaften verwaltet. Diese sorgen meist für eine regelmäßige Sanierung der Fassaden, Steigeleitungen und Pflege der Außenanlagen.
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Schon gewusst?
Berlins Plattenbau-Geschichte begann lange vor der DDR: Ab 1926 entstand in Friedrichsfelde mit der Splanemann-Siedlung der weltweit wohl erste Plattenbau. Der damalige Baustadtrat Martin Wagner und der Architekt Wilhelm Primke nutzten damals erstmals vorgefertigte Betonbauteile, um Wohnungsnot effizient zu lindern. Heute steht die Siedlung unter Denkmalschutz.
Die Plattenbauwohnung geschickt einrichten
Typische Plattenbauwohnungen sind funktional, aber oft kompakt geschnitten. Ein klassisches Beispiel ist die 3-Zimmer-Wohnung mit ca. 61 Quadratmetern. Die Zimmer sind meist quadratisch oder rechteckig, was das Stellen von Möbeln erleichtert. Dennoch gilt es, Besonderheiten wie die geringe Deckenhöhe von ca. 2,50 m oder die fensterlosen Küchen und Bäder bei der Planung zu berücksichtigen. Mit den folgenden Tipps lassen sich Plattenbauwohnungen geschickt einrichten.
Helligkeit und Farben: Weite schaffen
Da viele Plattenbauwohnungen über durchgehende Fensterfronten verfügen, fällt oft viel Licht ins Wohnzimmer. Um dieses zu erhalten, sollten Sie auf schwere Vorhänge verzichten und stattdessen auf transparente Stoffe oder Plissees setzen.
- Farbwahl: Nutzen Sie für Wände und große Möbelstücke helle Töne wie Off-White, helles Grau oder Pastellfarben. Dunkle Farben sollten nur als Akzente gesetzt werden, da sie die niedrigen Deckenhöhen optisch weiter absenken können.
- Spiegel: Ein großer Spiegel gegenüber dem Fenster reflektiert das Tageslicht und lässt einen 16-Quadratmeter-Raum deutlich größer wirken.
Die Küche: Funktionalität auf engem Raum
In der WBS 70-Serie ist die Küche oft schmal und fensterlos. Hier ist Effizienz gefragt.
- Vertikaler Stauraum: Nutzen Sie die gesamte Wandhöhe aus. Hängeschränke, die bis zur Decke reichen, bieten Platz für Dinge, die Sie nur selten benötigen (wie das Fondue-Set oder Backformen).
- Klappbare Lösungen: Ein Wandklapptisch ersetzt den wuchtigen Esstisch. Wenn nicht gegessen wird, verschwindet er an der Wand und macht Platz zum Kochen.
- Licht: Da Tageslicht fehlt, ist ein Lichtkonzept aus mehreren Quellen wichtig. Unterbauleuchten für die Arbeitsfläche und eine helle Deckenleuchte mit tageslichtähnlichem Spektrum verhindern eine düstere Atmosphäre.
- Weitere Tipps finden Sie in unserem Artikel Die Küche als Lebensmittelpunkt
Das Bad: Wellness ohne Fenster
Ähnlich wie die Küche sind auch die Bäder meist innenliegend und klein.
- Glas statt Duschvorhang: Eine transparente Duschwand aus Glas lässt den Raum offen wirken. Ein Duschvorhang hingegen wirkt wie eine zusätzliche Wand und verkleinert das Bad optisch.
- Nischen nutzen: Über der Toilette oder über der Tür lassen sich oft schmale Regale anbringen, die Stauraum für Handtücher bieten.
Das Wohnzimmer: Multifunktionalität ist Trumpf
In einer kleinen Wohnung muss das Wohnzimmer oft mehrere Funktionen erfüllen: Entspannung, Essbereich und manchmal auch Homeoffice.
- Raumtrenner: Nutzen Sie offene Regale als Raumtrenner. Sie schaffen Struktur, ohne das Licht zu blockieren.
- Schlafsofas: Da in kompakten Grundrissen oft kein separates Gästezimmer vorhanden ist, bietet ein hochwertiges Schlafsofa die nötige Flexibilität. Es ermöglicht die doppelte Nutzung des Wohnraums, ohne dass ein dauerhaftes Bett wertvolle Stellfläche beansprucht.
