Solarstrom-Boom in Berlin und Brandenburg: Diese Anlagen lohnen sich für private Nutzer

Text: O. K. / Letzte Aktualisierung: 21.054.2026

Solaranlagen auf Berlin Dächern
Auf vielen Dächern in Berlin finden sich Solaranlagen wie hier in Mitte - Foto: © Panama - stock.adobe. com

Berlin und Brandenburg haben einen Platz an der Sonne. Und das im wahrsten Wortsinne. Mit durchschnittlich mehr als 1.750 Sonnenstunden pro Jahr sind die beiden Bundesländer beim Sonnenschein absolute Spitze in Deutschland. [ 1 ] Das freut nicht nur viele Sonnenanbeter, sondern offensichtlich auch die Betreiber von Solaranlagen. Denn trotz der mittlerweile stark gekürzten Einspeisevergütung boomt das Erzeugen von Solarstrom in der Hauptstadtregion. In Berlin hat sich die installierte Solarleistung beispielsweise von 200 Megawatt im Jahr 2022 auf aktuell 474 Megawatt mehr als verdoppelt. Ein klares Zeichen pro Solarstrom. Gründe für die ungebrochen hohe Nachfrage sind u. a. günstige Anlagenpreise, regionale Förderungen und die immer vielfältigeren Anlageformen, mit denen sich heute PV-Strom erzeugen lässt.

Auf einen Blick

  • Die Einspeisevergütung ist zuletzt stark gesunken. Dank der günstigen Anlagenpreise und anhaltend hohen Strompreise lohnt sich eine Solaranlage aber weiterhin.
  • Für Mieter und Wohnungseigentümer sind Balkonkraftwerke eine gute Option. Eigenheimbesitzer profitieren nach wie vor am meisten von einer Dachanlage.
  • Wer abseits von Dach und Balkon Solarstrom erzeugen möchte, kann auch seinen Carport mit Solarmodulen ausrüsten oder sich ein Solarterrassendach installieren.
  • Solarterrassendächer und Carport-Solaranlagen werden gefördert wie klassische Dachanlagen, einschließlich des Nullsteuersatzes (Wegfall der Mehrwertsteuer)

Solaranlage: Lohnt sich das im Jahr 2026 noch?

Als im Jahr 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft trat, konnten Hausbesitzer für jede von ihrer Solaranlage ins öffentliche Netz eingespeiste Kilowattstunde Strom 50 Cent einstreichen. Im Jahr 2004 waren es sogar 57,4 Cent. Und das ab Anmeldung der Solaranlage für 20 Jahre. Ein lukratives Geschäft. Zum Vergleich: Die Kilowattstunde aus der Steckdose kostete damals nur 13,94 Cent. Bei diesen Zahlen war klar, dass die meisten Hausbesitzer ihren Solarstrom lieber ins Netz einspeisten als ihn selbst zu nutzen.

Heute funktioniert das Modell, das Dach bis zur letzten Pfanne mit Solarmodulen einzudecken, alles ins Netz einzuspeisen und die nächsten 20 Jahre zu kassieren, nicht mehr. Die Einspeisevergütung liegt 2026 bei nur noch rund 8 Cent pro Kilowattstunde und fällt weiter. Wer sich also nur für die Einspeisung eine Anlage installiert, kommt nicht mehr auf seine Kosten. Was sich hingegen lohnt, ist die Eigennutzung des Stroms.

Die Kilowattstunde Strom aus dem Netz kostet Haushalte in Berlin und Brandenburg heute nämlich etwa dreimal so viel wie damals. Ein Grund dafür sind die vielen Krisenherde in der Welt (Ukraine, Iran). Der selbst erzeugte Strom vom Dach hingegen nur 8 bis 12 Cent. Wer seinen Solarstrom direkt im Haus verbraucht (mit einem Stromspeicher ist das heute rund um die Uhr möglich), spart pro Kilowattstunde 25 bis 30 Cent.

