Stadtleben

Geburtenzahl in Berlin auf historischem Tief 2025

Redaktion: Kathrin Knittel · Letzte Aktualisierung: 22.05.2026 · Lesezeit: 3 Min.

33.240 Geburten in Berlin im vergangenen Jahr - ein Minus von fast fünf Prozent und der niedrigste Stand seit Beginn der Einwohnerregisterstatistik. Reinickendorf, Pankow und Mitte verlieren am stärksten. Eine Lesart der Zahlen.

Kinderwagen vor einem Berliner Altbau
Weniger Geburten in Berlin · Foto: © Maryna stock.adobe .com

In Berlin sind im Jahr 2025 noch 33.240 Kinder geboren worden. Das sind 1.708 weniger als im Vorjahr - ein Minus von 4,9 Prozent - und gleichzeitig der niedrigste Wert, seit die Berliner Einwohnerregisterstatistik diese Zahl erfasst. Das geht aus aktuellen Daten des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg hervor.

Der Rückgang zieht sich fast flächendeckend durch die Stadt. Auch die Zahl der Sterbefälle ist gefallen - sie liegt bei 37.899 und ist gegenüber dem Vorjahr um 4,3 Prozent zurückgegangen. Da der Rest jedoch immer noch höher ist als die Geburtenzahl, bleibt Berlin im Geburtendefizit: Rein rechnerisch fehlen 4.659 Kinder, um die Sterbefälle auszugleichen.

Reinickendorf, Pankow und Mitte verlieren am stärksten

Bei den Bezirken zeigt sich ein klares Gefälle. Den stärksten Geburtenrückgang weist Reinickendorf aus - minus 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dahinter folgen Pankow (−7,5 %) und Mitte (−7,2 %). Am wenigsten betroffen ist Marzahn-Hellersdorf, das mit einem Minus von 1,7 Prozent vergleichsweise stabil bleibt.

Diese Bezirks-Durchschnittswerte verdecken allerdings, wie stark die Entwicklung kleinräumig schwankt. Erst auf der Ebene der Planungsräume - die kleinste statistische Einheit unter den Bezirken - werden die Unterschiede sichtbar.

Was ist ein Planungsraum?
Die kleinste statistische Berliner Einheit

Berlin ist in 542 Planungsräume unterteilt - eine feinere Ebene als Bezirke oder Ortsteile. Damit lassen sich Entwicklungen auch innerhalb eines Stadtteils sichtbar machen.

Auffällig sind besonders die Ausschläge nach unten: Im Planungsraum Wittenau Süd in Reinickendorf gingen die Geburten um beachtliche 48,6 Prozent zurück. Im Planungsraum Lübars wurde ein Minus von 33,3 Prozent registriert. Auf der anderen Seite finden sich auch starke Anstiege: Der Planungsraum Lübarser Straße verzeichnete einen Zuwachs von 75,0 Prozent, Reinickes Hof 60,0 Prozent. In Ostseestraße im Prenzlauer Berg waren es immerhin noch 31,9 Prozent mehr Geburten.

„Die Berliner Geburtenzahl ist auf einem Tiefpunkt - und der Trend verteilt sich sehr ungleichmäßig über die Stadt.“

Aus dem Bericht des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg

Steglitz-Zehlendorf: ein Bezirk im Ungleichgewicht

Mindestens ebenso aussagekräftig wie die Geburten ist das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen. Hier zeigen die Zahlen ein deutliches Muster, das stark mit der Altersstruktur der Wohnviertel zusammenhängt. In Steglitz-Zehlendorf liegen 41 von 44 Planungsräumen bei den Sterbefällen vorn - ein Bezirk im demografischen Ungleichgewicht.

Am stärksten fällt das Verhältnis im Komponistenviertel in Lankwitz aus: Dort wurden 26 Sterbefälle je 1.000 Einwohner registriert. Der Berliner Durchschnitt liegt bei 9,7 Sterbefällen je 1.000 Einwohner. Ähnlich extrem ist der Barnimkiez in Friedrichshain mit 23 Sterbefällen je 1.000 Einwohner.

Solche Werte deuten auf eine deutliche Konzentration älterer Menschen in diesen Vierteln hin. In der Regel sind das Quartiere mit altem Wohnbestand, vielen Eigentümerhaushalten und wenig Zuzug junger Familien.

Wo Geburten zunehmen: junge Innenstadtviertel

Den Gegenpol bilden Planungsräume mit deutlichem Geburtsüberschuss. Arkonaplatz in Mitte verbucht einen rechnerischen Überschuss von 96 bei 10 Geburten und 3 Sterbefällen je 1.000 Einwohner - das ist beispiellos für Berlin. Gleisdreieck in Friedrichshain-Kreuzberg kommt auf einen Überschuss von 46.

Beide Viertel teilen ein Profil: zentrale Lage, junge Mieterhaushalte, hoher Anteil an Familien zwischen 30 und 40. Die Demografie folgt damit unmittelbar dem Wohnungsmarkt - wo neue, geräumige Wohnungen für Familien entstehen, verschiebt sich auch die Geburtenstatistik.

Was die Zahlen für Berlin bedeuten

Der Geburtenrückgang in Berlin ist kein lokales Phänomen - bundesweit liegt die Geburtenrate seit Jahren auf niedrigem Niveau. Was Berlin besonders macht, ist die extreme kleinräumige Streuung: Während ganze Stadtviertel altern und die Schulinfrastruktur dort überdimensioniert wird, droht in den jungen Innenstadtquartieren das Gegenteil - nicht genug Kita- und Grundschulplätze für alle Kinder.

Für die Senatsverwaltungen für Bildung und für Stadtentwicklung sind die Planungsraum-Zahlen entsprechend die wichtigeren als die Gesamt-Berliner Zahl. Der Trend zur Schrumpfung bei gleichzeitiger lokaler Verdichtung erfordert eine flexiblere Infrastruktur-Planung als das gewohnte Wachstums-Modell.

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