Stadtleben

2025 war jeder zweite Haushalt in Berlin ein Single-Haushalt

Redaktion: Tjark Knittel · Letzte Aktualisierung: 26.05.2026 · Lesezeit: 4 Min.

977.000 Einpersonenhaushalte in Berlin, 493.000 in Brandenburg - das Single-Wohnen ist 2025 die häufigste Haushaltsform der Region. Friedrichshain-Kreuzberg führt mit 59,2 Prozent, ältere Frauen prägen das Bild besonders. Die Mikrozensus-Zahlen und was sie für die Region bedeuten.

Menschen in Berlin
Immer mehr Single-Haushalte in Berlin · Foto: nonglak, stock.adobe. com

In Berlin und Brandenburg lebt 2025 immer häufiger nur eine Person pro Haushalt: Mit 977.000 Einpersonenhaushalten in Berlin (50,0 Prozent aller Haushalte) und 493.000 in Brandenburg (39,1 Prozent) sind Single-Haushalte erstmals die mit Abstand häufigste Wohnform der Region. Das geht aus den Erstergebnissen des Mikrozensus hervor, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg veröffentlicht hat.

Damit liegt Berlin deutlich über dem Bundesdurchschnitt, während Brandenburg in etwa dem deutschen Mittel entspricht. Insgesamt gibt es in Berlin rund 1,95 Millionen Haushalte, in Brandenburg etwa 1,26 Millionen. Die Zweipersonenhaushalte bilden in beiden Ländern die zweithäufigste Gruppe - in Berlin mit 28,4 Prozent, in Brandenburg mit 36,4 Prozent. Große Haushalte mit fünf oder mehr Personen sind dagegen selten geworden: 3,6 Prozent in Berlin, 2,7 Prozent in Brandenburg.

Infografik: Einpersonenhaushalte 2025 in Berlin (50 Prozent) und Brandenburg (39 Prozent), plus Spitzenwerte der Bezirke
Berlin liegt mit 50 Prozent Einpersonenhaushalten elf Prozentpunkte vor Brandenburg. Spitzenreiter ist Friedrichshain-Kreuzberg mit 59,2 Prozent. Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.

Innenstadt vorne, Plattenbau hinten: das Berliner Bezirks-Bild

Innerhalb Berlins zeigt sich ein klares Gefälle vom Zentrum zur Peripherie. Friedrichshain-Kreuzberg führt mit einem Anteil von 59,2 Prozent - in fast sechs von zehn Haushalten lebt dort nur eine Person. Es folgen Charlottenburg-Wilmersdorf mit 53,8 Prozent und Neukölln mit 53,4 Prozent. Diese Bezirke sind klassische Studentenviertel, Szene-Quartiere und Anlaufstellen für Berufseinsteiger - alles Gruppen mit hohem Single-Anteil.
lesen Sie auch unsere Tipps für Singles in Berlin.

Am anderen Ende der Skala liegt Marzahn-Hellersdorf mit 43,9 Prozent - immer noch hoch im bundesweiten Vergleich, aber knapp 15 Prozentpunkte unter dem Spitzenreiter. Die Plattenbau-Bezirke sind nach wie vor stärker von Familien und Mehrpersonenhaushalten geprägt. Auch die außenliegenden Bezirke wie Treptow-Köpenick und Reinickendorf liegen unter dem Berliner Durchschnitt.

Was ist der Mikrozensus?
Größte Stichproben-Befragung Deutschlands

Der Mikrozensus ist die jährliche EU-koordinierte Bevölkerungsstatistik. In Berlin und Brandenburg werden rund ein Prozent aller Haushalte zu Wohn-, Arbeits- und Lebenssituation befragt - auskunftspflichtig. Daraus rechnet das Amt für Statistik die regionalen Eckwerte hoch.

Brandenburg: Mittelstadt vor Großstadt

In Brandenburg dreht sich das Bild teilweise um. Den höchsten Anteil Einpersonenhaushalte verzeichnen die mittelgroßen kreisfreien Städte mit 50 Prozent - angeführt von Frankfurt (Oder) (53,2 %) und Cottbus (50,2 %). In den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern, also Potsdam einschließlich Umland, liegt der Anteil nur bei 43,3 Prozent.

Am unteren Rand stehen die berlinnahen, ländlich geprägten Landkreise: Märkisch-Oderland kommt nur auf 32,2 Prozent, Potsdam-Mittelmark auf 32,7 Prozent, Oberhavel auf 33,4 Prozent. Dort dominieren Eigenheime, Familien mit Kindern und Rückkehrer aus Berlin - klassisches Speckgürtel-Profil.

„Wer allein lebt, lebt vor allem in der Stadt. Wer in der Region wohnt, lebt überwiegend zu mehreren.“

Beobachtung aus dem Mikrozensus 2025

Frauen 65+ prägen das Bild

Hinter der Zahl der Alleinlebenden steckt eine deutliche Geschlechter- und Altersverteilung. In Berlin sind 30,2 Prozent aller Einpersonenhaushalte 65 Jahre oder älter. Bei Frauen liegt dieser Anteil noch höher: 40,5 Prozent der alleinlebenden Frauen sind 65+, gegenüber rund 20 Prozent bei den Männern.

In Brandenburg ist das Bild noch eindeutiger: Dort sind 58,5 Prozent aller alleinlebenden Frauen 65 Jahre oder älter. Mehr als jede zweite allein wohnende Frau im Bundesland gehört damit zu den Senioren. Der Hintergrund ist demografisch: Frauen leben statistisch länger als Männer, viele bleiben nach dem Tod des Partners im eigenen Haushalt.

Männer zeigen ein gleichmäßigeres Altersprofil über alle Altersgruppen. Junge Singles in Studierenden- und Berufseinsteiger-Phasen sind hier deutlicher vertreten, während die älteren Single-Männer zahlenmäßig hinter den Frauen zurückbleiben.

Was die Zahlen für die Region bedeuten

Die Daten haben unmittelbare Folgen für die Wohnungs- und Sozialpolitik: Wo die Hälfte aller Haushalte aus einer Person besteht, wächst der Bedarf an kleinen Wohnungen - und gleichzeitig der Bedarf an niedrigschwelligen sozialen Angeboten für ältere Alleinlebende. Für den Wohnungsmarkt heißt das: Die Nachfrage nach Ein- und Zweizimmer-Apartments wird strukturell hoch bleiben.

Für die Kommunalpolitik werfen die Zahlen zudem die Frage nach Vereinsamung im Alter auf. Wenn in Brandenburg fast 60 Prozent der alleinlebenden Frauen über 65 sind, braucht es passgenaue Angebote - Nachbarschaftshilfe, mobile Dienste, Begegnungsorte. Für Berlin zeigen die Innenstadt-Werte einen anderen Trend: Junge Singles, hohe Fluktuation, knapper Wohnraum für alle anderen Lebensformen.
Und natürlich gibt es bei uns auch einige Tipps zum Heiraten in Berlin.

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