- Ausziehbare Tische: Ein kompakter Esstisch, der bei Bedarf für sechs Personen ausgezogen werden kann, ist gut für die quadratischen Wohnzimmer-Grundrisse geeignet.
Das Schlafzimmer: Stauraum geschickt nutzen
Schlafzimmer im Plattenbau sind oft schmal geschnitten, sodass neben dem Kleiderschrank und dem Bett kaum Platz für Kommoden bleibt.
- Stauraum unter dem Bett: Nutzen Sie den Platz unter dem Bett konsequent aus. Falls das Bett keinen Bettkasten hat, sind flache Rollboxen oder spezielle Unterbettkommoden aus Kunststoff oder Stoff hilfreiche Lösungen. Diese lassen sich einfach unter das Gestell schieben. Hier lassen sich Winter- und Sommerkleidung, Bettwäsche oder Decken gut verstauen. Vakuumbeutel helfen dabei, das Volumen der Kleidung zusätzlich zu reduzieren, sodass noch mehr in die Boxen passt.
- Überbau-Schränke: Wenn der Platz für einen breiten Kleiderschrank nicht reicht, können Schrankelemente über dem Kopfende des Bettes wertvollen Platz schaffen.
Das Kinderzimmer: In die Höhe bauen
Das Kinderzimmer ist oft der kleinste Raum. Um dennoch Platz zum Spielen, Lernen und Schlafen zu schaffen, ist die vertikale Raumausnutzung entscheidend.
- Hochbetten: Ein Hochbett ist eine effektive Lösung für kleine Kinderzimmer. Durch die erhöhte Liegefläche wird der Bodenbereich frei.
- Schreibtisch unter dem Bett: Unter dem Hochbett lässt sich ein vollwertiger Arbeitsbereich mit Schreibtisch und Regalen einrichten. So bleibt der Rest des Zimmers als freie Spielfläche erhalten.
- Stauraumtreppen: Viele moderne Hochbetten nutzen die Stufen zum Bett als kleine Schubladen. Das ist eine praktische Möglichkeit, Spielzeug oder Schulsachen diskret unterzubringen.
Flur und Nischen: Versteckter Stauraum
Die Flure im Plattenbau sind oft die "heimlichen Helden" der Wohnung. Viele verfügen über kleine Nischen oder Einbauschränke ab Werk.
- Maßarbeit: Nutzen Sie nischen für passgenaue Regalsysteme. Hier können Staubsauger, Bügelbrett und Putzutensilien diskret verstaut werden.
- Schmale Schuhschränke: Setzen Sie auf flache Schuhkipper, um den Durchgang im Flur nicht zu blockieren.
- Hakenleisten: Statt einer wuchtigen Garderobe helfen mehrere Hakenleisten auf unterschiedlichen Höhen (auch für die Kinder), den Boden frei zu halten.
Der Plattenbau ist somit weit mehr als nur ein Relikt vergangener Zeiten. Mit multifunktionalen Möbeln, einem klugen Lichtkonzept und der konsequenten Nutzung von Nischen verwandeln Sie die standardisierten Grundrisse in ein individuelles und gemütliches Zuhause mitten in Berlin.
Weiterführende Informationen und Quellen:
- Die Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH hat eine DDR WBS 70 Musterwohnung eingerichtet. Hier können Sie sich sonntags von 14:00 Uhr bis 16:00 Uhr anschauen wie die DDR Bürger ihre meist kleinen Wohnungen eingerichtet haben. Adresse: Museumswohnung WBS 70, Hellersdorfer Str. 179, 12627 Berlin, Im Internet: https://stadtundland.de/unternehmen/museumswohnung
- Außer in den vielen Berliner Möbelhäusern können Sie auch in regionalen Online Möbelgeschäften platzsparende Möbel kaufen. Zum Beispiel bei der Compleo 24 GmbH. Der Firmensitz ist im Landkreis Märkisch-Oderland in 15328 Küstriner Vorland. Online unter: https://compleo24.de/ erreichbar. Neben modernen Schlafsofas gibt es hier auch klappare Schreibtische und platzsparende, ausziehbare Esstische.
- Auch in der Berliner Zeitung gibt es einen sehr informativen Artikel zum Wohnen im Plattenbau in der DDR: https://www.berliner-zeitung.de/.../wie-ein-plattenbau-das-wohnen-in-der-ddr-revolutionierte-li.224287