Wohnung kühl halten - Beschattung und Hitzeschutz für Berliner Mietwohnungen
Text: Tkni / Letzte Aktualisierung: 30.03.2026
Berlin rüstet sich gegen die Hitze
Als der Berliner Senat im November 2025 den landesweiten Hitzeaktionsplan beschloss, war das mehr als eine politische Geste. Seit etwa 2023 richten die Bezirke sogenannte kühle Räume ein - in Kirchen, Nachbarschaftstreffs und Seniorenfreizeitstätten. Im Sommer 2025 veröffentlichte die Senatsgesundheitsverwaltung ein eigenes Hitzeschutzportal mit einer "Kühle-Orte-Karte", auf der diese Anlaufstellen abrufbar sind. Ob das wirklich sinnvoll ist und ob das von den Berlinern angenommen wird, muss sich in den kommenden Jahren zeigen. Denn ganz neu sind Sommertemperaturen von über 30 Grad ja auch nicht.
Aber natürlich gibt es sinnvolle Maßnahmen, um die eigene Wohnung möglichst kühl zu halten. Wer zur Miete wohnt, hat zwar nicht dieselben Möglichkeiten wie Eigentümer - aber deutlich mehr, als viele denken. Von Beschattungssystemen über cleveres Lüften bis zu Sonnenschutzfolien: Es gibt wirksame Maßnahmen gegen die Aufheizung, und viele davon lassen sich auch ohne Genehmigung des Vermieters umsetzen. Im Zweifel aber immer vorab einen Anwalt fragen.
Warum Berliner Wohnungen besonders hitzeanfällig sind
Berlin ist eine Wärmeinsel. Im langjährigen Mittel liegen die Temperaturen in der Innenstadt rund drei Grad über denen am Stadtrand. An Spitzentagen kann dieser Unterschied auf bis zu zehn Grad ansteigen - vor allem abends und nachts, wenn sich Asphalt, Fassaden und Dächer die tagsüber gespeicherte Wärme wieder an die Umgebung abgeben. Die Folge: Während es draußen vor der Stadt längst abkühlt, steht die Hitze in Mitte, Kreuzberg oder Neukölln buchstäblich in den Straßen.
Hinzu kommt die Bausubstanz. Berliner Altbauten mit ihren großen, oft nach Süden oder Westen ausgerichteten Fensterflächen lassen viel Licht herein - und damit viel Wärme. Plattenbauten wiederum heizen sich über die Fassaden auf, und Dachgeschosswohnungen, die in den letzten Jahrzehnten vielfach ausgebaut wurden, werden im Sommer regelmäßig zu den heißesten Wohnungen der Stadt. Temperaturen von über 30 Grad in der Wohnung sind dort keine Seltenheit, selbst wenn es draußen schon längst kühler geworden ist.
Wer einen der begehrten Kleingärten in Berlin hat, kann der aufgeheizten Stadtwohnung an heißen Tagen wenigstens für ein paar Stunden entfliehen - viele Kolonien liegen am Stadtrand, wo es spürbar kühler ist als in den dicht bebauten Innenstadtbezirken. Für die eigene Wohnung braucht es aber andere Lösungen.
Außenliegender Sonnenschutz wie Markisen und Rollläden als wirksamste Einzelmaßnahme
Die Physik ist eindeutig: Sonnenstrahlen, die durch Fensterglas in den Raum gelangen, werden von Möbeln, Böden und Wänden absorbiert und als Wärmestrahlung wieder abgegeben. Normales Fensterglas lässt diese langwellige Wärmestrahlung aber nicht mehr nach draußen - der Raum heizt sich auf wie ein Treibhaus. Ein außenliegender Sonnenschutz unterbricht diesen Effekt an der entscheidenden Stelle: Er fängt die Strahlung ab, bevor sie überhaupt auf das Glas trifft. Außenliegende Systeme halten nach Fachquellen rund 75 bis 80 Prozent der Sonnenwärme ab. Innenliegende Varianten schaffen lediglich 15 bis 25 Prozent, weil die Wärmeenergie dann bereits im Raum ist.
