Baufertigstellungen 2025: Wohnungsbau in Berlin und Brandenburg bricht ein
In Berlin sind 2025 ein Drittel weniger neue Wohnungen entstanden als im Vorjahr, in Brandenburg fast ebenso viele. Dafür boomt der Umbau im Bestand. Was die Zahlen für den Wohnungsmarkt der Hauptstadtregion bedeuten.
Der Wohnungsbau in der Hauptstadtregion lässt nach. In Berlin sind 2025 nur noch 11.027 Wohnungen fertiggestellt worden, davon 9.524 als Neubau - ein Minus von 35 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Brandenburg sieht es kaum besser aus: 7.379 Wohnungen insgesamt, minus 27,5 Prozent. Es ist in beiden Ländern der niedrigste Wert im Zehnjahresvergleich.
Die Zahlen kommen aus dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, veröffentlicht am 22. Mai 2026. Sie bestätigen, was Bauverbände und Wohnungswirtschaft seit Monaten signalisieren: Hohe Zinsen, gestiegene Baukosten und eine Krise mehrerer großer Projektentwickler hinterlassen ihre Spuren in der Statistik - in zeitlicher Verzögerung von einem bis zwei Jahren.
Berlin: Treptow-Köpenick vorne, Steglitz-Zehlendorf explodiert
Innerhalb Berlins zeigt sich ein deutliches Gefälle. Spitzenreiter bei den Fertigstellungen waren 2025 die Bezirke Treptow-Köpenick, Pankow und Lichtenberg - klassische Wachstumsbezirke mit großen Quartiers-Entwicklungen wie Adlershof und Pankow-Buch.
Auffälligster Sprung im Vorjahresvergleich: Steglitz-Zehlendorf. Dort wuchs die Zahl der fertiggestellten Wohnungen von 345 auf 793 - ein Plus von 130 Prozent. Hintergrund sind mehrere abgeschlossene Bauprojekte in Lichterfelde-Süd und am ehemaligen US-Hospital. Beides Quartiere, deren Bebauung sich über Jahre hinzog und 2025 in Bewohnung überging.
Insgesamt entstanden in Berlin 9.524 Neubauwohnungen - 14.632 waren es im Vorjahr. Der Trend in der Statistik ist klar: Neubau zurück, Bestandsumbau hoch. 1.503 Wohnungen sind 2025 durch Umbau bestehender Gebäude entstanden - das ist doppelt so viel wie 2024.
Wenn aus einem Dachboden eine Wohnung wird, ein leerstehendes Bürohaus zu Wohnungen umgebaut wird oder ein Gebäude um Stockwerke erweitert wird, zählt das in der Statistik als Wohnung durch Umbau am Bestand - nicht als Neubau. Diese Kategorie wächst seit zwei Jahren stark.
Brandenburg: Potsdam und Umland tragen die Bilanz
Brandenburg zeigt das gleiche Muster wie Berlin, nur regional anders verteilt. Die meisten Fertigstellungen liegen erwartungsgemäß im Speckgürtel: Potsdam-Mittelmark und Potsdam selbst führen die Tabelle an. Schlusslichter sind dünn besiedelte Landkreise wie Prignitz und Oberspreewald-Lausitz - und kurioserweise auch Brandenburg an der Havel, die drittgrößte Stadt des Landes.
Interessant ist die Aufschlüsselung nach Wohnungstyp: Ein- und Zweifamilienhäuser gingen um ein Viertel zurück (3.084 Wohnungen), Mehrfamilienhäuser dagegen stiegen um ein gutes Drittel auf 3.373. Heimisches Bauen sinkt, gewerblich-renditeorientierter Wohnungsbau steigt - der Brandenburger Markt verschiebt sich Richtung Investor.
Auch in Brandenburg wächst der Bestandsumbau: 890 Wohnungen entstanden 2025 durch Umbauten an bestehenden Gebäuden - ein Anstieg um gut ein Viertel.
Nichtwohnbau: gewerbliches Bauen schrumpft moderat
Etwas weniger dramatisch fällt der Trend im Nichtwohnbau aus - also bei Büros, Lagerhallen, Produktionsanlagen, Schulen und ähnlichem. In Berlin wurden 168 Gebäude mit zusammen 457.850 m² Nutzfläche fertiggestellt, ein Jahr zuvor waren es 173. In Brandenburg gingen die Fertigstellungen um knapp 11 Prozent auf 515 Gebäude zurück.
Was die Zahlen für den Markt bedeuten
Für Mieter sind die Zahlen schlechte Nachrichten. Wenn der Neubau einbricht und gleichzeitig die Nachfrage in beiden Ländern hoch bleibt, steigt der Druck auf die Mieten - speziell in Berlin, wo der Wohnungsmarkt schon vor 2025 angespannt war. Die Zahlen sprechen für anhaltend hohe Preise im Bestand.
Politisch interessant ist die Verschiebung Richtung Bestandsumbau. Senat und Landesregierung argumentieren seit längerem, dass die Modernisierung und Aufstockung bestehender Gebäude leichter Akzeptanz finde als kompletter Neubau. Die Statistik zeigt: Der Markt setzt diese Logik bereits um - offen ist, wie hoch der Anteil noch wachsen kann, bevor die Kapazitäten der Bauwirtschaft an Grenzen stoßen.
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