Dazu kommen steuerliche Vorteile. Seit Januar 2023 entfällt beim Kauf kleiner privater PV-Anlagen (bis 30 Kilowatt-Peak) die Mehrwertsteuer. Die Einnahmen aus der Einspeisung und Eigennutzung sind zudem einkommensteuerfrei. Und neben der klassischen Aufdach-Anlage gibt es heute für jedes Budget und jede Wohnsituation individuelle Anlagen, mit denen praktisch jeder - ob Mieter oder Eigentümer - von der Solarenergie profitieren kann.

Tipp:
Die Spreemetropole bezuschusst seit dem 8. Januar 2026 wieder private Solaranlagen über das Programm "SolarPLUS". Möglich sind Förderungen bis zu 30.000 Euro, je nach Gebäudeart. Gefördert werden u. a. PV-Anlagen und Stromspeicher. [ 3 ] Alternativ oder auch ergänzend bietet die KfW zinsgünstige Kredite.

Ein Balkonkraftwerk in Berlin
Viele Berliner haben Solarpanels auf oder an ihrem Balkon, ob es immer schön aussieht? - Symbolbild: © U. J. Alexander - stock.adobe. com

Klassiker mit dem höchsten Ertrag: Die Aufdach-Solaranlage

Die klassische PV-Anlage auf dem Dach ist auch 2026 in Berlin und Brandenburg der Renner bei der privaten Solarstromerzeugung. Der Ertrag der Anlagen ist mit Abstand am höchsten. Für ein typisches Neubau-Einfamilienhaus im Berliner Umland oder einen Altbau mit Satteldach reicht in der Regel eine Anlage mit einer Leistung von 8 bis 12 kWp aus, um den Jahresstrombedarf einer vierköpfigen Familie zu decken. Die Investitionskosten liegen dabei zwischen 1.200 und 1.600 Euro pro kWp, Wechselrichter und Montage vom Fachmann schon inbegriffen. Ein Stromspeicher mit rund 8 kWh Kapazität, mit dem sich der erzeugte Strom rund um die Uhr nutzen lässt, schlägt nochmal mit 6.000 bis 9.000 Euro zu Buche.

Vor der Installation gibt es allerdings ein paar Punkte zu beachten. Die Ausrichtung des Dachs sollte idealerweise gen Süden, Südost oder Südwest sein. Reine Nordlagen eignen sich eher nicht. Zudem sollte die Dachneigung zwischen 30 und 45 Grad liegen. So trifft die Sonne im günstigsten Winkel auf die Module und sie liefern den maximal möglichen Ertrag. Flachdächer sind übrigens kein KO-Kriterium für die Solarnutzung. Mit einer sogenannten Aufständerung lassen sich die Module auch hier optimal zur Sonne ausrichten.

Ganz wichtig: Schon ein einziger Baum kann den Ertrag deutlich reduzieren, wenn er mittags oder am Nachmittag ungünstige Schatten auf die Module wirft. Bei der Planung der PV-Anlage heißt es deshalb genau hinzuschauen und auch auf die Umgebung zu achten. Übrigens können Sie eine PV-Anlage mit einer Wärmepumpe koppeln. Mehr Infos finden Sie in unserem Artikel: Wärmepumpen in Berlin

Tipp:
Ob sich Ihr Dach grundsätzlich für Solarstrom eignet, lässt sich gut mithilfe des Solaratlas der Berliner Senatsverwaltung herausfinden. Für das benachbarte Brandenburg gibt es mit dem Solaratlas Brandenburg ein ähnliches Angebot.

Einstieg für Mieter und Wohnungseigentümer: Das Balkonkraftwerk

Wer bei der Autofahrt durch Berlin oder Brandenburg links und rechts schaut, dem fallen die Solarmodule an Balkonen und auf Terrassen auf. Diese Balkonkraftwerke haben sich in den letzten Jahren zu einem Massenphänomen entwickelt, weil sie einen preisgünstigen und vor allem unkomplizierten Einstieg in die Solarstromnutzung ermöglichen. Ein eigenes Dach ist dazu nicht notwendig. Alles, was man braucht, ist ein freies Plätzchen für die Module am Balkon oder der Fassade und eine freie Schuko-Steckdose. Der Rest läuft von allein.