- Rollläden sind dort, wo sie vorhanden sind, der einfachste und effektivste Schutz. In vielen Berliner Altbauten fehlen sie allerdings. Nachrüstbare Vorbaurollläden lassen sich auch nachträglich montieren, erfordern jedoch die Zustimmung des Vermieters und einen Eingriff in die Fassade.
- Außenjalousien (Raffstores) bieten den Vorteil, dass sich die Lamellen stufenlos verstellen lassen. So kann Tageslicht in den Raum gelenkt werden, ohne dass die direkte Sonneneinstrahlung die Wohnung aufheizt. Sie gehören zu den effektivsten Systemen, sind aber ebenfalls mit einer festen Montage an der Fassade verbunden.
- Senkrechtmarkisen (Textilscreens) werden außen vor dem Fenster geführt und bestehen aus einem speziellen Gewebe, das Sonnenstrahlung reflektiert, aber den Blick nach draußen erhält. Für Mietwohnungen kommen sie vor allem dann in Frage, wenn der Vermieter eine Nachrüstung genehmigt.
- Gelenkarmmarkisen sind der Klassiker für Balkone und Terrassen. Zwei seitliche Gelenkarme spannen das Markisentuch beim Ausfahren straff auf und erzeugen so eine große Schattenfläche. Der Vorteil gegenüber einem Sonnenschirm: Die Beschattung ist gleichmäßig, windstabiler und lässt sich stufenlos regulieren. Gelenkarmmarkisen werden in der Regel an der Wand oder Balkondecke verschraubt, was in einer Mietwohnung die schriftliche Genehmigung des Vermieters erfordert. Dafür halten sie bei guter Qualität viele Jahre und steigern den Nutzwert des Balkons erheblich.
- Klemmmarkisen und Fallarmmarkisen sind für Balkone die mieterfreundlichste Lösung. Klemmmarkisen werden zwischen Boden und Balkondecke eingespannt, ohne Bohrung in die Fassade. Sie gelten mietrechtlich in der Regel nicht als bauliche Veränderung, da die Bausubstanz unberührt bleibt. Trotzdem ist es ratsam, den Vermieter vorab zu informieren - insbesondere bei Farbvorgaben oder Denkmalschutzauflagen.
Hinweis
Wer eine fest montierte Markise oder Außenjalousie anbringen möchte, sollte den Vermieter vorab schriftlich um Genehmigung bitten - am besten mit einem Angebot einer Fachfirma, das die geplante Befestigungsart und Farbgebung zeigt. Vermieter können die Zustimmung unter anderem aus Gründen des Denkmalschutzes oder wegen einer erheblichen optischen Beeinträchtigung der Fassade verweigern. Bei Auszug ist der Mieter in der Regel verpflichtet, den Ausgangszustand wiederherzustellen. Wer unsicher ist, lässt sich vorab beim Berliner Mieterverein beraten.
Innenliegender Sonnenschutz: sinnvoll, aber mit Grenzen
Was auf der Innenseite des Fensters hängt, schützt vor Blendung und neugierigen Blicken - gegen Wärme hilft es aber nur eingeschränkt. Der Grund: Sobald die Sonnenstrahlung das Glas passiert hat, ist die Wärmeenergie im Raum. Ein innenliegendes Rollo oder ein Vorhang kann einen Teil davon reflektieren, aber ein Großteil bleibt. Trotzdem lohnt sich innenliegender Sonnenschutz als Ergänzung oder als Übergangslösung, wenn ein Außenschutz nicht möglich ist.
- Thermorollos mit reflektierender Rückseite gehören zu den wirksamsten innenliegenden Varianten. Die silber- oder aluminiumbeschichtete Rückseite reflektiert einen Teil der Strahlung zurück durch das Glas. Gleichzeitig verdunkeln sie den Raum, was in Schlafzimmern willkommen, im Wohnzimmer tagsüber aber unpraktisch ist.