Der mit den Modulen erzeugte Strom fließt direkt ins Hausnetz und deckt zum Beispiel den Bedarf des laufenden Kühlschranks oder von Geräten wie Router, Laptop, Wasserkocher oder Toaster ab. Pro Jahr ist so bei optimaler Ausrichtung und vielen Sonnenstunden (in Berlin und Brandenburg praktisch garantiert) eine Einsparung von 200 bis 400 Euro möglich. Mit Stromspeicher sogar noch mehr, da der Strom auch später noch genutzt werden kann.

Die Anschaffungskosten (ohne zusätzlichen Speicher) sind vergleichsweise gering. Je nach Set und Leistung liegen diese zwischen 200 und 800 Euro. Unter idealen Bedingungen hat sich die Investition so nach etwa zwei bis vier Jahren amortisiert.

Gut zu wissen:
Bei Balkonkraftwerken handelt es sich seit einer Gesetzesänderung im Oktober 2024 um eine privilegierte bauliche Veränderung. Heißt im Klartext: Wenn Sie Mieter sind, darf Ihr Vermieter die Montage des Kraftwerks nur in Ausnahmefällen ablehnen.

Handwerker installieren ein Solarterrassendach
Auf einem Terrassendach ist viel Platz für Solarpanels - Symbolbild: © Marina Lohrbach - stock.adobe. com

Schatten, Licht und Strom zugleich: Das Solarterrassendach

Eine Sonderform bei der Solarstromerzeugung, die wie das Balkonkraftwerk in den letzten Jahren an Beliebtheit gewonnen hat, ist das Solarterrassendach. Anders als bei einer Solar-Anlage auf dem Dach werden hier keine lichtundurchlässigen Module auf ein bestehendes Dach gesetzt. Stattdessen bestehen die Flächen selbst aus in das Glas bzw. den Kunststoff integrierten Zellen, die das Licht durchscheinen lassen. [ 2 ]

Die Terrasse ist damit gleichzeitig vor Regen geschützt und produziert bei Sonnenschein Strom, ohne dass dafür auf angenehmes Tageslicht verzichtet werden muss. Interessant ist diese Lösung vor allem für Hausbesitzer, die ihre Terrasse ohnehin neu gestalten wollen und ganz nebenbei von den Möglichkeiten des Solarstroms profitieren möchten.

Je nach Größe des Solarterrassendachs sind Anlagen mit 3 bis 8 kWp drin. Eine clevere Lösung sind die Dächer auch für denkmalgeschützte Altbauten in Berlin (z.B. in Mitte, Prenzlauer Berg, Neukölln). Hier lassen sich Aufdach-Anlagen oder Balkonkraftwerke auf Fassaden nicht ohne Weiteres anbringen.
Gut zu wissen: Die meisten staatlichen und regionalen Förderungen sowie der aktuelle Nullsteuersatz gelten auch beim Kauf und Betrieb eines Solarterrassendachs.

Auch Garagen, Carports und Gärten werden in Berlin und Brandenburg genutzt, um Solarstrom zu erzeugen

Neben Dach, Balkon und Terrasse gibt es rund um das Haus noch weitere Flächen, die sich für die Erzeugung von Solarstrom nutzen lassen. Ein gutes Beispiel ist ein Solarcarport, der neben seiner Schutzfunktion für das Auto vor Wind und Wetter gleichzeitig Strom produziert. Besonders praktisch ist das in Kombination mit einer Wallbox und einem Stromspeicher. So fließt der mit den Modulen auf dem Carport erzeugte Strom direkt ins eigene E-Auto. Fertige Solarcarports für ein Auto sind schon zwischen 8.000 und 15.000 Euro erhältlich.

Es muss aber nicht gleich ein brandneuer Carport sein. Die flachen Dächer bestehender Garagen lassen sich mit einer Aufständerung wie beim Haus-Flachdach ebenso gut für die umweltfreundliche Solarstromerzeugung nutzen. Oft ist das sogar günstiger. Eine Garagen-PV-Anlage mit 2 bis 3 kWp lässt sich zum Beispiel schon für 3.000 bis 6.000 Euro umsetzen.