- Plissees mit Perlmutt- oder Aluminiumbeschichtung haben eine ähnliche Wirkung, lassen sich aber flexibler positionieren, da sie am Fenster von oben und unten frei verschiebbar sind. So kann der untere Teil des Fensters beschattet werden, während oben noch Tageslicht einfällt.
- Helle Vorhänge aus dichtem Stoff reflektieren zumindest einen kleinen Teil der Strahlung. Wer dunkle Vorhänge hat, sollte sie im Sommer gegen helle austauschen - der Unterschied ist spürbar.
Sonnenschutzfolien: unauffällig und nachrüstbar
Wer weder außen noch innen Platz für Beschattungssysteme hat - etwa bei großen Fensterfronten ohne Rollladenkasten - kann auf Sonnenschutzfolien zurückgreifen. Diese dünnen Folien werden direkt auf die Glasscheibe aufgebracht und reduzieren den Wärmeeintrag, indem sie Infrarotstrahlung reflektieren. Gute Folien halten bis zu 80 Prozent der Sonnenwärme ab, je nach Tönungsgrad und Beschichtung.
Es gibt zwei Grundtypen: statisch haftende Folien, die ohne Kleber auf der Scheibe halten und sich rückstandslos entfernen lassen, sowie fest verklebte Folien mit höherer Lebensdauer. Für Mietwohnungen sind die statisch haftenden Varianten naheliegend, da sie beim Auszug problemlos abgenommen werden können.
Der Nachteil: Je stärker die Folie die Sonnenwärme abhält, desto weniger Tageslicht gelangt in den Raum. An bewölkten Tagen und im Winter kann das die Wohnung merklich verdunkeln. Wer sich für eine Folie entscheidet, sollte vorher Muster bestellen und testen, wie sich die Lichtdurchlässigkeit im Alltag anfühlt.
Richtiges Lüften: die Grundlage jeder Strategie
Beschattung wirkt am besten in Kombination mit einem durchdachten Lüftungsverhalten. Die wirksamste Methode ist das Querlüften in den kühlen Stunden: nachts und am frühen Morgen, solange die Außentemperatur unter der Innentemperatur liegt. Wer gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen kann, erzeugt Durchzug und senkt die Raumtemperatur innerhalb kurzer Zeit deutlich.
Auf vielen Ratgeberseiten findet man den Hinweis, die Fenster tagsüber komplett geschlossen zu halten. In der Praxis führt das allerdings dazu, dass sich die Wärme in der Wohnung staut und die Luft steht - gerade in Räumen ohne Klimaanlage ist das auf Dauer unangenehm. Wer die Fenster bei heruntergelassener Beschattung in Kippstellung lässt, holt sich zwar keine kühle Luft herein, sorgt aber für eine leichte Luftbewegung. Das macht die Hitze erträglicher, auch wenn es die Temperatur nicht senkt.
Weitere Maßnahmen für die Mietwohnung
- Jedes Elektrogerät, das läuft, gibt Wärme ab. Computer, Backöfen, Wäschetrockner, aber auch herkömmliche Glühbirnen und Halogenlampen heizen den Raum zusätzlich auf. An heißen Tagen lohnt es sich, Geräte konsequent auszuschalten statt im Standby laufen zu lassen, die Wäsche draußen zu trocknen und den Herd möglichst selten zu benutzen. (Weitere Energiespartipps)
- Ventilatoren kühlen die Luft nicht, erzeugen aber einen Luftstrom auf der Haut, der die gefühlte Temperatur um mehrere Grad senken kann. Decken- und Standventilatoren verbrauchen dabei deutlich weniger Strom als mobile Klimageräte.
- Mobile Klimageräte (Monoblock) sind in Berliner Mietwohnungen verbreitet. Sie kühlen die Raumluft herunter und leiten die entstehende Abwärme über einen Schlauch nach draußen, der meist durch ein gekipptes Fenster geführt wird. Das funktioniert, verbraucht aber viel Strom - oft 800 bis 1.200 Watt im Betrieb. Wer sich ein solches Gerät anschafft, sollte auf die Energieeffizienzklasse achten. Fest installierte Klimaanlagen mit einem Außengerät an der Fassade arbeiten deutlich sparsamer, erfordern aber eine Wanddurchführung und damit die Genehmigung des Vermieters.
- Balkonbegrünung kann zur natürlichen Beschattung beitragen. Kletterpflanzen wie Wilder Wein, Clematis oder Blauregen an einem Rankgitter vor dem Fenster filtern Sonnenlicht und verdunsten Wasser, was die Umgebungstemperatur senkt. Der Effekt ist bei gut bewachsenen Fassaden oder Balkonen durchaus messbar, braucht aber Zeit - eine Saison sollte man mindestens einplanen.
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Sonderfall Dachgeschoss
Dachgeschosswohnungen sind im Berliner Sommer ein eigenes Kapitel. Die Sonne strahlt hier nicht nur durch die Fenster, sondern heizt über die gesamte Dachfläche den Raum von oben auf. Selbst bei geschlossenen Fenstern und heruntergelassenen Rollos kann die Temperatur auf über 35 Grad steigen.
Für Dachfenster gibt es spezielle Hitzeschutz-Markisen, die außen auf dem Fensterrahmen montiert werden und die Strahlung abfangen, bevor sie das Glas erreicht. Die Hersteller gängiger Dachfenstersysteme bieten passende Lösungen als Zubehör an. Wer das Fenster nicht von außen beschatten kann, sollte zumindest innenliegende Verdunkelungsrollos mit Thermobeschichtung nachrüsten.
Bei extremer Hitze in der Wohnung stellt sich für Mieter auch die Frage nach einer Mietminderung. Die Rechtsprechung hierzu ist uneinheitlich, aber Gerichte haben in Einzelfällen eine Minderung bei dauerhaft überhöhten Raumtemperaturen zugelassen - insbesondere dann, wenn die Ursache in baulichen Mängeln liegt, etwa einer unzureichenden Dachdämmung. Wer diesen Weg erwägt, sollte die Temperaturen über mehrere Tage dokumentieren und sich beim Berliner Mieterverein beraten lassen.
Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz
Dass Berlin mit dem Hitzeaktionsplan, der Kampagne "Bärenhitze" und der Einrichtung kühler Räume auf Senatsebene reagiert, hat einen ernsten Hintergrund: Hitze ist laut dem Robert Koch-Institut eine der tödlichsten Naturgefahren in Deutschland. Im Sommer 2023 gab es bundesweit angeblich rund 3.200 hitzebedingte Sterbefälle. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und Kleinkinder.
Umso wichtiger ist es, die eigene Wohnung rechtzeitig vor dem nächsten Sommer vorzubereiten. Wer zur Miete wohnt und bauliche Veränderungen plant, sollte frühzeitig das Gespräch mit dem Vermieter suchen. Maßnahmen wie Rollläden oder Außenjalousien steigern den Wert der Immobilie - und liegen damit auch im Interesse des Eigentümers.
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Weiterführende Informationen und Quellen:
- Alle Infos zum Hitzeschutz in Berlin wie die Kühle-Orte-Karte, Hitzewarnungen, Verhaltenstipps und aktuelle Fakten finden Sie auf Berlin.de: https://www.berlin.de/hitzeschutz/
- Über die unterschiedlichen Arten von Markisen wie Gelenkarmmarkisen, Klemmmarkisen usw. können Sie sich z.B. auf der Webseite von Empasa informieren: https://www.empasa.de/Markise/Gelenkarmmarkisen/
- Das Umweltbundesamt hat ebenfalls einige hilfreiche Tipps zusammengestellt wie man die Räume im Sommer kühl halten kann: https://www.umweltbundesamt.de/.../kuehle-raeume-im-sommer