Auch im Garten gibt es viele Möglichkeiten. Die Dächer von Gartenhäusern bieten zum Beispiel häufig Platz für 1 bis 2 Module, mit denen sich (in Kombination mit einem Speicher) der Strombedarf für die Gartenbeleuchtung und elektrische Gartengeräte decken lässt. Die zwei sprichwörtlichen Fliegen mit einer Klappe lassen sich mit einem PV-Zaun schlagen. Dieser dient als Sichtschutz und Grundstücksbegrenzung und erzeugt gleichzeitig über die vertikal montierten Solarmodule Strom. Und das vor allem morgens und abends sowie in den Wintermonaten, wenn eine klassische Aufdach-Anlage weniger Ertrag liefert.

Tipp:
Speziell für Kleingärten in Berlin bietet sich eine Inselanlage an. Sie besteht aus einem oder mehreren kleinen Solarmodulen und einem eigenen Akku. Mit dem erzeugten Strom lassen sich zum Beispiel Teichpumpen, Radio und Beleuchtung betreiben. Einen Stromanschluss (wie z. B. beim Balkonkraftwerk) besitzen die Anlagen jedoch nicht.

Ein Carport mit Solardach
Ein Carport mit Solardach ist ideal für E Auto Besitzer - Symbolbild: © VeugerStock - stock.adobe. com

Worauf Sie vor und nach der Installation achten sollten

Damit Ihr Solarprojekt am Ende auch hält, was Sie sich davon erhofft haben, sollten Sie sowohl vor als auch nach der Installation einige Dinge beachten.

  • Genehmigung einholen
    Bei sehr großen Anlagen und PV-Systemen auf bzw. an denkmalgeschützten Gebäuden kann im Vorfeld eine Genehmigung erforderlich sein. Im Zweifel sollten Sie einfach kurz telefonisch bei Ihrem zuständigen Bauamt bzw. der Denkmalschutzbehörde in Berlin oder Brandenburg nachfragen. So erleben Sie später keine Überraschungen.
  • Vermieter fragen
    Gegen die Installation von Balkonkraftwerken können sich Vermieter zwar nicht mehr generell sperren. Gefragt werden müssen sie dennoch im Vorfeld. Ablehnen dürfen sie nur, wenn beispielsweise Sicherheitsrisiken bestehen, Fassade und Geländer beschädigt werden könnten, die Hauselektrik veraltet ist oder der Mieter keine Haftpflichtversicherung hat.
  • Fachgerechte Installation
    Bei Solaranlagen ab 600 Watt Leistung aufwärts sollte die Installation generell durch einen Fachbetrieb erfolgen. In Berlin und Brandenburg gibt es zahlreiche spezialisierte Firmen, die sowohl die Montage als auch häufig die Formalitäten wie die Anmeldung übernehmen.
  • Anlage anmelden
    Ist Ihre Solaranlage mit dem öffentlichen Stromnetz gekoppelt, müssen Sie sie innerhalb eines Monats im Marktstammdatenregister anmelden. Das gilt auch für Balkonkraftwerke. Tun Sie das nicht, drohen im Ernstfall bis zu 50.000 Euro Bußgeld.
  • Gebäudeversicherung informieren
    Damit Schäden an Ihrer Solaranlage versichert sind, sollten Sie frühzeitig Ihre Gebäudeversicherung über die Installation informieren. In den meisten Tarifen sind heute Solaranlagen bis zu einem gewissen Höchstsatz mit abgedeckt.
  • Tipp:
    Damit Ihre Anlage dauerhaft den maximal möglichen Ertrag bringt, sollten Sie sie regelmäßig reinigen (lassen). In Berlin sorgen Feinstaub und Ruß, in Brandenburg der starke Pollenflug für eine Schicht auf den Modulen, die den Ertrag um 20 bis 30 Prozent mindern kann. In der Regel reicht eine Reinigung alle 1 bis 3 Jahre (je nach Lage) aus.

Weiterführende Informationen und Quellen:

Wohnen in Berlin:

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